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So greift Bild die „Sportschau“ an

Am 9. August startet Bild das wohl ehrgeizigste Verlags-Web-Projekt der vergangenen Jahre. Für einen Millionenbetrag haben die Berliner die Online-Rechte für die Fußball-Bundesliga gekauft. In Berlin gab Springer nun einen ersten Einblick, wie das Produkt aussehen soll, mit dem der altehrwürdigen "Sportschau" Zuschauer geklaut und endlich ein wirklich funktionierendes Paid-Content-Modell im deutschen Netz etabliert werden soll. Mit Fußball, dem liebsten Entertainment-Kind der Deutschen, müsste das doch gelingen.

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Wie man die "Sportschau" so richtig ärgert, weiß in Deutschland kaum jemand so gut wie Boris Starck. Immerhin revolutionierte er zusammen mit Reinhold Beckmann bei "Ran" (Sat.1) bereits die Fußballberichterstattung am Samstagabend. Jetzt versucht der TV-Profi und ehemalige Springer-Redakteur das Kunststück noch einmal. Als Redaktionsleiter der "Bundesliga bei Bild".  

So soll das neue Fußball-Angebot von Bild.de aussehen
Vom 9. August an zeigt das Boulevard-Portal jeweils 65 Minuten nach Abpfiff einer Partie einen Spielbericht zu jedem Match der ersten und zweiten Bundesliga. Die Zusammenfassungen wird es in zwei Längen geben. Einmal über 90 Sekunden und einmal mit bis zu sechs Minuten. Sollte eine Partie allerdings gähnend langweilig sein, „schrecken wir auch nicht davor zurück, den Beitrag kürzer zu halten“, wie Starck erklärt. Ab Montag 0.00 Uhr können dann alle Nutzer kostenlos auf die Spielberichte zugreifen.
Produziert werden die Zusammenfassungen von Plazamedia mit Unterstützung von Sport1. Auch die Kommentatoren, wie Jörg Dahlmann oder Hansi Küpper, stehen für solide, aber auch bekannte Qualität. Bei den Berichten wird es also kaum Experimente oder gar Revolutionäres geben. Als klaren Unterschied zur "Sportschau" sehen die Macher, dass sie sich auf den rollenden Ball konzentrieren wollen. Heißt: die Zusammenfassungen fokussieren sich auf das Match. Vorberichte und die obligatorischen Spieler-Interviews vor der Sponsorenwand sollen möglichst wenig Platz einnehmen. „Sagt ein Spieler etwas Interessantes nach der Partie, können wir das als Extra-Meldung auch später noch auffangen“, erklärt Projektmanager Jan Wachtel.
Auch wenn es bei der Vorstellung in Berlin keiner so direkt sagen wollte, hoffen die Boulevard-Profis mit ihrem neuen Angebot auch ein wenig die "Sportschau" zu ärgern. Immerhin gehen – zumindest samstags – beide Angebote fast zeitgleich on Air. Mit dem Unterschied allerdings, dass die Bild.de-Kunden sich die Reihenfolge der Spiele aussuchen und auch mobil sehen können, dafür aber einen Aufpreis von 2,99 Euro zu ihrem bestehen Bildplus-Abo zahlen müssen. In der günstigsten Variante kommen zu den 4,99 Euro also noch der Bundesligaaufschlag dazu. Zusammen macht das 7,98 Euro.
Als eine gewisse Drohung dürften die Verantwortlichen der "Sportschau" durchaus den neuen Claim von "Bundesliga bei Bild" verstehen: „Im Netz fühlt sich der Ball am wohlsten“.
Als Vermarktungspartner konnten die Berliner Volkswagen, Vodafone und Kik gewinnen. Lediglich die Identität eines Gewinnspielpartners hält Springer noch geheim. Diese soll erst kurz vor dem Anpfiff der Spielzeit bekanntgegeben werden. Den Abonnenten wird vor jedem Clip lediglich eine kurze Presenter-Werbung von maximal fünf Sekunden eingespielt. Die Free-Videos am Montag sind dagegen mit ganz normalen Pre-Rolls ausgestattet.
Für Springer ist der Erwerb der Bundesligarechte von zentraler Bedeutung. Nach Meinung der Macher zahle der Deal gleich auf mehrere Unternehmensziele ein. Erstens: Die Etablierung attraktiver Paid-Content-Modelle. Zweitens: Eine Stärkung der Bewegtbild-Relevanz. Drittes soll die Position im Markt der Connected-TV-Apps gestärkt werden. Viertens erhoffen sich die Berliner den Ausbau ihrer vermeintlichen Meinungsführerschaft in Fußballfragen auf alle digitalen Endgeräte.
Besonders beschäftigte die Macher die Frage, wie sie mit den Fans umgehen, die vor dem Anschauen einer Zusammenfassung gar nicht wissen wollen, wie das Match ausgegangen ist. Immerhin stehen bei Bild.de an jeder Ecke die Ergebnisse. Aber auch dafür fanden die Berliner eine Lösung. Unter der Woche erhalten die Abonnenten eine Mail. Wichtigster Inhalt ist ein Link, mit dessen Hilfe sie am Wochenende dann die Zusammenfassung starten können, ohne über die Haupseite navigieren zu müssen. So besteht keine Gefahr, dass sie schon vorab die Resultate erfahren.

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