Helmut Markwort investiert in Gratisblatt

Focus-Gründer Helmut Markwort wird Partner und Herausgeber des Gratisblatts DAZ. Die Abkürzung steht für Darmstädter Zeitung, die erstmals im September erscheinen soll. Medienmacher Markwort, 76, stammt aus der hessischen Metropole und startete seine journalistische Karriere beim Darmstädter Tagblatt. Ebenfalls mit an Bord ist u.a. Anzeigenblatt-Profi Horst Vatter (Blitz-Tip, Äppler). Die Fäden bei der DAZ will Ulrich Diehl ziehen, der viele Jahre für den Verlag des Darmstädter Echo gearbeitet hat, den regionalen Platzhirschen.

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Wo alle Welt von Inhalten redet, die nicht mehr verschenkt werden dürfen, soll die DAZ in Darmstadt ausschließlich über Anzeigen refinanziert werden. Das Blatt wird aus der bereits bestehenden Zeitung für Darmstadt hervorgehen, die bisher monatlich erscheint. Ab September sollen 60.000 Ausgaben des Blatts einmal wöchentlich kostenlos verteilt werden. Die Macher, zu denen auch der Medienunternehmer und FDP-Politiker Klaus-Jürgen Hoffie sowie der Fotograf Arthur Schönbein und die Mediengestalterin Sandra Russo gehören, rechnen sich gute Chancen aus. Das Darmstädter Echo decke "nicht einmal" ein Drittel aller Haushalte der Stadt ab, in der rund 150.000 Einwohner leben.
Er sei sehr froh, dass sich die "Altmeister" Markwort, Vatter und Hoffie bei der DAZ einbrächten, sagt Ulrich Diehl, der Geschäftsführer der Marktplatz Medien GmbH, im Gespräch mit MEEDIA. Alle drei seien auch Gesellschafter. Investiert werde eine Summe in sechsstelliger Höhe. Über seine Partner sagt Diehl: "Die wollen was bewegen". Der DAZ könnten vor allem die Kontakte der Medienmacher nutzen. Markwort beispielsweise ist Mitgesellschafter des hessischen Radiosenders FFH. In einem FAZ-Interview hatte Blitz-Tip-Gründer Vatter bereits im vergangenen Jahr angekündigt, er habe Anfragen zur Gründung neuer Anzeigenzeitungen. Die Schieflage, in die einige Anzeigenblätter, auch der Blitz-Tip, zuletzt geraten sind, sei eine Folge der Preisdrückerei von Anzeigenkunden. Die müsse man aber nicht hinnehmen. Mit Hilfe einer Anzeigenkooperation mit anderen Anzeigenblatt-Verlagen solle die DAZ möglichst schon ab der ersten Ausgabe Geld verdienen, sagt Diehl.
"Das lokale Geschäft läuft weiterhin klasse", sagt der Geschäftsführer. Regionale Tageszeitungen seien in einer schwierigen Situation, weil sie zu wenig lokale Inhalte anböten. Die DAZ solle sich dagegen voll auf Lokalberichterstattung konzentrieren. Diehl prognostiziert, dass regionale Abo-Zeitungen weiter an Käufern verlieren, durch höhere Abo-Preise aber weiter am Markt bleiben. Mit einem Gegenblatt durch den Platzhirschen Darmstädter Echo rechnet Diehl nicht – "da würden die sich ja selber schaden".

Die Nettowerbeumsätze der Anzeigenblätter in Deutschland waren 2012 um 2,8 Prozent gegenüber Vorjahr gesunken. Das Segment erzielt Nettowerbeumsätze von ca. 2 Milliarden Euro im Jahr.

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