Die mutigen Experimente der USA Today

Die USA Today war immer eine Zeitung, die mich besonders beeindruckt hat. Ein vergleichsweise seriöses Boulevard-Blatt, das nicht so blutrünstig und sensationell daherkommt wie man es aus Deutschland oder England gewohnt ist. Und seinen Lesern eine moderne Themenmischung bietet, mit viel Sport, Unterhaltung und Fernsehen. Ihr Markenzeichen: kurze Texte, gut gemachte Infografiken und viele Farbfotos. Kritiker nennen so etwas „McPaper“.

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Die USA Today war immer eine Zeitung, die mich besonders beeindruckt hat. Ein vergleichsweise seriöses Boulevard-Blatt, das nicht so blutrünstig und sensationell daherkommt wie man es aus Deutschland oder England gewohnt ist. Und seinen Lesern eine moderne Themenmischung bietet, mit viel Sport, Unterhaltung und Fernsehen. Ihr Markenzeichen: kurze Texte, gut gemachte Infografiken und viele Farbfotos. Kritiker nennen so etwas „McPaper“.

Mit dieser Formel schaffte es das von Al Neuharth 1982 gegründete Blatt, zeitweise die meistgelesene Zeitung Nordamerikas zu werden. Der Erfolg wurde aber teuer erkauft: in der Branche kolportiert man, dass der Verlag Gannett bis zum Erreichen des Breakeven-Points rund 1 Milliarde Dollar in die Zeitung gesteckt haben soll.

Ob Gannett dieses Geld je wiederbekommt, scheint fraglich. Seit dem Aufkommen vom Internet ist das Zeitungsgeschäft deutlich schwieriger geworden. Nachrichten sind im Netz überall kostenlos erhältlich, und auch die Einführung vom ipad führt eher dazu, dass man heute weniger Zeitungen kauft als früher.

Vor diesem schwierigen Hintergrund hat die USA Today anläßlich ihres 30jähriges Jubiläums im Herbst letzten Jahres ihren Auftritt auf allen Plattformen gründlich überarbeitet. Und hat dabei auch vor ungewöhnlichen Experimenten nicht zurückgeschreckt.

Zeitung: blauer Kreis als Logo

So haben die Macher das Logo komplett erneuert. Bisher stand der Schriftzug „USA TODAY“ prägnant und groß auf einer blauen Fläche, neuerdings gibt es einen großen blauen Kreis, neben dem dann nur noch klein der Name der Zeitung steht.

Jetzt sieht die Titelseite so aus:

Dagegen vor einem Jahr:

Als ich die neue Form im Herbst letzten Jahres das erste Mal gesehen hab, hab ich mich erschrocken. Noch nie hab ich bei einer erfolgreichen Printmarke einen so radikalen Umbau vom Logo gesehen. Der Absender ist auf dem ersten Blick kaum noch zu erkennen.

Inzwischen weiß man, dass dieser Schritt eine fatale Fehlentscheidung war. Nach der jüngst veröffentlichten Statistik, bei der die Verlage erstmals in die Gesamtauflage auch Online-Abos integrieren dürfen, hat die USA Today seit der Umstellung fast 8% an Auflage verloren, während die Konkurrenz im zweistelligen Bereich gewonnen hat.

Wall Street Journal

Gesamtverkauf
2.378.827 (+12,3%)
– davon Print: 1.480.725
– davon digital: 898.102

New York Times

Gesamtverkauf 1.865.318 (+17,6%)
– davon Print: 731.395
– davon digital: 1.133.923

USA Today
Gesamtverkauf 1.674.306 (- 7,9%)
– davon Print: 1.424.406
– davon digital 249.900

Bei diesen Zahlen fallen zwei Sachen besonders auf:

– Es ist erstaunlich, wie groß in den USA inzwischen die Bereitschaft ist, für Digitalausgaben von Zeitungen zu zahlen. Die New York Times hat inzwischen mehr Digitalzahler als Print-Abonnenten.

– Wenn man nur die Printauflage betrachtet, dann ist die USA Today erstmals nicht mehr auflagenstärkste Zeitung des Landes. Das führende Wirtschaftsblatt überholt die führende Boulevardzeitung. In Deutschland wäre so etwas undenkbar…

Website: Design wie eine iPad-App

Viel interessanter als der Relaunch der Zeitung ist aber die neue Website usatoday.com. Sie erinnert im Design und Usability stark an eine iPad-App. Ein Klicken auf die Navigationspfeile auf der rechten und linken Seiten ermöglichen ein „Swipen“ durch die Seiten, wie man es vom iPhone oder iPad kennt. Den Artikel selbst liest man dann in einem Overlay, wobei man auch hier wieder von Artikel zu Artikel „sliden“ kann.

Diese Innovation kommt gut an. Laut ComScore hat die USA Today inzwischen im Netz eine Reichweite von über 50 Mio Usern, während die NYT auf 48 und das Wall Street Journal nur auf 25 Mio User kommen.

Für mich ist usatoday.com die bisher überzeugendste Umsetzungen eines Printproduktes aufs Internet. Nicht so 08/15 und mutlos, wie man es aus Deutschland gewohnt ist. Beeindruckend ist auch die iPhone- und iPad-App der USA Today, die bisher auf 15 Millionen Downloads kommt.

Allerdings ist das kostenlose Digitalangebot der Zeitung so gut gemacht, das man sich bei täglicher Lektüre fragt: Wozu braucht man dann noch die Zeitung?

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