Neue Machtverhältnisse im Programmie-Markt

Publishing Die erste Aufregung hat sich gelegt, Zeit für einen Blick auf die Auswirkungen des Deals zwischen Axel Springer und der Funke Mediengruppe. Eine der großen Auswirkungen betrifft den Markt der Programmzeitschriften, mit einer verkauften Auflage von 15,7 Mio. Exemplaren pro Ausgabe immer noch einer der großen Umsatzbringer der deutschen Zeitschriftenbranche. Hier entsteht durch die Übernahme de facto ein Duopol, denn künftig teilen sich Funke (inklusive der Springer-Titel) und Bauer den Markt auf.

Werbeanzeige

Derzeit kämpfen vier Verlage um Leser/Käufer und Anzeigenkunden: Die Bauer Media Group mit ihren Millionen-Sellern TV 14, TV Movie, Auf einen Blick und sechs weiteren Titeln, Axel Springer mit TV Digital, Hörzu, Funk Uhr, Bildwoche und TV neu, Burda mit TV Spielfilm, TV Today und TV Schlau, sowie die Funke Mediengruppe, die über ihren Gong Verlag derzeit schon zwölf Programmies heraus gibt: Vom erfolgreichsten TV Direkt über den Klassiker Gong bis zum erfolgreichsten 4-Wochen-Heft nur TV.

Insgesamt verkaufen sich diese 29 von der IVW geprüften Programmzeitschriften sage und schreibe 15,7 Mio. mal. Zwar waren es vor fünf Jahren noch etwas mehr als 18 Mio., doch das Segment ist immer noch ein gigantischer Umsatzbringer – zumal, wenn man bedenkt, dass 13,7 Mio. der 15,7 Mio. Hefte wöchentlich oder 14-täglich erscheinen – und verkauft werden. Die Machtverhältnisse in diesem Markt sind bislang relativ klar verteilt: Bauer führt mit einem Anteil von derzeit 43,8% an den Gesamt-Verkäufen des Segments, dahinter folgen Springer und Gong Verlag / Funke mit 24,0% bzw. 22,6%. Die Burda-Tochter TV Spielfilm Verlag kommt auf 9,6%.

Wäre der vor einigen Tagen angekündigte Deal, laut dem die fünf Springer-Programmies zum 1. Januar allesamt an die Funke Mediengruppe verkauft werden, schon vollzogen, so würden die Machtverhältnisse völlig neu geregelt. Bauer, bisher unangefochtene Nummer 1 würde hinter Funke zurück fallen, das mit den zwölf Titeln aus dem Gong Verlag und den fünf von Axel Springer nun einen Marktanteil von 46,6% hätte. Zwei Häuser würden nun das Segment kontrollieren – mit einem gemeinsamen Marktanteil von mehr als 90%:

Vor allem bei den wöchentlichen Titeln, wo der Gong Verlag bisher nur einen Marktanteil von 13,6% hat, übernähme Funke dank der 38,7% durch Hörzu, Funk Uhr, Bildwoche und TV neu die Macht. Bei den 14-täglichen Titeln, läge Funke mit dem bisherigen Marktanteil von 20,0% und dem TV-Digital-Anteil von 21,4% noch knapp hinter Bauer (43,0%). Burda hingegen, mit 15,6% durch TV Spielfilm & Co. bisher noch in etwa auf Augenhöhe mit Springer und Gong Verlag, wäre abgeschlagen hinter den beiden Großen Bauer und Funke.

Etwas stärker steht Burda auch in Zukunft noch im Werbemarkt da. Dort haben die Bauer-Programmies derzeit einen Marktanteil von 42,6% aller Brutto-Werbeumsätze des Segments, Springer kommt auf 31,6%, Burda/TV Spielfilm auf 18,1% und die Gong-Verlags-Titel bisher nur auf 7,7%. Diese offensichtliche Funke-Schwäche bei der Anzeigenvermarktung dürfte auch ein Grund dafür sein, dass Springer im angekündigten gemeinsamen Vermarkter mit Funke die Mehrheit und die Führung behält.

Welche Auswirkungen die Neustrukturierung des Programmzeitschriftenmarktes haben wird, kann natürlich nur gemutmaßt werden. Allerdings: Wenn in Zukunft fast nur noch die Programmredaktionen zweier Häuser darüber entscheiden, welche Filme, Serien, Shows als gut oder schlecht bewertet werden, kann das für die Leser und vor allem auch für die TV-Sender, bei denen Milliarden Werbegelder auch von schlechten oder guten Kritiken abhängen, nur eine schlechte Nachricht sein.

Werbeanzeige

Mehr zum Thema

Studie: Native Ads bei Verlagen beliebt, bei Lesern überhaupt nicht

Weniger Schüler, weniger Beihilfe: Gruner + Jahr spart auch bei Henri-Nannen-Schule

Investigativer und crossmedialer: Auto Bild verpasst sich Relaunch

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*