P7S1-Chef schießt gegen ARD und ZDF

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Montagsausgabe) schießt Thomas Ebeling, Vorstandschef der ProSiebenSat.1 Media AG, scharf gegen die öffentlich-rechtliche TV-Konkurrenz. Man zahle "gefühlt" zu viel Gebühren für ein uninteressantes Programm, so Ebeling. Jüngere Zielgruppen fühlten sich nicht von ARD und ZDF angesprochen, die Nachrichten dort seien "staatstragend" und die Mallorca-Ausgabe von "Wetten dass..?" bekommt auch noch ihr Fett weg.

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Für das Programm der öffentlich-rechtlichen Sender fühle er sich deutlich zu jung, so Ebeling. Auf die Frage, ob die Rundfunkgebühren angemessen seien, antwortet er: "Gefühlt zahlt man zu viel, auch wenn ich deswegen die öffentlich-rechtlichen Sender nicht gleich abschalten würde wie in Griechenland. Ich schaue jeden Tag im Durchschnitt bis zu zwei Stunden Privatfernsehen, das gehört zu meinem Beruf, aber nur gut 15 Minuten ARD und ZDF. Das ist ein bisschen teuer. Und ich bekomme nicht das Programm, das ich gerne hätte."
"Bekommen" würde der TV-Chef gerne mehr Kreativität in der Programmgestaltung, mehr spannende Wissenssendungen oder Wirtschaftsberichterstattung, mehr anspruchsvollen Spielfilmen zur besten Sendezeit, die dem Anspruch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gerecht werden sollen. Den Vorwurf, die Sendungen der gebührenfinanzierten Sender wären immer noch besser als das "niveaulose Privatfernsehen", will Ebeling naturgemäß nicht auf sich sitzen lassen: "Auch wir gehen schwierige Themen an, aber oft leichter, nicht so bedeutungsschwer, weniger verkopft ohne aber Tiefgang zu verlieren. Wenn die ARD abendfüllend Volksmusik bringt, ist das auch nichts fürs Feuilleton."

Ebeling stimmte auch in den Chor der Kritiker zur jüngsten "Wetten, dass..?"-Ausgabe ein. "War das Niveau?", fragte er ironisch. Dass die ProSiebenSat.1-Sender zu wenig Nachrichten zeigen würden, wies Ebeling zurück. Die Nachrichten der P7S1-Sender würden für eine Zielgruppe gemacht werden, die ARD und ZDF längst nicht mehr auf dem Schirm habe und seien damit weniger staatstragend. Zudem kündigt Ebeling an, Nachrichten zur Bundestagswahl mehr Sendezeit einräumen zu wollen.
Zum Thema, ob ihm wegen Online-Bewegtbildangeboten, wie dem konzerneigenen MyVideo, nicht bange um das lineare Fernsehen würde, sagte er: "Wenn Zuschauer älter werden, eine Familie haben, dann kehren sie wieder ins Wohnzimmer und an das berühmte Lagerfeuer zurück. Das Internet ist kein Familienerlebnis, Fernsehen schon."

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