Kairo: n-tv-Reporter twittert aus Gewahrsam

Die Lage in Kairo eskaliert. Vor nun fünf Tagen hat der ägyptische Militärrat die Macht übernommen und Präsident Mursi abgesetzt. Bei neuesten Auseinandersetzungen kamen aktuell über vierzig Menschen ums Leben, wie die Nachrichtenagenturen berichten. Auch für Journalisten spitzt sich die Lage in Kairo zu. Vor dem Sitz der Republikanischen Garde ist sogar ein Kamera-Team verhaftet worden. n-tv-Reporter Dirk Emmerich twitterte aus dem Polizei-Gewahrsam - und kam dank Twitter frei.

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Mittlerweile sind die Journalisten von n-tv wieder auf freiem Fuße. Die Umstände, wie genau es zu der Festnahme gekommen ist, sind noch unklar. Bereits in den Morgenstunden twittert Emmerich mit einem Foto über die unfreundlicher werdende "Stimmung gegen westliche Journalisten".

Fünf Stunden später twittert Emmerich: "Polizei in Kairo hat uns festgesetzt… vor Hauptquartier Republikanische Garden…" Ihnen seien Pässe und Technik (vermutlich Kamera-Equipment) abgenommen worden. Lediglich das Handy haben die Reporter behalten dürfen. Laut Emmerich habe man 200 Gefangene in einem Innenhof der Kaserne festgehalten, während er zu einer Polizeiwache gefahren worden sei. Weshalb man sie festhalte? "Keine Antwort", so der Journalist.

Wenige Minuten später folgt eine erste Erklärung. Von Soldaten habe Emmerich erfahren, dass nach dem Frühgebet Muslimbrüder das Feuer eröffnet hätten. Die Armee habe darauf reagiert.
"Wir werden weiter festgehalten. Warum? Zu Ihrer Sicherheit!", zitiert Emmerich ein Gespräch mit Soldaten. Draußen werde weiterhin geschossen. Das Team sitze jetzt in einem bewachten Raum…

… kurz darauf werden die Wachposten ausgetauscht. "Neue Fragen: Wo wir herkommen, was wir machen?"
Mittlerweile hat Emmerich dem Nachrichtensender n-tv die Lage geschildert, via Telefon. Doch immer noch werden den Journalisten weitere Informationen verwehrt. Nur wenige Minuten später wird es verwirrend: "Militär hat uns an Polizei übergeben. Wieder ein anderer Raum. Polizei fragt, warum wir verhaftet wurden. Möchte ICH von denen wissen", twittert Emmerich. 
Die Beamten befragen die Gefangenen. Weshalb sie am Ort der Schießerei gewesen sind, wolle man von ihnen wissen. Und wo ihre Arbeitsgenehmigung sei. Derweil soll das ägyptische TV von den Ereignissen am Morgen berichten: Die "Armee sei amerikanisch-zionistisch".

Um kurz vor 15 Uhr twittert Emmerich endlich: "Wir kommen frei. Nach 7 Stunden in Gewahrsam von Armee, dann Polizei." Eine Begründung bleibt aber weiterhin aus. "Keine Auflagen", so Emmerich.
Der Sender n-tv berichtet online, es sei zu einem Blutbad am Sitz der Republikanischen Garde (ägyptische Streitmacht) gekommen. Die Journalisten seien durch die Festnahmen in ihrer Berichterstattung behindert worden. Ob das das Ziel der Militärs war, ist nicht bestätigt.
Gegenüber Emmerich habe man sich mittlerweile geäußert. Zwar ist das Motiv der Festnahme nicht bekannt. Allerdings habe man ihm den Grund für seine Freilassung verraten. Die Polizei hätte gesehen, was er bei Twitter macht, twittert der n-tv-Reporter. Und setzt ein Smiley und ein "yes" dahinter.

 Update: Auf Twitter antwortet Emmerich gegenüber MEEDIA, das ägyptische Militär sei nervös und habe vermutet, die Reporter seien nicht objektiv. "Das Verständnis von Pressefreiheit ist hier anders", so Emmerich. 

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