Traumrenditen: Ökonom kritisiert Verlage

Wenn Journalisten und Verlagsmanager über ihre Branche reden, wird schnell klar: Um die Presse ist es schlecht bestellt. Die Qualität sinkt und die Verlage kämpfen um das wirtschaftliche Überleben. Hält diese Einschätzung einer rationalen Betrachtung stand? Der Medienökonom Frank Lobigs von der TU Dortmund hat seine Zweifel. Er konstatiert noch immer "Traumrenditen" bei den Medienhäusern: "Heute können vielleicht nicht die Journalisten vom Journalismus reich werden, aber die Verleger durchaus immer noch."

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In einem Interview mit dem Deutschlandradio erklärte der Medienökonom, er sehe bei den Verlagen noch immer Renditen, von denen normale Großunternehmen nur "träumen können". Diese erzielten eine Durchschnittsrendite von vier Prozent. "Die Verlage liegen beim Dreifachen oder Vierfachen davon." 

Als konkrete Beispiele nennt Lobigs Die Zeit, die 2012 gerade ein Rekordjahr mit einer zweistelligen Rendite eingefahren hätte, sowie den Spiegel. Dort bedauere  der Verlag, dass man nur 15 Prozent statt wie im Vorjahr 20 Prozent Umsatzrendite gemacht hätte. Als "ganz normalen" Regionalverlag nennt der Dortmunder die Braunschweiger Zeitung, bei dem rund 20 Prozent des Umsatzes als Gewinn übrig bleibe.

Diesen Zahlen stehen allerdings auch die Insolvenz der Frankfurter Rundschau und der dapd, die Einstellung der Financial Times Deutschland, die massiven Einsparungen bei der Funke-Gruppe (ehemals WAZ) oder auch die extrem rückläufigen Auflagen vieler Zeitungen und Zeitschriften gegenüber. Für den Professor sind dies drei Fallbeispiele, die die Öffentlichkeit immer besonders beeindrucken würden, die allerdings jeweils eine besondere Gesichte hätten.

Tatsächlich scheint der Forscher aber keine Durchschnittswerte über die Renditen der Deutschen Medienhäuser zu haben. So gesehen bieten seine Erkenntnisse möglicherweise einige wissenschaftliche Angriffsflächen.

Auch sein zweites Ergebnis dürfte zumindest für Diskussionen sorgen. Trotz aller Sparrunden sieht der Dortmunder keine Anhaltspunkte, dass die journalistische Qualität abgenommen habe. "Was wir allerdings beobachten, ist, dass Redaktionen zusammengelegt werden, und das stößt natürlich vielen Journalisten übel auf. Das ist auch übel, denn hier werden Journalisten entlassen und entsprechend ist das beklagenswert." Die Folge der Umstrukturierungen seinen jedoch überwiegend, dass  – vor allem bei Regionalverlagen – viele kleinere Redaktionen zu einem großen Newsroom zusammengelegt wurden. "Ich würde mal behaupten, dass eine größere Redaktion bessere Qualität liefert als vier kleinere vorher." 

Gerade als Dortmunder, also als Leser aus dem WAZ-Kerngebiet, ist dies durchaus eine gewagte These, der viele Journalisten, Leser und Forscher wie sein Kollege Horst Röper widersprechen.

Allerdings sieht auch der Medienökonom ein mögliches Ende der seiner Meinung nach noch immer rosigen Zeiten. "Die Frage ist, wie lange haben die Verlage noch Zeit, diese noch gute Marktposition zu nutzen, um zu investieren in Geschäftsmodelle im Internet?“ Für ihn ist das die "große Schicksalsfrage des Journalismus und auch des Qualitätsjournalismus: Werden die Verlage ein Modell finden, das es ihnen erlaubt, auch im Internet eine ähnlich gute Position zu haben?" 

Seiner Einschätzung nach müsse es den Medienmanagern jetzt gelingen, Bezahlmodelle im Internet einführen. Jetzt könnten noch die Gewinne aus dem Printmarkt eingesetzt werden, um im Web etwas Nachhaltiges aufzubauen. Noch hätten die Verlage die Mittel und Möglichkeiten dazu. "Aber das wird langsam Zeit, denn die Auflagen im Printmarkt nehmen natürlich kontinuierlich ab." Fazit: Also doch nicht alles so "traumhaft".

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