Anzeige

Yahoo & Tumblr: Wende mit Katzencontent?

Die tut was: Das ist das Image, das Yahoo-Chefin Marissa Mayer seit ihrem Amtsantritt vor einem Jahr zu transportieren versucht. Mal sind es iPhones für alle, mal ist es die Rückkehr zur Arbeitsplatzbindung und nun die bisher größte Übernahme unter ihrer Ägide: Für 1,1 Milliarden Dollar sichert sich das Blog-Netzwerk Tumblr. Der Deal macht auf den ersten Blick Sinn. Mayer hat sich als Macherin profiliert, Akquisitionsalternativen gab es ohnehin wenige.

Anzeige

Die tut was: Das ist das Image, das Yahoo-Chefin Marissa Mayer seit ihrem Amtsantritt vor einem Jahr zu transportieren versucht. Mal sind es iPhones für alle, mal ist es die Rückkehr zur Arbeitsplatzbindung und nun die bisher größte Übernahme unter ihrer Ägide: Für 1,1 Milliarden Dollar sichert sich das Blog-Netzwerk Tumblr. Der Deal macht auf den ersten Blick Sinn. Mayer hat sich als Macherin profiliert, Akquisitionsalternativen gab es ohnehin wenige
 
Verjüngungskur für den Internet-Dino – das ist die Schlagzeile, die in den Stunden nach Yahoos Übernahme des Blog-Netzwerks Tumblr die Runde macht. Eine Überraschung war es nach den tagelangen Spekulationen nicht mehr.
 
Tatsächlich stellte eine Übernahme in diesen Dimensionen keine Überraschung dar. Marissa Mayer ist mit viel Vorschusslorbeeren von Google gekommen und hat sofort mit ihrer einnehmenden, dynamischen Art für Wirbel und Aufbruchstimmung gesorgt. Das hat geholfen, den jahrelang dümpelnden Aktienkurs nachhaltig wiederzubeleben, obwohl eine signifikante Trendwende weiter auf sich warten lässt.

Tumblr: Heimat für jugendlichen Katzencontent

Ob die mit dem sechs Jahre alten Web 2.0-Klassiker Tumblr eingeleitet wird, erscheint aber eher fraglich. Tumblr macht gerade 12 Millionen Dollar Umsatz und ist in erster Linie ein Platz für Katzencontent. Das Blog-Netzwerk ist die Heimat von eher jugendlichen Internet-Nutzern, die sich bewusst für die Kommunikation im .gif-Format, manchmal aber auch für die Verbreitung von Porno-Inhalten entschieden haben. Etwas böswillig könnte man auch wieder das Bonmot "der Klowände des Internets" hervorkramen – Qualitätscontent sieht anders aus.

Aber darum dürfte es dem fast 20-jährigen Internet-Pionier Yahoo kaum gehen – Qualitätscontent hat das Online-Konglomerat mit Yahoo Finance oder seinem redaktionell gut gefüllten Portal genug, nur dass der einfach für keine neuen Impulse mehr sorgt.

Lange Liste gescheiterter Übernahmen

Obwohl Yahoos Quartalsgewinne über dem Niveau von Facebook liegen, ist der Internet-Pionier an der Börse als auch in der öffentlichen Wahrnehmung um Lichtjahre von seinen früheren Spitzenzeiten entfernt – mit Google, Facebook, aber auch Twitter dominieren heute andere Player die Schlagzeilen, während eBay und Amazon, die fast gleichaltrigen Dickschiffe der 1.0-Generation, längst in ganz anderen Umsatzsphären angekommen sind.

Yahoo versucht sich also wieder einmal neu zu erfinden, wie so oft in der Vergangenheit – man denke an die Zukäufe von Broadcast.com, Geocities, HotJobs, Overture, Delicious oder Flickr. Gerade letztere Akquisition aus dem Jahr 2005 wirkt wie eine Blaupause für die Tumblr-Übernahme: Beide Male wurde ein angesagtes Netzwerk zugekauft.

"Yahoo hat eine Geschichte, Cooles zu kaufen und es dann uncool zu machen"

"Yahoos Tumblr-Übernahme liest sich sehr wie die Flickr-Übernahme (und wir wissen alle, was daraus wurde)", legt das Techblog Pando Daily den Finger in die Wunde. Auch Social Media-Berater Brian Solis weist auf die Problematik hin: "Natürlich hat Yahoo eine Geschichte, Cooles zu kaufen und es dann uncool zu machen."
 
Ob sich die Geschichte bei Tumblr wiederholt, bleibt abzuwarten. Marissa Mayer hat gleich in ihrem zweiten Satz der Übernahmeankündigung erklärt, sie werde das Blog-Netzwerk bei den Eingemeindung nicht "versauen". Das ist die Ansage, die Mayer an die Netzgemeinde machen muss.

"Die bisher größte Wette"

Dass Tumblr Yahoo aber zu nachhaltigen Impulsen in der Bilanz verhelfen wird, erscheint aktuell zumindest fraglich. Andererseits: Die möglichen Übernahmeziele waren auch nach dem Milliardenzufluss der verkauften Alibaba-Anteile begrenzt.

Foresquare? Befindet sich auf dem absteigenden Ast. Groupon und Zynga? Ebenfalls zu problembehaftet. Twitter? Nicht mehr zu bezahlen. WhatsApp? Wäre die einzige andere Option gewesen.

Die Yahoo-Chefin wird sich nun an ihrer Tumblr-Akquisition messen lassen müssen: "Marissa Mayer ist ihre bisher größte Wette als Yahoo-CEO eingegangen", erklärt das Techportal TheVerge und folgert: "Wenn sie schiefgeht, wird sie vielleicht keine Chance auf eine zweite bekommen."

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige