Kritiker „verstehen Geschäftsmodell nicht“

In einem Interview mit dem Handelsblatt spricht Arianna Huffington, Gründerin der Huffington Post über die Kooperation mit Tomorrow Focus, den Start des Portals in Deutschland und Vorwürfe zum Geschäftsmodell ihrer Website. Ihr Credo: Deutsche Verlage sollten sich freuen, dass die Huffington Post nach Deutschland kommt - und Kritiker würden ihr Geschäftsmodell nicht richtig verstehen. Für die Printbranche sieht Huffington keinen Untergang, sie lese täglich sieben Zeitungen, die besten Blätter werden überleben.

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Die Kooperation mit der Burda-Tochter Tomorrow Focus vergleicht Huffington in dem Interview mit einem Speed Dating: "Man spricht mit einem Kandidaten nach dem anderen, bis man sich verliebt". Über ihre Aktivitäten bei den DLD-Konferenzen kenne Sie Hubert Burda, Stephanie Czerny, Maria Furtwängler, zudem sei Burda "sehr aufgeschlossen gegenüber digitalen Medien und Innovationen". "Wir fühlen uns eng verbunden".

Etwas patzig reagiert Huffington auf Vorwürfe u.a. von Springer-Boss Mathias Döpfner, der die Huffington Post kürzlich als "Anti-Geschäftsmodell für Journalismus" bezeichnet hatte. "Ich möchte mich dazu konkret nicht äußern. Aber Kritiker verstehen unser Geschäftsmodell in der Regel nicht richtig." Es sei vielmehr so, dass man der Konkurrenz ja Traffic beschere, indem man deren Artikel mit Link und Anreißer auf der Huffington Post erwähne. Die Verlage sollten sich also freuen, dass die HuffPo auch nach Deutschland komme. "Sie sollten mal in meine E-Mails schauen. Ich bekomme jede Menge Links mit der Bitte, sie auf unsere Seite zu setzen", so Huffington. Scheint, als würde hier der Konflikt zwischen Google News und Springer & Co. wieder aufleben.

Auch mit dem anderen Vorwurf, die Huffington Post würde mit Inhalten von Bloggern Geld verdienen, diese aber nicht entlohnen, kann Huffington nichts anfangen. "Meinen Sie, die Blogger auf Tumblr bekommen von Yahoo etwas bezahlt?", so ihr etwas schräger Vergleich. Den Unterschied, ob man als Blogger Teil eines redaktionellen Portals ist – oder nur auf einer neutralen Technik-Plattform wie Tumblr publiziert, scheint Huffington dabei auszublenden. Sie wolle jedenfalls auch in Deutschland "neue Stimmen entdecken". "Ich habe mit Hilfe von Burda gute Blogs in Deutschland angeschaut, sei es über Wein, Spiritualität oder was auch immer. Sie alle haben nur ein kleines Publikum. Wir wollen ihnen anbieten, ihre Blogs auch auf unsere Site zu bringen, damit sie mehr Menschen erreichen." Ohne Vergütung, versteht sich.

Obwohl Huffington "nie in die Print-Branche" gehen will, da ihr Vater mit Zeitungen Pleite gegangen ist, glaubt sie an die Zukunft von Print: "Die besten Zeitungen werden überleben. Ich lese jeden Morgen sieben Zeitungen." Und: "Ich bin fest davon überzeugt, dass man sich auch mal von der Technologie lösen muss – deshalb lese ich im Bett nie etwas auf dem iPad, sondern nur Gedrucktes". Auch Radio und Fernsehen würden vom Netz nicht abgelöst: "Unser Gehirn sieht immer nur ‚entweder oder‘, aber die Wirklichkeit ist ’sowohl als auch’".

Offenlegung: MEEDIA ist Teil der Verlagsgruppe Handelsblatt.

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