Zeit Wissen mit Transparenz-Offensive

Muffensausen, dass es schiefgeht, dürften die Macher von Zeit Wissen nicht haben. Immerhin lautet ihre aktuelle Titelstory "keine Angst vorm Scheitern“. So richtig daneben liegen dürften die Hamburger mit ihrer neuen Idee eh nicht. "Wir legen jetzt alle unsere Quellen immer komplett offen", erklärt Chefredakteur Jan Schweitzer. Das will er vor allem nicht nur online umsetzen, sondern auch direkt im Heft mit einer Auswahl der wichtigsten Infos und einem Link, unter dem man dann wirklich alle Quellen findet.

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"Wir holen jetzt die Transparenz ins Heft, die für viele Leser eine immer wichtigere Rolle spielt, etwa weil sie in wissenschaftlichen Bereichen arbeiten, oder weil sie Transparenz aus dem Internet gewohnt sind", erläutert der Hamburger den Grundgedanken hinter seiner Idee. Am Ende jedes Textes soll die Marginalspalte künftig die wichtigsten Hintergrundinfos nennen, inklusive eines Links hinter dem sich dann ein Gesamtüberblick über alle für den Text verwendete Literatur verbirgt.

Einen weiteren Vorteil sieht Schweitzer in dem neuen Angebot: "Mit der Transparenz-Offensive hoffen wir zudem noch, die Leser-Nähe zu vertiefen. Diese sollen uns besser verstehen lernen. So bleibt die Redaktion auch keine anonyme Riege mehr".

Bereits heute dürfte es um die Verbindung zwischen Redaktion und Lesern gar nicht so schlecht bestellt sein. Ein ganz guter Indikator dafür sind stets die Abozahlen. Gerade bei diesen konnten die Hamburger in den vergangenen Quartalen kräftig punkten. So stieg allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres, im Vergleich zum Vorjahr, die Zahl der Abonnenten um 14,51 Prozent auf 44.798. Im Gesamtverkauf kommt das Wissens-Magazin auf 90.400 Exemplare.

Eine echte Online-Kommunikation mit den Lesern wird allerdings kaum möglich sein. Die Hamburger Print-Redakteure haben keinen Zugriff auf die Webseite. "Den haben nur die Kollegen von Zeit Online in Berlin. Doch denen fehlen schlicht die Ressourcen für intensive Diskussionen. Wir können allerdings mit Kommentaren in Diskussionen einsteigen, die sich bei online gestellten Artikeln entwickeln – und das tun wir auch", erklärt der Chef.

Zu ganz so einer transparenten Diskussion, wie es die Leser aus dem Internet gewohnt sind, wird es also möglicherweise dann doch nicht kommen. Allerdings sollen die Leser sich ab jetzt auch aufgerufen fühlen, die jeweiligen Autoren direkt anzusprechen. Neben den Quellen-Hinweisen wird künftig unter jedem Text auch entweder die E-Mail-Adresse oder der Twitter-Kontakt der verantwortlichen Redakteurs oder Reporter angegeben.

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