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P7S1: Verkaufswelle nach Turnaround?

Sieben Milliarden Euro sind ein stolzer Börsenwert: Binnen eines Jahres konnte ProSiebenSat.1 die Marktkapitalisierung an der Börse verdoppeln – binnen der letzten vier Jahre beträgt die Wertsteigerung astronomische 3500 Prozent. Nachdem die Anteilseigner Permira und KKR durchblicken ließen, dass kein Käufer bereitsteht, fällt ein Bietergefecht wohl aus. Stattdessen wollen die Finanzinvestoren ihre Anteile an der Börse platzieren, was kaum für Kursfantasie sorgt. Analysten senken den Daumen.

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Sieben Milliarden Euro sind ein stolzer Börsenwert: Binnen eines Jahres konnte ProSiebenSat.1 die Marktkapitalisierung an der Börse nochmals verdoppeln – binnen der letzten vier Jahre beträgt die Wertsteigerung gar astronomische 3500 Prozent. Nachdem die Anteilseigner Permira und KKR nun durchblicken ließen, dass kein Käufer bereitsteht, fällt ein Bietergefecht wohl aus. Stattdessen wollen die Finanzinvestoren ihre Anteile nun an der Börse platzieren, was kaum für Kursfantasie sorgt. Analysten senken den Daumen.

Es gibt sie noch, die Börsenwunder: Nicht nur an der Wall Street, wo Apple oder Priceline ihren Anteilseignern Wertsteigerungen von vielen tausend Prozent beschert haben, sondern auch am Frankfurter Aktienmarkt, wo ProSiebenSat.1 die fraglos bemerkenswerteste Turnaroundstory der vergangenen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hingelegt hat.

Bei sage und schreibe 88 Cent notierten die Anteilsscheine von ProSiebenSat.1 im Mai 2009. Wer sich in jenen Tagen die Aktie ins Portfolio gelegt und bis jetzt durchgehalten hat, blickt heute auf fast 35 Euro je Anteilsschein.

Die Anteilseigner Permira und KKR kauften allerdings zu früh. 2006 übernahmen sie vom ägyptischen Investor Haim Saban für seinerzeit stattliche drei Milliarden Euro die Mehrheit zu Kursen von 28 Euro und drückten dem Münchner Medienkonglomerat dann in bester Private Equity-Manier des viel gebrandmarkten „Heuschreckenkapitalismus“ erst mal eine milliardenschwere Schuldenlast auf.

Spektakulärer Turnaround seit 2009

Es folgte im Zuge der weltweiten Finanzkrise ein spektakulärer Absturz, der ProSiebenSat.1 zum Pennystock abstürzen ließ und an den Rand der Handlungsfähigkeit drückte – die Zinslast des Schuldenbergs überstieg zweitweise die Nettogewinne.

Doch dank des 2009 verpflichteten Konzernchefs Thomas Ebeling gelang die spektakuläre Wende, durch die Permira und KKR ihr Investment nicht nur wieder in den grünen Bereich steuerten, sondern auch die Schuldenlast von ProSiebenSat.1 durch den Verkauf des skandinavischen Senderportfolios und der TV-Aktivitäten in den Benelux-Staaten drücken konnte.

Sieben Milliarden Euro Börsenwert: P7S1 für deutsche Käufer zu teuer

Nach der furiosen Börsenrally wollen die Finanzinvestoren Permira und KKR, die noch 53 Prozent an ProSiebenSat.1 halten, nun mit ihrem Investment Kasse machen und erwägen seit einiger Zeit den Ausstieg aus der Sendergruppe. Vor einigen Monaten soll die US-Bank JP Morgan damit beauftragt worden sein, verschiedene Ausstiegs- und Verkaufsszenarien auf ihre Durchführbarkeit zu prüfen. Zu den potenziellen Interessenten gehörten demnach Time Warner, Axel Springer, Comcast und Rupert Murdochs News Corp.

Wie Permira-Manager Götz Mäuser dem Spiegel am Wochenende diktierte, besitzt zumindest keiner der deutschen Interessenten die Kaufkraft oder den Willen für eine Übernahmeofferte. Die Folge: „Wir sind daher zu dem Schluss gekommen, dass wir den größten Wert für unsere Investoren wohl mit einem Ausstieg über die Börse erzielen. Mit der Aktienumwandlung werden unsere Stammaktien nun zum Handel zugelassen." Mäuser wird bei Permira übrigens zum Jahresende ausscheiden, will aber im Aufsichtsrat des Medienkonzerns bleiben. 

Analysten raten zum Verkauf der Aktie

Die Private Equity-Investoren wollen ihre Anteile also an der Börse versilbern. Damit fällt zusätzliche Kursfantasie, die durch Übernahmeofferten oft über das aktuelle Niveau hinaus befeuert wird, indes weg. Vielmehr droht den heiß gelaufenen Anteilsscheinen von ProSiebenSat.1, die in den ersten sechs Monaten so stark performt haben wie keine andere deutsche Medienaktie, durch den großangelegten Ausstieg an der Börse eine Verkaufswelle.

Banken halten das Kurspotenzial nach den extremen Zuwächsen der letzten Jahre ohnehin für ausgereizt und senken reihenweise den Daumen. Sowohl die Analysten von Independent Research als auch BNP Paribas sehen das MDax-Mitglied als einen  Verkaufskandidaten bzw. Underperformer und stuften die Aktie vorige Woche herab. Die Kursziele liegen mit 29 bzw. 31 Euro signifikant unter dem aktuellen Kursniveau von knapp 35 Euro.

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