Boris Beckers verpatzte Facebook-Karriere

Sommer, Sonne, das pralle Leben: Die besten Tage des Jahres wollen in den sozialen Kanälen wohl dokumentiert sein. Mit ähnlicher Omnipräsenz wie früher auf dem Centre Court inszeniert sich Boris Becker nun bei Facebook, Instagram & Co. Das Ergebnis ist nicht immer schmerzfrei zu beobachten: Mit einem Posershot nach dem anderen buhlt Becker um Likes, demontiert sich dabei aber auch schon mal selbst mit entblößtem Oberkörper und seltsam belanglosen Posts. Ach, Boris.

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Es ist so eine Sache mit der zweiten Karriere: Den wenigsten Profisportlern gelingt sie. Das Problem bei Weltstars: Der Kopf kommt nicht immer damit klar, dass die große Bühne plötzlich verschwunden ist. Nicht wenige Altstars verdingen sich auch auf sogenannten Seniorentouren, um wieder das Gefühl zu haben, nicht ganz vergessen worden zu sein.

Leichter geht die Selbstvergewisserung mithilfe der sozialen Netzwerke. Der frühere deutsche Tennisheld Boris Becker hat dort offenkundig sein zweites Wohnzimmer gefunden: Mit der Ausdauer eines ambitionierten Social Media-Managers pflegt der dreifache Wimbledonsieger seine Facebook-Seite, die eigentümlicherweise keine Fanpage, sondern Beckers eigenes Profil ist, dem eine Viertelmillion Facebooker folgen. Damit liegt Becker mit rund 50.000 Followern / Fans hinter der neuen deutschen Tennis-Queen Sabine Lisicki. So ändern sich die Zeiten.

"Bin ja Becker-Fan… aber das mit dem Baucheinziehen müssen wir noch üben!"

Dass die Zeit in den inzwischen fast 15 Jahren nach seinem Rücktritt von der Profi-Bühne tatsächlich nicht stehen geblieben ist, dokumentiert Becker bei Facebook und Instagram auf seine ganz eigene Weise. Der 45-Jährige postet in einem Eifer, der dem von Heidi Klum in nichts nachsteht, bemerkenswert Selbstenthüllendes bei Instagram und Facebook: ein unverkennbarer Sonnenbrand am Strand von Malibu, nur einen Tag später in entspannter Pose auf einer Yacht vor Formentera, schließlich Becker mit Manuel Neuer auf einer Gala.

Wir lernen: Dieser Sommer meint es gut mit unserem dreifachen Wimbledonsieger. Doch Boris Becker wäre nicht Boris Becker, wenn es nicht immer noch einen Versuch gäbe, sich noch mal zu überbieten. Was früher als misslungener Stop an der Netzkante hängen blieb, sieht in Zeiten des Social Web so aus: Es gibt Bilder, die sollte es vermutlich besser nicht geben.
 
"Wifey played Paparazzi“" nennt Becker das wenig vorteilhafte Instagram-Foto am Pool. "Plauzen Joe", kommentiert ein Nutzer. "Ne, ne, das geht gar nicht. Mutig, mein Respekt", ein anderer auf Instagram. Auf Facebook geht es härter zur Sache: "Altherrenfigur", ist da zu lesen. Oder etwa: "Ich bin ja Becker-Fan… aber das mit dem Baucheinziehen müssen wir noch ein bisschen üben!"
 
Unvorteilhafte Bilder: Twitter-Zwist mit Bild

Warum sich Becker die Selbstdemontage antut – völlig unklar. In der vorigen Woche hatte sich der 45-Jährige noch auf Twitter gegen die wenig vorteilhaften Paparazzi-Aufnahmen in Bild beschwert.  „Schade, dass mein Tennisspiel mit Elias am Strand nicht gezeigt sondern unvorteilhafte Bilder.“ (sic). Und weiter: „Würde gerne einmal "Redakteure" bei @Bild in Badehose sehen,die Bilder auswählen…..oder Bikini…."

Auf das Springer-Blatt, das traditionell als Erster aus Beckers Leben berichtete, hat es die deutsche Tennis-Ikone von nun an abgesehen: „Heute hat jemand bei @bild versucht Copacabana zu schreiben,herausgekommen ist Copcobana…..lieber nicht nach Brasilien fahren!“, ledert Becker via Twitter gegen Bild – obwohl hinreichend dokumentiert ist, dass Beckers eigene Orthografie auch nicht immer vor dem Duden bestehen kann…

Doch genug der Worte! Am liebsten lässt Becker Bilder sprechen – und neuestens auch Videos. In den letzten Tagen bei Instagram zu besichtigen: Becker bei den Vorbereitungen der Sat.1-Sommerloch-Show „Deutschland gegen Holland“, Becker beim Familiendinner („Soul Food“) auf Ibiza oder mit einer unbekannten Schönheit auf der Yacht (Nutzer-Kommentar: „Wieso gibts auf diesen Booten keine Durchschnittsfrauen“).

Es ist ein Vollzeitjob, Boris Becker zu sein – auch in der Karriere nach Karriere

Verstehen muss man die Bilderflut ebenso wenig wie die seltsam beliebigen Lückenfüller-Posts über Models („Cara D looking bored“), Belanglosigkeiten über andere Sportler und Popstars oder geteilte Binsenweisheiten von Pseudo-Aphorismen-Seiten wie "What we Seee".

"Sometimes I have no f***ing clue what’s going on on your page Boris", schreibt ein Follower entgeistert und bringt damit auf den Punkt, was wohl einige Nutzer zur Facebook-Inszenierung der früheren Nummer eins der Tenniswelt denken.  

Wir lernen: Auch Wimbledon-Siege schützen vor den Fallstricken von Social Media nicht. Vor allem aber: Es ist ein Vollzeitjob, Boris Becker zu sein – auch in der Karriere nach der Karriere. Großes Tennis aber ist etwas anderes…

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