Xbox One: Microsoft attackiert Wohnzimmer

Der Software-Riese Microsoft setzt weiter auch auf Hardware: Am Dienstag stellte der nach Apple und Google drittwertvollste Technologiekonzern der Welt den Nachfolger seiner beliebten Spielekonsole Xbox vor. Die Xbox One richtet sich keinesfalls nur an Game-Junkies: Microsoft will mit seiner Powerbox durch Gesten-Navigation, Sprachsteuerung und einer Skype-Integration das Wohnzimmer übernehmen. Bill Gates verspricht, die kleine Kiste werde "Entertainment für immer verändern".

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Es ist vielleicht der meistunterschätzte Aufschwung des Börsenjahres 2013: Die Aktie von Microsoft läuft und läuft und läuft. Mehr als 30 Prozent liegt der Softwareriese aus Redmond seit Januar bereits vorne – nicht zuletzt, weil sich die Geschäfte weitaus stabiler entwickeln als noch vor Jahren erwartet. 

Auch wenn Microsoft kein iPhone und iPad und auch keine Datenbrille anbietet – das Geschäft mit der Vergangenheit funktioniert auch im dreizehnten Jahr des neuen Jahrtausends blendend. Nicht nur Windows (dessen neue Version Windows 8 allerdings von Nutzern wie Experten kritisiert wird) und das Office-Paket sind milliardenschwere Verkaufsklassiker – auch mit der Spielekonsole Xbox verdient Microsoft seit 2008 gutes Geld.

Xbox One als trojanisches Pferd: Angriff aufs Wohnzimmer

Dass der Aufbruch in neue Geschäftsfelder keinesfalls immer ein Selbstläufer ist, bewiesen nicht zuletzt die bis heute chronisch defizitären Internet-Aktivitäten – nicht jeden Markt erobert Microsoft im Sturm. Danach sah es vor elf Jahren, als Microsoft dem Gaming-Platzhirsch Sony (Playstation) mit seiner eigenen Spielekonsole die Stirn zu bieten versuchte, auch nicht unbedingt aus.

Ein Jahrzehnt später scheint Microsoft ganz andere Gegner im Visier zu haben: Es geht um nichts weniger als die Vorherrschaft im Wohnzimmer, das bekanntlich auch Apple und Google mit ihren Set-Top-Boxen dominieren wollen. So ist die gestern vorgestellte neue Generation der Spielekonsole Xbox dann auch irgendwie ein trojanisches Pferd: Natürlich richtet sich die Xbox One in erster Linie an Gamer (allein 15 exklusive Spiele sollen dieses Jahr erscheinen), doch tatsächlich ist die Xbox One viel mehr als eine Spielekonsole.    

Gesten-Navigation, Sprachsteuerung und Skype-Integration: "Entertainment für immer verändern"

Das machte nicht zuletzt die Botschaft, die bei der Präsentation am Dienstag staatstragend von Microsoft-Gründer Bill Gates per Videoeinspieler verkündet wurde, sehr deutlich: "Wir haben Gaming zum Leben erweckt – jetzt werden wir Entertainment für immer verändern".

Das versucht Microsoft mittels eines Kintec Sensors, der gleich mitgeliefert wird, mit neuer Gesten-Navigation, Sprachsteuerung ("Xbox on") und einer tiefen Integration des vor zwei Jahren übernommenen Videochat-Dienstes Skype: Warum nicht über die Fernseher in Bewegtbild chatten, wenn der Kintec-Sensor Videochat in HD-Qualität anbietet?

Wie viel die Xbox One kosten wird, verkündete Microsoft noch nicht. Branchenkenner rechnen unterdessen mit Preisen um 500 Dollar und einem Launch Ende des Jahres – dann kommt auch Sonys Nachfolgeprodukt, die Playstation 4. Während die Anteilsscheine von Microsoft an der Börse kaum verändert auf die Präsentation reagierten, legte die Sony-Aktie in einer Erleichterungsrallye um 8 Prozent zu – Anleger hatten von der Xbox One offenbar noch härtere Konkurrenz erwartet.

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