Der Gottschalk-Anzug passt ihm nicht

“Lanz kann’s”, lauteten viele Schlagzeilen nach der ersten “Wetten dass..?”-Sendung von Markus Lanz. Jetzt, viele Monate später und mit rund sechs Mio. Zuschauern weniger, ist das Presse-Echo auf die Mallorca-Ausgabe von “Wetten dass..?” katastrophal. Man muss sagen: zu Recht. Die Sendung war tatsächlich peinlich und niveauarm. Das eigentlich Schlimme aber ist, dass dies kein Ausreißer war, sondern der vorläufige Tiefpunkt einer längeren Entwicklung nach unten.

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Die erste “Wetten dass..?”-Sendung mit Markus Lanz hatte eine Mega-Quote von 13,62 Mio. Zuschauern. Danach wurde es weniger, was weder ein Wunder noch eine Katastrophe war – der Neugiereffekt war eben verflogen. Dass es für die Mallorca-Ausgabe dann gerade mal 6,74 Mio. waren, wird den ZDF-Verantwortlichen trotzdem nicht gefallen. Es gab dann noch einigen Presserummel um den Hollywood-Star Tom Hanks, der sich eine lächerliche Katzenmütze aufsetzen musste und hinterher ein wenig darüber lästerte. Und jetzt also die ganz und gar verkorkste Mallorca-Ausgabe mit Peinlich-Einlagen (Eiswürfel in der Hose von Gerard Butler, die Geissens), B-Gästen (Paul Panzer), einem hemmungslos für seinen Duschkopf werbenden Stefan Raab und einem sehr angestrengten Markus Lanz.

Für sich genommen wären die einzelnen Fehltritte und Quoten-Patzer nicht so wild – es lässt sich nach einer ersten Lanz-Saison aber ein Muster erkennen. Wenn man sich mit ein wenig Abstand zu den einzelnen Sendungen dieses Muster anschaut, erkennt man: Markus Lanz und “Wetten dass..?” passen nicht zusammen. Das soll jetzt nicht heißen, dass Lanz ein schlechter Moderator wäre. Er ist stets top vorbereitet, er ist pflichtbewusst, er ist sportlich, er kann nachhaken, er hat viele Interessen usw.

Der von Thomas Gottschalk schon reichlich abgetragene Show-Anzug passt ihm aber nicht. Diese simple Tatsache wurde zu Beginn noch vom Zauber des Neustarts überdeckt – mittlerweile ist Lanz bei "Wetten dass..?" aber in den Niederungen des Show-Alltags angekommen. Gottschalks größtes Asset war seine Wurschtigkeit, sein Mega-Ego, das ihn auch eine mit tausenden Menschen besetzte Stierkampf-Arena bespielen ließ wie ein Wohnzimmer. Lanz ist niemals wurschtig. Er bereitet sich offenbar vor, will es gut machen, will zeigen, dass er das Format im Griff hat. Mit Wollen ist es hier aber nicht getan. Auf dem Bildschirm kommt dieses Wollen angestrengt rüber. Das macht keinen Spaß und schlimmstenfalls und immer häufiger wird es richtig peinlich.

Hier fehlt es Lanz und den Machern von “Wetten dass..?” auch an Sensibilität. Dass es nicht gut ankommt, wenn man Gerard Butler Eiswürfel in die Hose kippt, kann man sich vorher ausrechnen. So etwas ist vielleicht im privaten Kreis unter Einwirkung von Spirituosen lustig, aber nicht in einer Show, die das Flaggschiff deutscher Familien-TV-Unterhaltung sein will. Dass einer wie Raab die Sendung nutzen würde, um Werbung für seinen Duschkopf zu machen, kann auch keine Überraschung sein.

Dass die Schwächen von Lanz und “Wetten dass..?” bei der Mallorca Show wie unter einem Vergrößerungsglas besonders deutlich werden, liegt in der Natur der Sache. Die Mallorca-Show war – mehr noch als jede normale Ausgabe – so etwas wie Gottschalk-”Wetten dass..?” in Reinkultur. Noch größer, noch hohler, noch sonniger, noch gut gelaunter. Das kann der Lanz halt nicht.

Lanz selbst hat es vielleicht geahnt – immerhin war angedacht, der Mallorca-Show eine Winter-Ausgabe von “Wetten dass..?” gegenüberzustellen. Eine Show aus einem Skigebiet würde dem sportlichen Lanz vermutlich eher liegen, als die Sommer-Sause in der Stierkampf-Arena. Lanz wirkt, als habe er vor der Mallorca-Show Bammel gehabt. Am Ende konnte man fast mit Händen das Gefühl greifen, dass da einer heilfroh ist, dass es erstmal vorbei ist, dass die erste Staffel geschafft ist. So eine Anstrengung!

Markus Lanz wirkte von Sendung zu Sendung verkrampfter, unzufriedener. Ganz im Gegensatz zu seiner Talkshow, an der er Woche für Woche immer noch sichtlich Spaß hat. Dort sieht man einen anderen Markus Lanz, einen dem das Show-Konzept passt wie angegossen. Das spürt das Publikum.

Noch einmal ein letzter Blick auf das Muster, das sich ergibt, wenn man mit einigem Abstand auf die erste “Wetten dass..?”-Staffel mit Markus Lanz schaut. Man sieht Katzenmützen, Liegestütze, eine dicke Frau im rosa Jogging-Anzug, eine Arena, ein Kind mit Pümpel auf dem Bauch, einen Mann mit hochgekrempelten Hemdsärmeln, der schwitzt. Man sieht, dass diese Sendung mit diesem Moderator keine große Zukunft hat.

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