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Nachrichten, die die Medien ignorieren

2013 ist schon vielpassiert: Die Debatte um die NSA und der Verbleib von Whistleblower Edward Snowden, die Jahrhundertflut in Deutschland. Dann gab es beispielsweise noch das Attentat beim Boston-Marathon und den NSU-Prozessauftakt – viele Themen und Aufreger gingen aber auch vorbei an den Medien. Ein Gremium aus Wissenschaftlern und Journalisten, die Initiative Nachrichtenaufklärung, hat die "blinden Flecke" der Medienlandschaft aufgelistet.

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Ein Mal im Jahr trifft sich die Initiative Nachrichtenaufklärung und wählt wichtige Themen, die von den deutschen Medien nicht oder zu wenig aufgegriffen wurden. Missachtet worden seien beispielsweise die Nachricht, dass der Landesrechnungshof Niedersachsens seine Richter als besonders korruptionsgefährdet eingestuft hat. Jährlich entschieden die Juristen über die Verwendung von circa 100 Millionen Euro, die durch Geldauflagen aus Prozessen in die Justizkassen gespült werden. Das Geld käme zwar Vereinen oder dem Staat zugute. Über die Verwendung bestimmten allerdings nur die Richter.
Ebenfalls sei zu wenig über die Abschiebepraxis von abgelehnten Migranten berichtet worden. Deutsche Fluglinien hätten das Geschäft mit der Sammelabschiebung für sich entdeckt, da die Flüge, die die Ausländer wieder zurückbringen sollen, öffentlich ausgeschrieben werden. "In den Medien wird meist nur über Einzelfälle berichtet, zum Beispiel, wenn Abzuschiebende sich stark wehren und Piloten sich dann weigern, die Abschiebung durchzuführen. Vielen Reisenden in Deutschland ist daher vermutlich nicht bewusst, dass sie im gleichen Flugzeug mit Abschiebungspassagieren sitzen", so das Gremium.
Und auch das UN-Welternährungsprogramm hätte in den Medien mehr Beachtung finden sollen, finden die Experten. Das Programm habe die Aufgabe Nahrung in Krisenregionen zu liefern. Zugleich hätte es aber die Auflage, die Lieferungen zu möglichst günstigen Konditionen durchzuführen, weshalb in der Regel Großkonzerne beauftragt würden. "Deutschland ist der sechstgrößte Geldgeber, dennoch berichten die Medien hierzulande nur vereinzelt über bestimmte Hilfsprojekte oder Großspenden."
Insgesamt hat die INA zehn Themen gelistet, die nicht genug Präsenz in den Medien erfahren haben. Weitere Themen seien beispielsweise der Voluntourismus, bei dem kommerzielle Reiseveranstalter freiwillige Entwicklungshelfer ins Ausland schicken, die weder überprüft, noch auf ihren Aufenthalt vorbereitet wurden. Außerdem seien Waffenexporte unzureichend kontrolliert oder polizeiliche Demonstrationsverbote, die für rechtswidrig erklärt worden sind, in den Nachrichtenfluten untergegangen.
Um die verpassten Themen aufzuarbeiten, will die INA mithilfe von Crowd-Finanzierung zehn Journalisten-Teams aufstellen, die Geschichten nachrecherchieren und publizieren. Die Initiative erhoffe sich dadurch, die breite Aufmerksamkeit zu bekommen, die die Themen verdienen.
Alle zehn Ereignisse, über die laut INA zu wenig berichtet wurde, finden sie hier.  

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