Sport-Bild-Relaunch: alte Taktik, neuer Look

Im Fußball gilt: Alles neu macht der August. Die nächste Bundesliga-Saison startet, viele Sportsendungen und -Magazine verpassen sich pünktlich zum Anpfiff gerne ein paar optische und inhaltliche Änderungen. So in diesem Jahr auch Springers Sport Bild. Doch bei ein paar kleinen Neuerungen ist es nicht geblieben. Die Hamburger haben das gesamte Blatt visuell renoviert. Das Ergebnis ist ein aufgeräumteres Heft mit einem Plus an Grafiken, Zahlen und Info-Kästen.

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Beim Blick in die neue Sport Bild drängt sich recht schnell der visuelle Vergleich mit dem Focus auf. Auch das Burda-Nachrichtenmagazin setzt auf Info-Grafiken und viele ergänzenden Kastenelemente.

Ähnlich wie die Trainer, die in dieser Sommerpause verstärkt an der Kompaktheit ihrer Teams gearbeitet haben, feilte auch die Redaktion der Sport Bild daran, dem bis dato leicht chaotischen Sportmagazin wieder eine klarere Linie zu verpassen. "Ob durch Layouter, Art-Direktoren und Chefredakteure: Im Laufe der Jahre gab es immer mal wieder Eingriffe in das Layout. Jetzt stellen wir die ganze Optik noch einmal auf Null und sorgen dafür, dass das Heft wieder wie aus einem Guss daher kommt", erklärt Chefredakteur Matthias Brügelmann gegenüber MEEDIA.
 
Zumindest beim Blick in die erste renovierte Ausgabe behält der Blattmacher recht, wenn er sagt, dass sein Magazin jetzt "optischer und magaziniger" geworden sei. "Inhaltlich bleiben wir unseren Stärken treu: Wir jagen weiterhin die exklusive Nachricht und gute Interviews und Hintergrundgeschichten haben wir schon immer gemacht. Die Reporter müssen jetzt allerdings noch mehr mitüberlegen, mit welchen Gestaltungselementen eine Story spannender erzählt werden kann."

Tatsächlich geben sich die Hamburger Mühe, viele Storys mit einer gewissen optischen Pfiffigkeit anzupacken. Das wird beim Blick in das Inhaltsverzeichnis besonders deutlich. Wie ein Fächer entfalten sich nun vor dem Leser die unterschiedlichen Storys. Das ist eine nette Idee, sieht gut aus, verändert allerdings nichts am Inhalt bzw. am Gehalt der Geschichten.

Die einzigen inhaltlichen Neuerungen sind – passend – zum neuen Look eher magazinige bzw. spielerische Ideen. So zeigt die Sport Bild jetzt immer ein Tor oder eine strittige Szene auf einer Doppelseite in 3D. Zudem gibt es die neue Rubrik Kategorie "Nach der Geburt vereint". Dort morpht die Sport Bild nun in jeder Ausgabe zwei Prominente. Diesmal sind das Jürgen Klopp und Pep Guardiola zu "Kloppiola".

Unter Mithilfe des brasilianischen Art Directors Saulo Santana, der von der Bild am Sonntag ausgeliehen wurde, hat die Sport Bild einen neuen Look bekommen. Doch wem ihre inneren Werte vorher nicht gefielen, wird sich jetzt auch nicht in die aufgehübschte Braut verlieben. Trotzdem gelingt es der Redaktion um Blattmacher Brügelmann, eine gewisse Lücke zu schließen. Es gibt viele Redaktionen, die über Sport bzw. über Fußball schreiben. Bis auf die Ausnahme der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, sind allerdings fast alle Sportseiten optisch eher langweilig bzw. völlig überladen. Auf diese Marktlücke schielen die Hamburger.

Mit dem Relaunch verhält es sich allerdings wie mit jeder Bundesligamannschaft. In der Sommerpause kann man viele schöne Spielzüge trainieren. Ob die neue Taktik funktioniert, muss erst der Ligabetrieb zeigen. Statt einer Punktetabelle, wird sich die Chefredaktion an den regelmäßigen IVW-Zahlen messen lassen müssen. So wird sich erst ab Weihnachten eine Tendenz ablesen lassen, ob die Sport Bild mit ihrem Relaunch Kurs auf die Kreisklasse, Champions League oder Meisterschaft nimmt.

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