Steinbrück, der Kommunikations-Tölpel

Was ist nur geschehen mit Peer Steinbrück? Er war respektiert als Finanzminister, steuerte mit Kanzlerin Angela Merkel Deutschland durch die Finanzkrise. Er war gefragter Redner und scharfsinniger Analyst. Seit er sich um die Kanzlerschaft bewirbt, ist er wie ausgewechselt. Steinbrück der Finanzexperte ist abgetaucht. Wir erleben jetzt: Steinbrück, den Kommunikationstölpel. Alles, was er anpackt geht schief. Garantiert. Jüngster Streich: die missglückte Berufung seines neues Sprechers.

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Hier eine Chronik der bisherigen Fettnäpfchen von “Pannen-Peer” (wir bitten um Nachsicht, falls etwas vergessen wurde):

Vortrags-Honorare: Steinbrück reagierte unsensibel und viel zu spät auf die Kritik, dass er im deutschen Vergleich sehr hohe Vortragshonorare erhielt. Im Prinzip ist das sein gutes Recht. Dass ein SPD-Kanzlerkandidat aber ein Image-Problem bekommt, wenn er kassiert wie ein Vollblut-Kapitalist, hat er viel zu spät erkannt.

Bochum-Debakel:
Der Tiefpunkt in der Debatte um Nebeneinkünfte war erreicht, als bekannt wurde, dass er für einen Talk-Auftritt bei den klammen Bochumer Stadtwerken 25.000 Euro kassiert hatte. Zuvor hatte Steinbrück erklärt, er habe Vorträge bei Unternehmen gehalten, die Gewinne erwirtschaften. Sein Bochum-Gastspiel, dessen Finanzierung zudem dubios organisiert war, hatte er da wohl vergessen. Doppelt doof: Die Sache flog nur auf, weil Steinbrück Transparenz beweisen wollte und alle seine Nebentätigkeiten offenlegte.

Das vermaledeite FAS-Interview: In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung klartextete sich der Kandidat gleich doppelt um Kopf und Kragen. Erst attestierte er Angela Merkel einen “Frauenbonus”. Danach erläuterte er, dass so ein Kanzler oder eine Kanzlerin ja ganz schön wenig verdiene ("Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin."). Der Ausrutscher wurde von ihm und seinem Sprecher autorisiert. Absoluter Anfängerfehler! Die anschließende Aufregung in den Medien hätte er kommen sehen müssen.

Das Peerblog: Da wollte Steinbrück modern sein und startete ein Blog – das Peerblog. Dummerweise ließ er es von einem Dienstleister produzieren und befüllen, der nicht sagen wollte, wer das Ding finanziert. Fünf Unternehmer seien es, die er selbst nicht kenne, ließ Steinbrück mitteilen. Intransparent und ahnungslos. Als das Ding dann zwecks Vermeidung weiterer Nachfragen abgeschaltet wurde, bemühte man die ausgeleierte Ausrede von “Hacker-Angriffen”. Was natürlich sofort als Ausrede aufflog. Kommunikation Steinbrück-Style.

Twitter: Zuerst sagte Steinbrück, dass er nicht twittern würde. Dann wurde doch getwittert. Aber er twitterte ja gar nicht selbst, er saß nur daneben und guckte zu, wie sein Assi tippte. Jetzt twittert halt das Team von Steinbrück so vor sich hin “und manchmal er selbst”. Wenn Steinbrück selbst twittert sieht das so aus, dass er einen Zettel mit der Hand beschreibt, den Zettel abfotografieren lässt und das Foto dann jemand für ihn ins Netz stellt.

Pinot Grigio: In einem Bild-Interview räsonierte Steinbrück darüber, dass er sich keine Flasche Pinot Grigio für fünf Euro kaufen würde. Zu billig! Da war er wieder: der Bonze, der Herr Großkapitalist. Es folgten Schlagzeilen wie: “Wo Steinbrück sonst noch irrt – gute Grauburgunder für fünf Euro”. Man beachte das “sonst noch”.

Eierlikörgate: Steinbrück wollte mal Bürgernähe demonstrieren und ganz normale Bürger in deren Wohnzimmern besuchen. Natürlich ging auch das sofort schief. Als erstes besuchte Steinbrück die Familie einer ehemaligen Mitarbeiterin von SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil. Opposition und Medien witterten Genossenfilz. Und es wurde noch nicht einmal der versprochene Eierlikör serviert.

Slogan-Panne: Stolz stellte Steinbrück den offiziellen Wahlkampf-Slogan der SPD vor: "Das Wir entscheidet”. Es folgten zahlreiche naheliegende Witze (FAZ: “Es gibt kein Wir auf Hawaii”) und im Eiltempo kam heraus, dass exakt derselbe Slogan seit Jahren von einer Leiharbeitsfirma genutzt wird. taz-Schlagzeile: “Zu blöd zum Googeln”.

Italo-Clowns: Nach der Wahl in Italien bezeichnete Steinbrück italienische Spitzenpolitiker wie Berlusconi und Grillo als “Clowns”. Nicht so ganz falsch aber mal wieder ungeschickt. Die Folge: Haufenweise Clown-Schlagzeilen und Italiens Staatspräsident Napolitano sagte ein Treffen ab.

“Inkontinenz”-Team: Steinbrücks Kompetenz-Team besteht aus vielen Leuten, mit denen er inhaltlich komplett über Kreuz liegt. Die Verpflichtung des erklärten Agenda-Gegners Klaus Wiesehügel sorgte für den üblichen Spott in den Medien. (Die WDR-Satire-Show "Tagesschaum" bezeichnete es als "Inkontinenz-Team", weil die Mitglieder nur tröpfchenweise verkündet werden).

Sprecher-GAU: Vorläufig letzter Akt in der großen Steinbrück-Soap war die Demission seines Sprechers Michael Donnermeyer. Als neuen Sprecher stellte Steinbrück den ehemaligen Leiter des Hauptstadtbüros Bild, Rolf Kleine, vor. Sofort wurde bekannt, dass Kleine zuletzt als Lobbyist für die Immobilien-Heuschrecke Annington tätig war. Passt ja “prima” zum Wahlkampfthema der SPD, für billige Wohnungen zu sorgen. Auch Kleines frühere Bild-Kommentare, in denen er Gift und Galle gegen Griechenland spuckte und sich über Hartz-IV-Empfänger unter der Überschrift “Betrug auf Kosten der Steuerzahler” ausließ, wurden sofort genüsslich hervorgekramt. Und dann flog auch noch auf, dass der neue Sprecher bei Facebook ein latent rassistisches Pseudo-Witzchen über FDP-Chef Philipp Rösler riss. Die für die Steinbrück-Kampagne typische Reaktion: Das Facebook-Profil wurde schnell gelöscht. Vermutlich wieder diese “Hacker” … Mittlerweile sah sich Kleine genötigt, sich für den FDP-Witz zu entschuldigen.

Wie es aussieht, hat Peer Steinbrück nun einen Sprecher gefunden, der zu ihm und seinem Wahlkampfstil passt.
Bonus-Panne: Steinbrück soll mal ThyssenKrupp seine Hilfe angedient haben, billigere Strompreise durchzusetzen. Leser @migrate89 machte uns bei Twitter auf dieses Versäumnis in der Pannen-Statistik aufmerksam.

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