Proteste gegen Aus für Griechen-TV

Über Nacht und ohne Vorwarnung hat die griechische Regierung die staatliche Rundfunk-und Fernsehanstalt ERT dicht gemacht. Der Regierungssprecher Simos Kedigoglou bezeichnete die Anstalt als "ungeheure Geldverschwendung" und rechtfertigte damit das überraschende Ende Dienstagnacht. Drei Fernsehkanäle, 26 Radiosender und rund 2600 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen. Am Mittwochmorgen sind alle griechischen Journalisten in den Streik getreten.

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1938 ging ERT zum ersten Mal on air, 75 Jahre später wurde der griechische öffentlich-rechtliche Rundfunk über Nacht ausgeschaltet. Um 23 Uhr war der Bildschirm schwarz – mitten in der laufenden Sendung. "Die Regierung hat sich entschlossen, ERT gemäß den geltenden Gesetzen und ministeriellen Beschlüssen zu schließen", zitiert tagesschau.de den Regierungssprecher Simos Kedigoglou. "Die ERT ist ein typischer Fall unglaublicher Geldverschwendung." Die Anstalt beschäftige wesentlich mehr Menschen als andere vergleichbare Medien und soll nun im Zuge des Konsolidierungsprogramms modernisiert und verkleinert werden. Die rund 2600 Mitarbeiter erhalten eine Entschädigung und können sich außerdem für die neu aufgebaute Medienorganisation bewerben. Wann genau die geplanten kleineren TV-und Hörfunksender an den Start gehen, ist noch unklar.
Nachdem sich Dienstagnacht bereits zahlreiche Menschen in Athen versammelt hatten, hat auch die Journalistengewerkschaft zu einem 48-Stunden Streik aufgerufen. Am Mittwochmorgen sind zahlreiche Journalisten in Griechenland auf die Straße gegangen, um gegen die plötzliche Schließung zu demonstrieren. In den TV-und Hörfunkstationen wird es zunächst keine Nachrichten geben und auch die Zeitungen am Donnerstag werden ausfallen. Bereits in der Nacht zeigten sich viele Privatsender solidarisch und sendeten nur Wiederholungen und Werbung.
"Es ist ein großer Tiefpunkt in der Demokratie, der medialen Vielfalt und dem Journalismus als öffentliches Gut in Griechenland", zitiert das griechische Medium Ekathimerini den Präsidenten der European Federation of Journalists, Morgens Blicher-Bjerregard. Die Regierung raube dem Volk mit der Schließung ihr Recht auf ehrliche und unvoreingenommene Informationen.
Eine neue Anordnung, die am 11. Juni 2013 im Bundesgesetz veröffentlicht wurde, erlaubt es der Regierung, öffentliche Einrichtungen zu schließen. Die mitregierende Partei der Sozialisten kritisiert allerdings die drastische Vorangehensweise: Die staatlichen Einrichtungen müssten zwar modernisiert werden, können aber nicht einfach überraschend geschlossen werden.

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