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Verleger finden sich trotz Minus „richtig gut“

Der Zeitungsverlegerverband attestiert seiner Branche ein "schwieriges wirtschaftliches Feld". In diesem Jahr sei mit einem Nullwachstum zu rechnen, sagte Jörg Laskowski vom BDZV bei der Jahrespressekonferenz in Berlin. Im vergangenen Jahr gingen die Umsätze um 3,3 Prozent auf 8,23 Milliarden Euro zurück. Bei den anstehenden Tarifverhandlungen geht es um die Einbindung von Online-Redakteuren. Bis Ende 2013 rechnet der Verband mit 60 Zeitungstiteln, die Bezahlmodelle ausprobieren.

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Die Kennzahlen sind, nicht völlig überraschend, durchwachsen. Die Gesamtumsätze der Verlage, an denen der Vertrieb inzwischen mit 57 Prozent beteiligt ist, sanken im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent über alle Gattungen – Tageszeitung, Wochenzeitung, Supplements – hinweg auf 8,23 Milliarden Euro. Etwas geringer war der Umsatzrückgang bei Wochen- und Sonntagszeitungen, er lag bei minus 2,3 Prozent gegenüber 2011. Sie konnten ihre Vertriebsumsätze sogar leicht um 4 Millionen Euro steigern. Im Gegensatz zu den Tageszeitungen, die 58 Millionen Euro auch auf der Vertriebsseite verloren.

Was bedeutet: Die anhaltenden Verluste bei den Werbeumsätzen lassen sich nicht mehr über Erhöhungen der Preise für die Käufer ausgleichen. Während die Auflage der lokalen und regionalen Abo-Zeitungen "nur" um 2,5 Prozent im Vergleich 2013 zu 2012 sank, war der Wert für die überregionalen Titel mit minus 7,4 Prozent deutlich schlechter. Der Verkauf von E-Paper steigerte sich – auf niedriger Basis von 340.000 Verkäufen am Tag insgesamt – um knapp 92 Prozent.

Ein Zeitungssterben kann BDZV-Geschäftsführer Wolff bisher nicht erkennen, trotz des Aus für FTD und dem angekündigten Aus für den kleinen Titel "Harburger Nachrichten". Am Montag gaben die Mediengruppe Oberfranken und die Mediengruppe Main-Post eine Zusammenlegung verschiedener Regionalredaktionen bekannt, mit dem Hinweis auf den offenbar sehr schwierigen Werbemarkt, der "lokalen Qualitätsjournalismus" nicht mehr ausreichend finanziere. Zumindest laut Darstellung nicht mehr die Arbeit von zwei Konkurrenztiteln.

Als Erfolg werten die Verlegervertreter die Vorstöße und Konzepte der Verlage in der digitalen Welt. "Wir sind richtig gut", sagte Hans-Joachim Fuhrmann. Die Aussage bezieht sich allerdings bisher nur auf die Reichweite der Zeitungs-Websites. 65 Prozent der Problemzielgruppe der jungen Leser zwischen 14 und 29 Jahren besuche "regelmäßig" ein Zeitungsangebot im Netz. Rein wirtschaftlich betrachtet müsse die Branche allerdings noch "aufholen", bekannte Fuhrmann. Heißt: Die Reichweite sorgt noch nicht für eine entsprechende Finanzierung durch Werbung und Bezahlinhalte.

Derzeit probierten 40 Zeitungstitel Bezahlmodelle im Internet aus. 20 weitere sollen bis Jahresende dazukommen. Signifikante Reichweiteneinbrüche seien bisher bei keinem der Titel zu verzeichnen, sagte Fuhrmann. "Man muss da einsteigen", sagte Wolff. "Der Digitalbereich ist der einzige Bereich, wo wir Wachstum haben", ergänzte Fuhrmann. 290 von insgesamt ca. 450 Zeitungs-Apps seien kostenpflichtig. 115 Zeitungsmarken böten ein Abo im Paket, teilweise auch mit Endgeräten, an. Als zunehmend starke dritte Säule neben Vertrieb und Werbung nannte Fuhrmann die Diversifizierung – gemeint sind Zusatzerlöse über Events, Bücher, DVDs, Reisen, etc.

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Medienpolitisch habe man zuletzt einiges erreicht: Das Leistungsschutzrecht trete am 1. August in Kraft. Es läge nun an den Verlagen, es umzusetzen. Inzwischen hat Google die Listung bei Google News an eine Zustimmung der Verlage geknüpft, ein sogenanntes Opt-in. Ein klares Bild, wie die Verlage sich in dieser Angelegenheit verhalten, habe man nicht, sagte Wolff. Den Mega-Konzern Google habe man indes auf europäischer Ebene zu Zugeständnissen gezwungen. Dies sei beachtlich, immerhin seien die Verlage noch vor einigen Jahren von Google ignoriert worden.

In Sachen Tagesschau-App, einem weiteren medienpolitischen Lieblingsthema der Verleger, gebe es keinen neuen Stand. Die "Tagesschau" habe ihre App leicht verändert, aber die Texte seien "immer noch zu lang". Im November will man sich vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf zu einem Berufungsprozess wiedersehen. Aber vorher werde es sicher noch Gespräche zwischen Verlegern und ARD-Intendanten geben.

Der "Riesen-Transformationsprozess" der Medien (Dietmar Wolff) könne letztlich nur erfolgreich sein, wenn Verleger und Journalisten gemeinsam am Umbau der Branche arbeiteten. Diesen Hinweis richtete Wolff gezielt an die Journalistengewerkschaften. Tarifverhandlungen stehen ab dem 19. Juli an, es gehe um "Tarifwerke der Zukunft". Die Gewerkschaften wollen u.a. Online-Redakteure in die Tarifwerke einbinden. Darüber müsse man reden, so der BDZV-Geschäftsführer. Doch ebenso müsse man reden über automatische Gehalts- und Urlaubssteigerungen sowie leistungsbezogene Gehälter.

Unterm Strich gilt wohl ein Satz, der in der Pressekonferenz fiel: "Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen." 

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