Anti-Adblocker-Kampagne droht zu verpuffen

Mitte Mai rief eine Allianz u.a. von Spiegel Online, Süddeutsche.de, FAZ.net, Zeit Online, Golem und RP Online Nutzer dazu auf, beim Besuch der Webseiten den Adblocker auszuschalten. Grund: Der Blocker verhindert Werbeeinnahmen für Journalismus, der bekanntermaßen nicht zum Nulltarif produziert wird. MEEDIA hat bei den Portalen nachgehakt, was aus der Anti-Adblocker-Kampagne geworden ist. Die Sites halten sich mit konkreten Ergebnissen äußerst bedeckt. Der Effekt droht zu verpuffen.

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„Gewähren Sie bitte eine Ausnahme für die durch Sie genutzten Nachrichtenseiten bei Ihrem Adblocker“, so lautete der gemeinsame Appell der Onlinedienste von Mitte Mai. Auf Anfrage von MEEDIA reagierte zunächst nur Golem-Chefredakteur Christian Klaß und verwies auf eine Analyse, die ein Redakteur der Seite auf Golem.de veröffentlicht hat. Darin heißt es zum quantitativen Erfolg des Aufrufs nur: „Auch wenn sich in den Wochen nach unserem Aufruf die Adblocker-Quote erwartungsgemäß wieder etwas erhöht hat, hat sich die Werbereichweite in Bereichen mit einer besonders hohen Quote an Adblock-Nutzern bei konstanten Abrufen um deutlich mehr als 30 Prozent gesteigert. Insgesamt ist die Quote um 20 bis 25 Prozent zurückgegangen.“

Der Aufruf habe unter anderem auch dazu geführt, dass Leser von Golem.de „auf Probleme mit bestimmten Anzeigen hingewiesen“ hätten. Dies habe „Kampagnen mit Layer-Ads und Anzeigen“ betroffen, „die ungefragt Ton abspielten“.

Andreas Tazl, Leiter Kommunikation der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), teilte MEEDIA im Namen aller an der Kampagne teilnehmenden Medien mit: „Obwohl unsere Aktion nur sehr kurz sichtbar war, konnten wir bisher im Durchschnitt die AdBlockerquote um einige Prozentpunkte senken. Dies veranlasst uns dazu, über weitere Maßnahmen diesbezüglich nachzudenken und die Gesamtproblematik weiterhin in der Diskussion zu halten.“ Auf die Frage, wieviel „einige Prozentpunkte“ größenmäßig genau sind, teilte Tazl lediglich mit: „Das ist bei jedem Medium unterschiedlich. Wir haben uns aber darauf verständigt eine gemeinsame Erklärung abzugeben. Deshalb können wir Ihnen hier leider keine konkreten Zahlen nennen.“ Die übrigen Medien wollten sich auf Anfrage nicht zum Erfolg der Aktion äußern.

„Die Kommunikation übernimmt in diesem Fall FAZ.net gesamtheitlich, auch für Zeit Online“, erklärte Sandra Greuter, stellvertretende Leiterin des Produktmanagements bei der Zeit Online GmbH. Greuter teilte noch mit, dass es auf den Aufruf hin „Userreaktionen“ gegeben habe, die „vielfältig“ gewesen seien. In der Tat variieren die Nutzermeinungen etwa in den Kommentaren unter einem Text auf Zeit Online zu der Kampagne stark. „Ich hasse Werbung – und blocke was geht!“, schreibt ein Nutzer. Zu einem anderen Kommentar heißt es: „Gekürzt. Bitte bleiben Sie höflich. Die Redaktion“. Ein anderer Leser merkte differenzierter an, es sei „doch klar“, dass Zeit Online „nicht ‚umsonst‘ erstellt und genutzt werden kann, die Redaktion nicht kostenlos arbeitet“.

In einer dpa-Meldung zu der Boykott-Aktion heißt es, ihr Ziel sei gewesen, „die Wirtschaftlichkeit der Online-Angebote abzusichern.“ Inwiefern die Kampagne vor dem Hintergrund, dass laut FAZ die Adblockerquote nur „um einige Prozentpunkte“ gesenkt werden konnte, dieses Ziel erreicht hat, darf in Frage stehen. Eine langfristige und nachhaltige Finanzierung von Online-Qualitätsjournalismus hat der sicherlich gut gemeinte Aufruf jedenfalls nicht sichergestellt. Hier müssen sich die Medienhäuser mehr einfallen lassen.

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