Döpfner: Funke als idealer Käufer und Partner

Publishing Der Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hat die Mitarbeiter des Medienhauses heute über den Verkauf der Regionalzeitungen, Anzeigenblätter sowie der TV- und Frauenzeitschriften an die Funke Mediengruppe informiert. Am Springer-Standort Hamburg löste die Nachricht unter der Belegschaft teilweise Entsetzen aus. In einer Info-Mail begründet Döpfner den Verkauf u.a. mit kartellrechtlichen Problemen. Die Funke Gruppe sei ein "idealer Käufer und Partner". MEEDIA dokumentiert Döpfners Mail in voller Länge.

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Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

in den vergangenen Jahren habe ich Sie regelmäßig darüber informiert, wie sich unser Unternehmen verändert und warum es sich verändern muss. Trotz zunehmend schwieriger Marktbedingungen für unser Stammgeschäft, die gedruckten Zeitungen und Zeitschriften, ist es uns – nicht zuletzt aufgrund Ihres Veränderungswillens – gelungen, unsere Handlungsfähigkeit zu bewahren, zu gestalten und zu wachsen. Wir haben die Axel Springer AG in den letzten zehn Jahren umgebaut, neu aufgestellt und unsere Strategie auf einen klaren Digitalisierungskurs ausgerichtet. Wir haben dabei auf die Kosten geachtet und unsere Arbeitsabläufe immer wieder hinterfragt und verbessert. Das alles war richtig und wir sind damit sehr erfolgreich gewesen. Nun aber erreichen wir einen Punkt in der Unternehmensentwicklung, der uns eine weitreichende und schwierige Entscheidung abverlangt.

Um was geht es genau?

Wir haben heute einen rechtsverbindlichen Vorvertrag mit der Funke Mediengruppe (FMG), ehemals WAZ-Gruppe, zur Übernahme unserer Regionalzeitungen BERLINER MORGENPOST und HAMBURGER ABENDBLATT inklusive der Tochtergesellschaften sowie unserer Programm- und Frauentitel HÖRZU, TV DIGITAL, FUNK UHR, BILDWOCHE, TV NEU, BILD der FRAU und FRAU von HEUTE geschlossen. Die FMG will alle Mitarbeiter übernehmen, inklusive der Geschäftsführungen und der Chefredaktionen. Gleichzeitig planen wir zwei Gemeinschaftsunternehmen mit der FMG für die Werbevermarktung (unter der Leitung von Peter Würtenberger) und den Vertrieb, in die die Partner ihre jeweiligen Aktivitäten einbringen. Bei diesen beiden Unternehmen wird Axel Springer die unternehmerische Führung übernehmen und die Mehrheit halten. Weitere Details hierzu finden Sie in der heute veröffentlichten Presseinformation.

Warum tun wir das?

Die Regionalzeitungs- und die Zeitschriftenmärkte stehen vor einem großen Konsolidierungsprozess. Nur große Gruppen und Einheiten können es schaffen, dauerhaft zu überleben, weil in diesen Verbünden die nötigen gemeinsamen Strategien erarbeitet und Kosteneffekte erzielt werden können. Das wird dazu führen, dass einige Verlage Titel verkaufen, andere werden hinzukaufen. Wir haben viele Jahre geprüft, ob wir Zeitungen und Zeitschriften dazukaufen können. Das ging häufig deshalb nicht, weil wir aus Sicht des Kartellamtes allein schon mit BILD eine zu starke Marktstellung besitzen. Auch aus diesem Grund gehen wir seit Jahren den Weg der Digitalisierung. Wenn wir jetzt nicht handeln, müssten wir uns um die Zukunft von HAMBURGER ABENDBLATT, BERLINER MORGENPOST und der Zeitschriften und deren dauerhafte Überlebenschancen ernsthaft Sorgen machen. Noch geht es den Titeln sehr gut und wir wissen: Nur wenn es einem gut geht, kann man aktiv handeln.

Die Funke Mediengruppe ist ein idealer Käufer und Partner. Warum? Wie die Axel Springer AG ist die FMG ein traditionsreicher Verlag. Die Gruppe verlegt knapp 30 Tageszeitungen im In- und Ausland, etwa 175 Fach- und Publikumszeitschriften und 100 Anzeigenblätter. Die Gruppe beschäftigt deutschlandweit über 6.000 Mitarbeiter. In den letzten Jahren hat die Gruppe hart daran gearbeitet, Ihre Rentabilität zu verbessern und hat einige harte Einschnitte vornehmen müssen. Nun will die FMG wieder wachsen, vor allem im Regionalzeitungs- und im Zeitschriftenmarkt. Wir bei Axel Springer haben uns entschieden, das führende digitale Medienunternehmen zu werden. Die Strategien passen gut zusammen und über die gemeinsamen Vermarktungs- und Vertriebsgesellschaften werden wir dauerhaft verbunden sein.

Wie geht es nun weiter?

In den nächsten Wochen wird der Hauptvertrag verhandelt. Parallel wird ein Lenkungsausschuss unter Leitung von Jan Bayer gegründet. Dort werden alle noch offenen Punkte geklärt.

Abschließend möchte ich um Ihr Vertrauen bitten, dass wir alles dafür tun werden, die mit dieser Entscheidung einhergehenden Veränderungen für die Kolleginnen und Kollegen so fair wie möglich zu gestalten. Gespräche mit den Betriebsräten werden jetzt aufgenommen.

Persönlich möchte ich Ihnen noch sagen, dass uns die Entscheidung, uns von einigen der traditionsreichsten Marken unseres Hauses zu trennen, nicht leicht gefallen ist. Wir tun dies mit schwerem Herzen. Wir sind jedoch überzeugt, dass dieser Schritt für die langfristige Perspektive der Marken und deren Mitarbeiter das Beste ist. Die Axel Springer AG wird den eingeschlagenen Weg zum führenden digitalen Medienunternehmen konsequent weitergehen, mit klarer Ausrichtung auf die BILD-Gruppe und die WELT-Gruppe, in die wir journalistisch investieren werden und die auch sehr langfristig unverzichtbarer Kern des Unternehmens Axel Springer bleiben."

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