Sonntagszeitungen in der Final-Falle

Während in ganz Deutschland die Fußballfans am Samstagabend vor den Fernsehern sitzen und beim Champions League-Finale mitfiebern, damit ja ihr Team gewinnt, hoffen in den Redaktionen der großen Sonntagszeitungen einige Print-Profis, dass es ja keine Verlängerung gibt. Denn je länger das Match geht, desto weniger Ausgaben werden am Sonntag das Endergebnis verkünden können. Die BamS setzt deshalb auf einen Ergebnis-Code im Heft. Die Süddeutsche bringt gar eine extra Digital-Ausgabe.

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Für die Welt am Sonntag, die Bild am Sonntag und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ist das samstägliche Champions League-Finale Fluch und Segen zugleich. Zum einen haben sie die große Chance mit besonders vielen und guten Inhalten, Hintergrund-Reportagen und tollen Bilder das hohe Info-Bedürfnis der Leser am Morgen nach dem Match zu stillen. Zum anderen stehen sie allerdings vor der Herausforderung ihren Käufern überhaupt eine möglichst aktuelle Zeitung zu bringen. Tatsächlich steht jetzt schon fest, dass ein Teil der Leser am Sonntagmorgen Zeitungen in der Hand halten werden, die das Resultat des Endspiels zwischen Bayern München und Borussia Dortmund, noch gar nicht kennen. Die Drucktechnik verlangt, dass die drei überregionalen Blätter, bereits vor den Anpfiff jeweils eine Frühausgabe produzieren müssen, die in abgelegenere Gegenden transportiert wird. Das Betrifft aber nicht nur alpine Bergdörfer und Nordsee-Inseln.

Um immerhin allen Lesern – die vorher nicht selbstständig im Web nachgesehen haben – über das Ergebnis zu informieren hat sich die BamS etwas besonderes einfallen lassen. „Für diese Leser drucken wir einen Code im Sportteil ab, mit dem man sich die Zeitung digital als ePaper aufrufen kann. Hier findet man dann die aktuellste Berichterstattung zum finalen Spielstand der Champions-League“, verrät die Verlagsleiterin Carolin Hulshoff Pol. Die Boulevard-Zeitung erhöht sogar extra die Auflage.

Die Welt am Sonntag setzt neben Print auch stark auf das Web. Immerhin besteht die Gefahr, dass es die aktuellen Spielberichte nur in rund der Hälfte aller Ausgaben schaffen wird. „Ich kann Ihnen aber versichern“, sagt Sport-Ressortleiter Stefan Frommann, „die Interviews und Geschichten, die wir vorbereitet haben, werden jeden Fußballfan am Tag nach diesem Endspiel interessieren. Bei der Ergebnisberichterstattung konzentrieren wir uns vor allem auf die digitalen Kanäle."

Wie die Blätter ihre vertrieblichen Herausforderungen meistern, ist die eine Frage, die inhaltliche eine andere. Für die Sportredaktion der FAS hat das Match von Wembley einen ähnlich Stellenwert wie ein Weltmeisterschafts-Finale. Deshalb ist es nur konsequent, dass sie es mit dem Aufwand versuchen zu stemmen.

In Berlin, in den Redaktionen von Welt am Sonntag und Bild am Sonntag ist es das gleiche. Auch für die Springer-Redakteure ist das Endspiel eine der wichtigsten Ausgaben des Jahres: „Wir werden in Bild am Sonntag nahezu den kompletten Sportteil für das Spiel ausgeben, weil es alle anderen Ereignisse komplett in den Schatten stellt“, sagt Sportchef Walter Straten. Ein Reporter und ein Fotograf sind schon seit letzter Woche Donnerstag in London vor Ort. Unter dem Motto „BILD Wembley“ liefern sie sportliche und bunte Geschichten. Vom Interview mit Englands Nationaltrainer bis zum Wurst-Test im Wembley-Stadion. Zum Spiel werden ab heute noch jeweils drei Reporter für jede Mannschaft dazukommen, die auch Online bedienen.“

Die überregionalen Tageszeitungen, die über keine Sonntagszeitung verfügen haben allerdings ein ganz anderes Problem: Ihnen geht eine lukrative Ausgabe durch die Lappen. Das Print-Geschäft mit dem Finale machen FAS, WamS, BamS und die regionalen Sonntagszeitungen. Darauf reagiert nun auch die Süddeutsche Zeitung mit einer digitalen Sonderausgabe.

Die Sportredaktion der Münchner produziert ein 12-seitiges Special. Vertrieben wird es über die Digital-App der SZ (iPad und Windows 8) und im E-Paper (PDF). Die Digital-Abonnenten der Süddeutschen Zeitung erhalten die Ausgabe kostenfrei. Die Einzelausgabe kostet 0,89 Euro.

Tatsächlich ist das Champions League-Finale diesmal ein spannender Testfall, ob es den Print-Redaktionen gelingt, dem Internet Paroli zu bieten. Die eigentlichen stärken gedruckter Zeitungen wie Hintergrund, Recherche und Einordnung können diesmal kaum zum tragen kommen. Mit Abpfiff muss die Zeitung in die Druckerei. Da bleibt keine Zeit für Entschleunigung. Trotzdem sind die großen Sonntagszeitungen davon überzeugt, dass sie unabhängig vom Sieger des Finales zu den Gewinnern gehören.

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