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Suite101 macht in Deutschland dicht

Es war einmal ein Projekt namens Suite101: Auf der Autorenplattform konnte jeder seine Texte, solange sie möglichst serviceorientiert waren, veröffentlichen. Gezahlt wurde ja nach Leseranzahl. Doch dann änderte Google seinen Suchalgorithmus und der Traffic der 44-prozentigen Burda-Beteiligung brach ein. Seit rund einem Jahr dümpelte die deutsche Version nur noch vor sich hin. Jetzt ist endgültig Schluss. Seit Dienstag lassen sich keine neuen Texte mehr einstellen.

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Am Dienstag informierte das Management die deutschen Nutzer: „Nachdem wir nun heute bekanntgeben, dass wir eine schon lange überfällige, umfassende Überarbeitung der Seite durchgeführt haben, tut es uns zur gleichen Zeit Leid ankündigen zu müssen, dass wir die Autoren Community schließen werden. Von Juli 2013 an wird es nicht mehr möglich sein, auf Suite101.de neue Artikel zu veröffentlichen.“

Eine seltsame Logik. Die Seite wurde überarbeitet und funktioniert deshalb nicht mehr. Tatsächlich sieht sich das Management in Vancouver nicht mehr in der Lage das „notwendige Minimum an Support und Aufsicht seitens des Publishers bereitzustellen“. Die alten Texte sollen allerdings alle online bleiben und die Autoren auch weiterhin entlohnt werden.

Damit findet der schleichende Abstieg – zumindest der deutschen Seite – ihren Endpunkt. Ein eindeutiges Zeichen, dass es nicht gut um den hiesigen Ableger bestellt ist, war bereits die Schließung des Berliner-Büros Ende 2011. Im Sommer musste schon der Chefredakteur Frank Westphal das Unternehmen verlassen.

Bei Suite101 konnte jeder schreiben. Entlohnt werden die Autoren anteilig an den Werbeeinnahmen, die ihre Texte einspielen. Das bedeutet: Je mehr Leser ein Text findet, desto mehr Geld gibt es für den Autor. Die meisten Artikel haben einen starken Service-Charakter. In 2010 erreichten fast hundert Suite101-Autoren mit ihren Beiträgen mehr als 100.000 Leser. Über die Höhe der Einnahmen, die die Schreiber erzielen konnten, macht die Plattform allerdings keine Angaben.

Gegründet wurde die Seite bereits 1996 als Gemeinschaft unbezahlter Hobbyautoren. Nach einen missglückten Börsenintermezzo stieg 2006 Hubert Burda Media bei der kanadischen Web-Company ein.

In Kanada scheint sich die Plattform allerdings auf einen Neustart vorzubereiten. Nach dem Relaunch will ein kleines Team durchstarten. Allerdings ist ein Deutschland-Comeback unwahrscheinlich. Laut Burda ist der Neustart erst einmal für das englischsprachige, spanische und französische Portal vorgesehen. 
Interessierte fremdsprachige Autoren können sich jedoch jetzt schon anmelden. Es wird allerdings wohl nicht so einfach sein, die alten Schreiber wieder zu überzeugen.
Viele deutsche Autoren sind wütend auf die Betreiber. So schreibt Jörg Tilmes, dass den Autoren mit der Einstellung „die Teilnahme an Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften genommen“ worden wäre.  Zudem fragen viele, „was sie mit den Artikeln machen sollen, die im Ranking der Suchmaschinen weiter abstürzen werden, weil nichts neues nachkommt“. So sei in einer Facebook-Gruppe bereits eine „Sammelklage“ thematisiert worden. Ein solcher Schritt dürfte allerdings wenig Erfolgsaussichten haben.

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