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Diese verflixten journalistischen Standards

Bei dem Online-Ableger der Ösi-Zeitschrift News ist diese Woche ein kritischer Artikel über die Raiffeisen-Bankengruppe schnell wieder offline gestellt worden. Grund waren laut Geschäftsführer Axel Bogocz mal wieder diese verflixten “journalistischen Standards”. Und sonst in diesem Wochenrückblick: Spiegel Online recycelt den Mopo-Star Obdachlars, die irre Sommer-Sitcom “Tagesschau-Sprecher drehen durch” und bei Bunte beginnt die Themen-Weihnacht schon im Sommer(loch).

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News.at ist der Online-Ableger des österreichischen Magazins News. Das wird in der Verlagsgruppe News publiziert, die wiederum mehrheitlich zu Gruner + Jahr gehört. 25% allerdings gehören über den Kurier-Verlag der österreichischen Bankengruppe Raiffeisen. Nun machte im Web die Geschichte die Runde, dass ein Raiffeisen-kritischer Artikel (“Machtfaktor Raiffeisen”) bei News.at nur wenige Stunden online zu lesen war und dann verschwand. Selbstzensur? Von wegen, meint News-Geschäftsführer Axel Bogocz. Seine Begründung für das schnelle Verschwinden des Artikels: Der Texte habe den “journalistischen Standards” nicht genügt. Kommt einem seltsam bekannt vor die Begründung. Ach ja: Als aus dem Web-Angebot der Berliner Zeitung eine kritische Besprechung eines Romans von Berliner-Zeitung-Verleger Alfred NevenDuMont verschwand, begründete Chefredakteurin Brigitte Fehrle das auch damit, dass der Text den “journalistischen Standards” nicht entsprochen habe. Wenn man jetzt alle Texte aus dem Internet entfernen will, die gewissen “journalistischen Standards” nicht entsprechen, dann gibt es freilich noch eine Menge zu tun.

(Zum Glück verschwindet in diesem Internetz selten etwas so ganz. Den un-standardmäßigen Raiffeisen-Artikel kann man hier nachlesen.)

Interessante Story am Montag bei Spiegel Online gesehen. Da geht es um einen gewissen Lars L., der in Hamburg eine Wohnung sucht, dazu eine Website online stellt (obachlars.de) und einen veritablen Shitstorm erntete. Kommt mir schon wieder seltsam bekannt vor. Wo habe ich das nur schon mal gelesen. Ach ja, bei den Local Heroes von der Hamburger Mopo. Die haben eine ganze Artikel-Serie zu Obdachlars gebracht. Allerdings schon Anfang April. Merke: Auch im Online-Journalismus gibt es noch so etwas Altmodisches wie Stehsatz.

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Was ist nur mit den feinen Herren aus der “Tagesschau” diese Woche los gewesen? Chefsprecher Jan Hofer und Ex-Sprecher Marc Bator haben sich verbal verhauen wie die Kesselflicker und wechselseitig als Lügner und Heuchler beschimpft. Die Bild freut sich und hatte Stoff für gleich zwei Titelstories in Folge. Manche Nachrichtensprecher scheinen bisweilen darunter zu leiden, dass sie bloß “die Vorleser” sind und verspüren dann den Drang, selbst aktiv im öffentlichen Leben mitzumischen. Bisher ist das allerdings selten gutgegangen. Siehe Susan Stahnke, Eva Herman und jetzt leider auch: Jan Hofer.

Ja is den heut’ scho Weihnachten? Diese Geschichtchen-Sammlungen, welche Promis glücklich vereint und welche unglücklich getrennt sind, kennt man normalerweise von den Weihnachtsausgaben der People-Presse: “Wer weint? Wer lacht?” Die aktuelle Bunte zeigt, dass auch im tiefen Sommer(loch) schon die Vor-Weihnachts-Themenzeit anbrechen kann …

Schönes Wochenende!
PS: Gemerkt? Dieser Wochenrückblick ganz ohne übergeigte Twitter-Gags. Bleibt aber die Ausnahme, versprochen!

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