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Mopo-Expedition: Vorbild für Lokalzeitungen

Als Reporter ist man viel unterwegs, spricht mit Menschen, ist auf der Suche nach spannenden Geschichten. Einen Rucksack braucht man dazu meistens nicht. Auch kein Zelt oder Blasenpflaster. Ohne diese Ausrüstung wären Felix Horstmann und Volker Schimkus wohl aufgeschmissen. Die beiden Reporter der Hamburger Morgenpost sind knapp zwei Wochen lang unterwegs im Hamburger Randgebiet und setzen auf die Mithilfe der Leser. Das hat Pioniercharakter. Das Projekt könnte schnell Nachahmer finden.

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Jede Redaktion einer Regionalzeitung kennt das Problem: Während die eigenen Leute in der Stadt tagaus, tagein unterwegs sind und neue Geschichten liefern, verliert man die weiter gefasste Metropolregion aus dem Fokus. Wer im Einzugsgebiet einer größeren Stadt lebt, will aber auch über seine Region informiert werden.

Aus diesem Grund hat die Hamburger Morgenpost den Entschluss gefasst, zwei Reporter auf eine Tour rund um Hamburg zu schicken. 205 Kilometer gilt es zu Fuß zu absolvieren. Gestartet am vergangenen Samstag im Stadtteil Rissen geht es im Uhrzeigersinn in geschätzten zehn bis zwölf Tagen einmal um die Stadt herum. Zehn Euro dürfen beide pro Tag für Verpflegung ausgeben. Das ist absichtlich zu wenig, denn das Projekt ist auf den direkten Kontakt mit den Lesern aus.

         Chefreporter Volker Schimkus in Aktion

Bislang war man zu Besuch bei FKK-Anhängern in Hummelsbüttel, knobelte mit Kneipenwirten und aß Kaffee und Kuchen mit Menschen aus dem Hamburger Grenzgebiet. Näher dran am Leser kann man kaum sein. Den direkten Kontakt suchen die Reporter nicht nur über die Berichterstattung in Print und Online, sondern auch via Facebook und Twitter. Über eine Karte können Leser live mitverfolgen, wo sich die beiden Journalisten momentan befinden und zu ihnen stoßen. Fragen von Nutzern werden im Minutentakt beantwortet. Das Feedback ist elementar wichtig. Ohne den direkten Rückkanal würden die Reporter nur zwei Wanderer mit wunden Füßen bleiben.
Die sportliche Leistung, rund 13 Kilometer am Tag, ist dabei zu vernachlässigen. Doch die Aktion hat das Potenzial, zum Vorbild für andere Regionalblätter zu werden. Denn die Journalisten sind nicht nur auf Themensuche abseits der Großstadtgeschichten. Sie machen ihre Recherchereise transparent und schaffen mit der Integration von Social Media einen Rückkanal, der direkte Auswirkung auf die Handlungen der Reporter hat. Dazu lassen sich die Erlebnisse jeden Tag in der Print-Ausgabe und auf Mopo.de nachlesen. Genug Material dürfte der Trip noch liefern. Immerhin sind die Mopo-Reporter noch rund acht Tage unterwegs – je nachdem, wie weit die Füße die Wander-Anfänger tragen. "Für uns als Hamburger Boulevard-Marke ist es der richtige Weg, über das reine Abbilden von Nachrichten hinaus mit Lesern aktiv in Kontakt zu treten und Geschichten bzw. Aktionen selbst zu initiieren", erklärte Mopo-Chefredakteur Frank Niggemeier. "Wir haben das in der Vergangenheit schon getan, allerdings nicht mit einem solchen Aufwand. Die große und sehr positive Resonanz der Hamburger auf ‚Zu Fuß um Hamburg‘ bestätigt uns darin."

Noch ist die Reichweite der einzelnen Social-Media-Kanäle ausbaufähig (Facebook: 459 Fans, Twitter: 132 Follower). Doch die Reporter reagieren schnell und suchen den direkten Kontak mit den Nutzern. Beste Voraussetzungen, damit die Aktion ein Erfolg wird. Im Lokaljournalismus gilt: Läuft eine Geschichte gut, rollt sie durch die Republik. So dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch anderen Lokalzeitungen ihre Redakteure auf Themen-Wanderschaft schicken.

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