Börsenrakete: Greift Springer nach Scout?

Die Trennung von den Traditionsmarken elektrisiert Aktionäre von Axel Springer. Die Anteilsscheine des MDax-Konzerns, traditionell eines der umsatzärmsten Papiere im Nebenwerte-Index, legte gestern einen Satz wie eine Internetaktie aus dem Jahr 1999 hin: Um 25 Prozent ging es in der Spitze nach oben nach, ehe Gewinnmitnahmen einsetzen. Analysten begrüßen den Verkauf von Abendblatt, Hörzu & Co, sehen aber nach dem Sprung auf ein 6-Jahreshoch nun kaum mehr Kurspotenzial.

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Die Trennung von den Traditionsmarken elektrisiert Aktionäre von Axel Springer. Die Anteilsscheine des MDax-Konzerns, traditionell eines der umsatzärmsten Papiere im Nebenwerte-Index, legte gestern einen Satz wie eine Internetaktie aus dem Jahr 1999 hin: Um 25 Prozent ging es in der Spitze nach oben nach, ehe Gewinnmitnahmen einsetzen. Analysten begrüßen den Verkauf von Abendblatt, Hörzu & Co, sehen aber nach dem Sprung auf ein 6-Jahreshoch nun kaum mehr Kurspotenzial.

Seit zweieinhalb Jahren zählt Axel Springer zu den Underperformern an der Börse: Wer etwa Anfang 2011 in Anteilsscheine von Europas größtem Zeitungsverlag investierte, lag bis gestern unter Wasser. Bei über 41 Euro startete Springer ins Börsenjahr 2011  – und sollte die Marke bis gestern nicht wieder sehen.

Dann kam die Meldung, die alles veränderte: Der Berliner Medienkonzern verkauft seine Traditionstitel Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost, die Hörzu sowie alle weiteren TV- und Frauenzeitschriften an die Essener Funke Mediengruppe (früher WAZ) für satte 920 Millionen Euro.

Börsenwert durch den Zeitungsverkauf um den Verkaufspreis gesteigert

Reaktion der Märkte: Ein Kursplus von in der Spitze 25 Prozent. Die Springer-Aktie sprintete am erfolgreichsten Handelstag aller Zeiten von 34,50 Euro am Morgen auf knapp 43 Euro am frühen Nachmittag, ehe Aktionäre Geld vom Tisch nahmen und sich das Papier am Ende bei 40 Euro einpendelte. Es blieb damit immer noch ein saftiges Kursplus von 17 Prozent.

Mathias Döpfner gelang gleich ein doppelter Coup: Nicht nur konnte sich er sich zu einem bemerkenswerten Preis von einem auf mittelfristige Sicht renditeschwachen Unternehmensteil trennen – er erhöhte den Börsenwert in der Spitze auch noch mal um den Verkaufspreis! Der Wertzuwachs an der Börse von 25 Prozent entspricht nämlich einem Sprung in der Marktkapitalisierung um eine Milliarde auf rund vier Milliarden Euro.   

Analysten: Nun genug Geld für Scout-Übernahme vorhanden

Von Analystenseite wurde der Verkauf entsprechend gefeiert: Einen "klaren Kurstreiber" nannte Analyst Jochen Reichert Warburg Research den Verkauf des Regionalzeitungen gegenüber dem Wirtschaftsinformationsdienst dpa-AFX. Auch Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe bewertete den Exit als "sehr gute Nachricht".  

Indes: Das Kurspotenzial halten beide Analysten mit Zielmarken bei 40 bzw. 41 Euro nunmehr für ziemlich ausgereizt. Für neue Kursfantasie könnten möglicherweise nun eigene Investitionen sorgen. "Die Axel Springer AG wird den eingeschlagenen Weg zum führenden digitalen Medienunternehmen konsequent weitergehen", schrieb Konzernchef Mathias Döpfner in seiner Mail an Mitarbeiter.

Eine Übernahme der Scout-Gruppe (ImmobilienScout24, AutoScout 24), über die zuletzt immer wieder Spekulationen hochkochten, wäre mit dem frischen Geld nun deutlich leichter zu stemmen. Analysten taxieren den Wert der Telekom-Tochter auf 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro.

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