SpOn und Bild.de testen Echtzeit-Ticker

Fast zeitgleich experimentieren die beiden größten deutschen Nachrichten-Websites mit Livetickern, die sich keinem bestimmten Thema widmen, sondern den Nachrichtentag in Echtzeit begleiten wollen - mit kurzen News, Links zu Twitter oder YouTube und Teasern zu größeren Geschichten. Auch wenn die Umsetzung bei Bild und SpOn noch etwas halbgar ist, so werden die Echtzeit-Ticker ein Feature sein, das in den kommenden Jahren auf vielen News-Angeboten zu finden sein wird.

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Vor allem Twitter hat den Nachrichtenanbietern in den vergangenen Jahren im Bezug auf Geschwindigkeit, ordentlich Druck gemacht. Die Tatsache, dass ein Tweet in der selben Sekunde, in der er abgeschickt wird, bei den Followern landet, lässt Nachrichten in ungeahnter Geschwindigkeit von einem Ende der Welt ans andere fliegen. Haben Nachrichten-Websites ihre ersten Artikel fertig, ist die News für viele Twitter-Nutzer schon alt. Die neuen "Live"-Angebote von Spiegel Online und Bild.de sollen diesen Echtzeit-Gedanken nun zurück auf die Nachrichten-Websites holen.

Richtig neu sind die Features natürlich nicht, sind sie doch letztlich nur eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Live-Ticker zu bestimmten Ereignissen oder der dpa-Ticker, die immer noch auf vielen Seiten eingebunden sind. Der Unterschied: Hier wählt die Redaktion aus, was als relevant erachtet wird – und das zu allen Themen. Angereichert werden die Echtzeit-Ticker zudem mit Tweets, YouTube-Videos, Links zu anderen Quellen und anderem. Gerade durch diesen Vernetzungs-Gedanken kännen solche Ansätze zahlreiche Vorteile bringen: Amüsantes, Videos oder Links lassen sich z.B. schnell posten, ohne gleich einen kompletten Artikel anlegen und schreiben zu müssen.

In der Umsetzung sind beide Versuche sicher noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Bei Bild.de findet sich die "Bild live"-Leiste zwar direkt unter dem Aufmacherblock auf der Homepage, doch zu sehen gibt es immer nur drei Nachrichten-Elemente, für weitere muss man klicken, klicken, klicken. Dem Gedanken der Timeline kommt Spiegel Online deutlich näher, wenn auch noch nicht in ansprechendem Layout. Hier finden sich alle Einträge wie bei einem Fußball-Ticker, einem Blog oder eben bei Twitter in chronologischer Reihenfolge untereinander. Das gesamte Geschehen findet so auf einer Seite statt – ohne weitere Klicks.

Dass die "News in Echtzeit", wie Spiegel Online sie nennt, erst einmal ein Experiment sind, zeigt sich auch anhand der – fehlenden – Anbindung zur restlichen Website. Beworben wird der neue Ticker bei Twitter und in den mobilen Angebote, auf der Spiegel-Online-Homepage sucht man ihn hingegen vergebens. Und auch die Tatsache, dass er mal im Kultur-Ressort, mal im Politik-Ressort angesiedelt ist, zeigt, dass man noch in der Experimentierphase ist.

Spannend sind diese Versuche dennoch. Und wohl auch richtungsweisend. Für News-Junkies ist aus "Nichts ist älter als die Zeitung von gestern" längst "Nichts ist älter als der Tweet von vor 15 Minuten" geworden. Wollen die Redaktionen im Bezug auf Nachrichten nicht nur ein Player unter vielen in den sozialen Netzwerken sein, sondern ihnen auch ein eigenes Angebot auf der eigenen Website entgegen stellen, so sind die Echtzeit-Ticker genau der richtige Weg.

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