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RTLs Dschungelshow als Berufsschule

Die RTL-Dschungelshow “Ich bin ein Star - holt mich hier raus!” ist für den strauchelnden TV-Marktführer in der Zielgruppe mittlerweile zum Vorbild für neue Formate geworden. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte RTL-Geschäftsführer Frank Hoffmann, die Dschungelshow sei eine “Berufsschule für alle, die im Fernsehen etwas Besonderes auf die Beine stellen wollen.” RTL könne von der Show auch für andere Programmplätze lernen. Hintergrund ist der dramatische Quotenschwund bei RTL.

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Die Dschungelshow erreiche mit ihrer “Metaebene” auch gebildete Zuschauerschichten. Das ist richtig – bisher ist es den Kölnern aber nicht gelungen, den speziellen Erfolg der Dschungelshow auf andere Formate zu übertragen. Im Mai dieses Jahr fiel RTL mit einem Marktanteil von 13,9% bei den 14- bis 49-Jährigen sogar auf einen historischen Tiefpunkt. Geschäftsführer Hoffmann erklärt das in der SZ-Printausgabe u.a. mit der starken Konkurrenz – im Mai liefen die Finalspiele der Championsleague im ZDF mit gleich beiden deutschen Fußball-Topmannschaften FC Bayern München und BVB Dortmund. Außerdem zog der Eurovision Song Contest Aufmerksamkeit auf sich. Hoffmann gesteht aber auch Defizite ein: “Aber natürlich haben wir auch eigene Schwächen. Und auf die konzentrieren wir uns. Wenn wir abends fernsehen und mit dem Programm nicht zufrieden sind, dann hat eine schwache Quote am nächsten Tag nichts mit Fragmentierung zu tun.”

RTL würde darum so viel beim Programm experimentieren wie noch nie. In den Fokus rückt dabei erstaunlicherweise die ältere Zielgruppe. RTL gilt quasi als Erfinder der jungen, werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Vor einiger Zeit hat RTL die werberelevante Zielgruppe auf 14- bis 59-Jährige erweitert. Konkurrent ProSiebenSat.1 hat die junge Zielgruppe sogar komplett abgeschafft.

Hoffmann sagt dazu in der SZ: “Der demografische Bauch ist dabei, aus der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen rauszuwandern. Es wird der tatsächlichen Fernsehnutzung nicht gerecht, wenn wir das Gros der Zuschauer mit der bisherigen Zielgruppenbeschreibung nicht mehr abbilden.” Vulgo: Es gibt immer weniger Junge. Was Hoffmann nicht sagt ist, dass die Jungen, die es noch gibt, womöglich immer weniger klassische Medien nutzen.

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Dazu passt, dass der Sender an Show-Moderator Thomas Gottschalk festhält, der eher bei Älteren beliebt ist. Die Verpflichtung Gottschalks als Juror für “Das Supertalent” war eine Enttäuschung – nun sollen dem ehemaligen “Wetten dass..?”-Moderator RTL-Shows auf den Leib geschneidert werden.

Der “Kukident”-Kanal ZDF experimentiert mit jungen Digitalkanälen und will unbedingt jünger werden. Bei RTL schielen sie mit Thomas Gottschalk auf die älteren Zuschauer. Verkehrte TV-Welt.

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