Minus 32 %: Facebook macht Aktionäre arm

Es war der wohl am meisten gehypte Börsengang aller Zeiten: Der IPO von Facebook heute vor einem Jahr. Schon nach wenigen Minuten war klar: Die Nachfrage nach den Aktien des weltgrößten Social Networks ist längst nicht so groß wie erwartet. Tatsächlich folgte in den nächsten Wochen und Monaten der bittere Absturz, von dem sich Aktionäre bis heute nicht annähernd erholt haben. Bilanz für Zeichner: 32 Prozent gingen bis heute verloren. Und die Perspektiven bleiben problematisch: Facebook ist weiter hoch bewertet.

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Es war der wohl am meisten gehypte Börsengang aller Zeiten: Der IPO von Facebook heute vor einem Jahr. Schon nach wenigen Minuten war klar: Die Nachfrage nach den Aktien des weltgrößten Social Networks ist längst nicht so groß wie erwartet. Tatsächlich folgte in den nächsten Wochen und Monaten der bittere Absturz, von dem sich Aktionäre bis heute nicht annähernd erholt haben. Bittere Bilanz für Zeichner: 32 Prozent gingen bis heute verloren. Und die Perspektiven bleiben problematisch: Facebook ist weiter hoch bewertet.

Mark Zuckerberg hatte Anleger gewarnt: "Wir stellen keine Produkte her, um Geld zu machen. Wir machen Geld, um Produkte herzustellen", hatte der damals 27-jährige Gründer wenige Woche vor dem Jahrhundert-IPO im Börsenprospekt im begleitenden Mission Statement erklärt. Deutlicher konnte Zuckerberg kaum werden: Die Wall Street würde in der kommenden Geschäftsentwicklung nicht Priorität haben; man war an der Börse gelistet, würde aber nicht zwangsläufig nach ihren Regeln spielen.

Und so verlief dann auch Facebooks erstes Jahr an der Börse: Der Handelsstart verzögerte sich um fast eine Stunde, und als die  ersten Kurse gestellt wurden, legte die Aktie für wenige Augenblicke nur um zehn Prozent zu, statt wie andere Social Media-Überflieger wie LinkedIn oder Groupon am ersten Handelstag regelrecht zu explodieren. Facebook kämpfte um den Ausgabekurs von 38 Dollar, der nur mit massiver Unterstützung des Konsortialführers Morgan Stanley gehalten wurde.

Crash nach dem IPO: Kurshalbierung bis auf 17,55 Dollar

Schon in der nächsten Woche brach der Damm und Facebook wurde nach unten durchgereicht. Erst fiel die 30-Dollar-Marke schnell, dann brach nach Bekanntgabe der ersten Quartalszahlen Ende Juli ein regelrechter Verkaufsorkan los, der die Aktie bis Anfang September auf ihr bisheriges Allzeittief bei 17,55 Dollar befördern sollte. "Der Aktienkurs ist frustrierend", gab Gründer Mark Zuckerberg zu, der sich dann aber auf Tech-Konferenzen zeigte und versuchte, die Stimmung zu drehen.

Als die Haltefristen für Altaktionäre, die wie ein Damoklesschwert über der Aktie lagen, im November endlich ausgelaufen waren, erwachte die Facebook-Aktie zu neuem Leben. Vom Tiefpunkt Anfang September verdoppelte sich das Papier fast bis Ende Januar, nachdem Anleger durch die neuen Erlösströme auf der mobilen Facebook-App neue Zuversicht geschöpft hatten. Fast schien es, als könne Facebook den Malus des verkorksten Börsengangs im Nachgang reparieren.

Facebook bei 26 Dollar: Weit vom Ausgabekurs entfernt

Doch obwohl Facebook auch bei Bekanntgabe der jüngsten Geschäftszahlen für das abgelaufene März-Quartal sein Wachstumsversprechen einhalten konnte und inzwischen bereits 30 Prozent seiner Werbeerlöse mobil erzielt, lockt das weltgrößte Social Network keine neuen Käufer mehr an und dümpelt bei 26 Dollar näher am bisherigen 52-Wochentief als am Ausgabekurs.

Das hat seinen Grund: Auch bei Kursen um 26 Dollar ist Facebook weiter extrem sportlich bewertet. Im vergangenen Jahr erlaubte sich CEO Mark Zuckerberg in bester Manier des Amazon-CEOs Jeff Bezos auf Gewinne zugunsten von Investitionen in die Zukunft zu verzichten. Der Vorjahresgewinn in Höhe von 1 Milliarde Dollar schrumpfte auf gerade mal 53 Millionen Dollar zusammen.

"Facebook wächst nicht schnell genug, um Bewertung zu rechtfertigen"

Dieses Jahr muss unterm Strich deutlich mehr hängen bleiben, um Anleger bei Laune zu halten. Doch auch die jüngsten Quartalszahlen sind kaum dafür geeignet, Fantasie für den Ausgabekurs des vergangenen Jahres zu entfachen. 12 Cent je Aktie verdiente Facebook. Wenn sich die Geschäfte entsprechend weiterentwickeln, dürfte Facebook 2013 den 2011er-Gewinn erreichen oder leicht übertreffen, als das Social Network 46 Cent je Anteilsschein erzielt hatte.

Doch selbst auf dem derzeitigen Kursniveau wechselt die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 50 den Besitzer. Wie ist das Anlegern zu vermitteln, die Google und Apple für KGVs zwischen 20 und 10  bekommen können bzw. der Marktdurchschnitt des S&P 500 aktuell bei 17 liegt?

Nur um den aktuellen Kurs zu rechtfertigen, ist Facebook auf Jahre zu starkem, nachhaltigem Wachstum verdammt. "Ich glaube nicht, dass Facebook schnell genug wächst, um die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen", legt IDC-Analyst Karsten Weide den Finger in die Wunde.

Einziger IPO-Gewinner: Mark Zuckerberg

In anderen Worten: Anleger könnten noch länger darauf warten, ihren Einstand jemals wiederzusehen. Ein Jahr nach dem gigantischen IPO-Flop ist damit unter Facebook-Anteilseignern weitgehend Ernüchterung eingekehrt – die Aktie befindet sich im Niemandsland.

Einen unstrittigen Gewinner gibt es dennoch: Mark Zuckerberg. Der Facebook-Gründer hat es geschickt verstanden, auf dem Gipfel des Hypes den maximalen Betrag für sein gerade mal acht Jahre altes Unternehmen herauszuholen und sich seine Vision von einer vernetzten Welt von den Aktionären vergolden zu lassen.

Gern unterschlagener Lohn des IPOs: 10 Milliarden Dollar von zukunftsgläubigen Zeichnern, die 2012 noch glaubten, sie hätten bei Zuteilung ihrer Papiere das Geschäft ihres Lebens gemacht. 12 Monate später liegen sie 32 Prozent unter Wasser. Willkommen in der harten Realität der Wall Street!

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