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Bild+ und Sun+ – wer klaut hier von wem?

Die britische Boulevardzeitung The Sun bietet nun auch digitale Bezahl-Inhalte an. Das Paket nennt sich Sun+ und ein Kernstück ist eine App mit Video-Ausschnitte aller Tore der englischen Fußball Premiere-League. Na, kommt Ihnen das auch seltsam bekannt vor? Richtig! Das digitale Bezahlmodell der britischen Sun erinnert an das der deutschen Bild-Zeitung mit Bild+ samt Bundesliga-Paket. Mit einigen Unterschieden.

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Ganz offenbar hat man sich dies- und jenseits vom Kanal wechselseitig inspiriert. Bild und Sun pflegen schon traditionell einen intensiven Austausch, was nicht weiter verwunderlich ist. Beide Blätter sind die jeweils führenden Boulevardzeitungen in ihrem Land und in ganz Europa und kämpfen mit ähnlichen Problemen: sinkenden Auflagen und erodierenden Print-Werbeerlösen. Bild-Chef Kai Diekmann pflegt auch persönlich einen guten Kontakt zu James Murdoch, Sohn von Medienmogul Rupert Murdoch, zu dessen Reich auch die britische Sun gehört.

Murdoch hat kürzlich die Print-Aktivitäten seiner News Corp. in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert. Auch dieser Schritt erinnert entfernt an die Digital-first Strategie bei Axel Springer, wo kürzlich der Verkauf aller Regionalzeitungen sowie der TV- und Frauenzeitschriften bekanntgegeben wurde. Und genau wie Springer setzt auch Murdoch bei den Digital-Ausgaben der Zeitungen konsequent auf Bezahl-Inhalte. Das Haus Springer und das Haus Murdoch – in strategischen Fragen ticken beide gleich.

Der Gleichklang der Pay-Strategien bei der Sun in Großbritannien und der Bild in Deutschland wird also kein Zufall sein. Ganz wie Bild+ ist auch Sun+ wie eine Art Club angelegt. Man muss ein Basis-Abo abschließen und kann dann diverse Module, wie eben Fußball, draufsatteln. Beide Blätter bieten zudem extrem verbilligte Schnupperabos an. Danach kostet die Sun+ Basis-Mitgliedschaft zwei Britische Pfund pro Woche, bzw, 8,67 Pfund pro Monat (das entspricht knapp zehn Euro).

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Bei Bild+ ist man billiger dabei – hier kostet das Basis-Abo nur 4,99 Euro pro Monat. Wer die Bundesliga sehen will, muss aber 2,99 Euro drauflegen. Bei den Briten ist der Fußball bereits inklusive. Sun+ bietet darüber hinaus noch allerlei Coupons und Rabatte für Abonnenten, angeblich im Wert von über 200 Pfund. Gut möglich, dass entsprechende Rabatt-Pläne bei Bild+ auch schon in der Schublade liegen …
Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass die Sun alle Inhalte hinter die Paywall packt, während Bild+ auf ein Freemium-Modell setzt, also nur ausgewählte Inhalte kostenpflichtig macht.

In Großbritannien liegen Online-Abos bei Zeitungen im Trend. Das Reuters Institute hat ermittelt, dass mittlerweile neun Prozent der britischen Leser für Online-News bezahlen. 2012 waren das noch vier Prozent. Im März hat der Daily Telegraph eine Paywall eingeführt. Die Times (gehört auch zu Murdoch) hat schon seit längerem eine äußerst rigide Paywall und selbst Blätter, die im Web gratis sind, wie Guardian und Daily Mail, verlangen Geld für ihre iPad-Versionen.

Den Trick mit dem Pay-Zugpferd Fußball haben sich die News-Corp.Manager beim erfolgreichen Pay-TV-Kanal BSkyB abgeschaut. Auch dort ist die Fußball-Berichterstattung für Viele der Grund, überhaupt ein Abo abzuschließen. Und wer Fußball sehen will, muss immer zuerst das Basis-Abo zahlen – genau wie bei Sky Deutschland. Print – so scheint es – kann in Sachen Bezahl-Inhalte vom Fernsehen lernen.

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