taz: Alle werden Online-Redakteure

Gegenentwurf zu Welt, Bild und möglicherweise auch zu Zeit Online: Während immer mehr Online-Redaktionen darüber nachdenken, Bezahlschranken und Paid-Dienste einzuführen, schlägt die taz – wie sollte es auch anders sein – einen alternativen Weg ein. Seit Donnerstagabend präsentiert sich die tageszeitung im Web in einem renovierten Layout und verspricht, dass alle Inhalte frei bleiben. Zudem soll ab kommenden Dienstag „die ganze taz auf taz.de publizieren“.

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„Eine Bezahlschranke wollen wir nicht, weil wir davon ausgehen, dass wir sie nicht brauchen. Unsere LeserInnen beteiligen sich freiwillig und engagiert bei „taz-zahl-ich““, erklärt Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch. „Das neue taz.de kommt zu einer Zeit, in der die Zeitungskrise jeden Tag neue Schlagzeilen macht und nun auch auf die Newsportale im Internet übergreift“.

Der neue Web-Auftritt von taz.de

Der taz-Manager ist davon überzeugt, dass die großen Verlage im Web den großen Fehler begangen haben, alles auf Reichweite zu setzen. „News-Seiten werden für Google optimiert, nicht für die Leser. Es fallen einem die alten Sprüche aus der Umweltbewegung der 1980er Jahre ein: Erst wenn der letzte zahlende Abonnent gegangen ist, werdet ihr merken, dass man Klicks nicht essen kann“.

Die taz-Lösung heißt zum einen also nun totale Offenheit und die Hoffnung auf eine maximale Solidarität der Leser, die freiwillig zahlen sollen.

Im Juni nahmen die Berliner über die freiwilligen Netz-Erlöse insgesamt 10.216,89 Euro ein. Den größte Teil, von 6.660,89 Euro, machten dabei die taz-zahl-ich-Abos aus. „Über Spontanzahlungen, die nach einem Klick auf der Webseite getätigt wurden, gingen 2830,68 Euro ein, dazu kamen noch 725, 32 EURO über Flattr“, heißt es im Abrechnungsposting der Redaktion. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Eingänge um 317 Euro.

Diese Zahlen zeigen jedoch auch, dass die Berliner von einem tragfähigen freiwilligen Geschäftsmodell noch einiges entfernt sind. Allerdings sind sie wiederum auch weiter als viele Konkurrenten.

Die neue Webseite soll nun helfen die taz im Web attraktiver zu gestalten. Zudem soll sie noch stärker die unterschiedlichen Aktivitäten der taz und ihrer Leser bündeln und zusammenfassen. Tatsächlich sieht die Seite nun wesentlich aufgeräumter aus. Dem ungeübten Surfer erschließt sich der manchmal etwas verwirrende taz.de-Kosmos jetzt doch wesentlich schneller. Auch die beliebten Blogs sind weit einfacher zu finden.

Im Juni erreichte das Online-Angebot der tageszeitung 4,79 Millionen Visits. Im Vormonat lag dieser Wert noch bei 4,99 Millionen Visits. Vor zwölf Monaten bei 4,46 Millionen Visits.

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