Anzeige

Neu bei Springer: Die Anzeige ist die Message

Die Bild schaltet eine Stellenanzeige, Kai Diekmann twittert darüber und alle Mediendienste so: „Yeah!“ Beim DLD Women fehlten Arianna Huffington und die „Anchor-Persönlichkeit“ der deutschen HuffPo - die „Anchor-Persönlichkeit“ des DLD Women ist dabei längst Maria Furtwängler-Burda. Bei RTL laufen die Trash-Programme am Mittwochabend auf Zuschauer-Abstellgleis. Und die Zeit informierte über eine prominente Homo-Hochzeit, hat aber ein entscheidendes Detail weggelassen.

Anzeige

„Your Bild needs You!“ haben diese Springers in einer aktuellen Stellenanzeige für die Bild-Gruppe getextet. Natürlich in Großbuchstaben. Natürlich mit Ausrufezeichen. Die Zeitung sucht mit dem berühmten Augenzwinkern „Visionäre, Macher und Medien-Revolutionäre“, die mehr Ideen haben sollen als Apple-Designer Jony Ive und die Samwers. Mal abgesehen davon, dass die Samwer-Brüder nicht durch revolutionäre oder visionäre Ideen hervorstechen, sondern eher durch einen eklatanten Mangel an Skrupeln beim Kopieren von anderswo erfolgreichen Geschäftsmodellen – diese Art der Stellenanzeige verdeutlich einmal mehr, dass kein anderes deutsches Medienhaus das virale Wortgeklingel so gut beherrscht wie die Axel Springer AG. Es reichte, dass Bild-Chef Kai Diekmann den Link auf das Stellenangebot dreimal twitterte und schon standen die Online-Mediendienste Gewehr bei Fuß und strickten Storys daraus (ja, wir auch …). Auf diese Weise muss die Axel Springer AG noch nicht einmal mehr Stellenanzeigen schalten. Schöne, neue Medienwelt: Die Anzeige ist die Message.

Ein bisschen enttäuschend war es schon, dass beim DLD Women Anfang der Woche Arianna Huffington fehlte. Eigentlich sollte die Medienunternehmerin in München auflaufen und mit Tamtam das Team und Konzept der deutschen Huffington Post vorstellen, die die Burda-Tochter Tomorrow Focus AG bekanntlich in Kooperation mit den Amerikanern erstellt. Vor allem waren wir Medienfuzzis gespannt wie ein Flitzebogen, wer denn nun die „Anchor-Persönlichkeit“ wird, die der deutschen HuffPo Gesicht und Stimme verleiht. Aber Satz mit X – abgeblasen. Die Präsentation der deutschen HuffPo wurde auf den Herbst verschoben und Frau Huffington reiste darum auch gar nicht erst an – was hätte sie auch erzählen sollen. Vielleicht ist es ja gar nicht so leicht, eine adäquate „Anchor-Persönlichkeit“ hierzulande zu finden. Für den DLD Women war das Fehlen der HuffPo-Lady möglicherweise sogar ein Gewinn. Die Präsentation hätte alles andere überstrahlt. So konnten sich die Teilnehmer ganz auf die zahlreichen interessanten Vorträge und Diskussionen konzentrieren.

Die „Anchor-Persönlichkeit“ des DLD Women ist neben Organisatorin Steffi Czerny ohnehin unumstritten die Frau des Verlegers, Maria Furtwängler-Burda. Sie moderierte super-souverän in bestem Englisch zahlreiche Veranstaltungen und war locker genug, bei akutem Hockermangel auch einfach mal auf dem Schoß ihres Mannes Platz zu nehmen, wie das spanische Online-Angebot Clarin.com im Bild dokumentierte.

Von der Clarin-Website

In der Rubrik „Prominent ignoriert“ auf Seite Eins der aktuellen Ausgabe der Zeit ist zu lesen, dass sich vor einigen Tagen „zwei Herren aus Essen am Tegernsee“ das Jawort gegeben haben. Das, so die Zeit, habe die WAZ berichtet. Der eine Bräutigam sei CDU-Mitglied und Rechtsanwalt und zähle zu seinen Mandanten Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, weswegen dieser auch als Trauzeuge anwesend gewesen sei. Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sei bei der Feier zu Gast gewesen. Was die Zeit nicht dazu schrieb ist, dass es sich bei ebenjenem Rechtsanwalt um Stephan Holthoff-Pförtner handelt, der Gesellschafter des WAZ-Verlags Funke Mediengruppe ist. Dieses Detail konnte man nicht nur der WAZ-Kolumne "Stadtgespräch", sondern sogar der Bunten entnehmen. (Nachtrag: Am Freitagnachmittag griff dann doch noch dpa ins Nachrichtengeschehen ein, siehe hier.)

RTL will mit seinem neuen Programm ein bisschen relevanter werden. Dafür gibt es dann Programme zur Bundestagswahl oder die Undercover-Reporterserie „Team Wallraff“. Die Quote muss aber halt auch irgendwo her kommen und dafür scheinen dann Reihen wie „Mama Mia“ gedacht, das nach den „Wild Girls“ am Mittwoch läuft und wie ein Mix aus dem Ultra-Trash-Format „Schwiegertochter gesucht“ und dem Rosenkavalier-Schmonzes „Der Bachelor“ wirkt. Mütter und ihre erwachsenen Söhne in Thailand auf Brautschau. Als potenzielle Bräute marschieren – wenig überraschend – Frauen mit Brüsten wie Atommeiler und Gogo-Tänzerinnen auf. Einen schwulen Kandidaten gibt‘s auch – „Bauer sucht Frau“ (bzw. Mann) lässt grüßen. So groß ist die Verzweiflung der TV-Macher bei der Suche nach neuen Format-Ideen also, dass sie jetzt auch großflächig bei sich selbst abkupfern. Die bittere Erkenntnis aber lautet, dass die Leute das Trash-Zeug gar nicht mehr sehen wollen. Sowohl bei „Mama Mia“ als auch bei der vorher laufenden Wüsten-Sause „Wild Girls“ sind die Quoten unbefriedigend. Dass Trash-TV zur Primetime nicht viele Zuschauer findet, das ist aber eigentlich doch eine beruhigende Nachricht. Oder?
Schönes Wochenende!

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige