Das Nein-Doch-Spiel von Welt und “Niggi”

Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters und Medien-Journalist Stefan Niggemeier kabbelten sich bei Twitter wegen der Schuhe der deutschen ESC-Teilnehmerin Cascada. Der Dialog erinnerte an das beliebte Nein-Doch-Spielchen aus Kindertagen. Weil sich Angelina Jolie die Brüste amputieren ließ, riefen sie bei Bunte “Stop the press!” Bild schreibt bei der New York Times ab. Und angeblich hält man es bei Burda Offenburg für eine gute Idee, ein Magazin zur Share-Economy zu drucken.

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Leute mit Kindern kennen das allseits beliebte Nein-Doch-Spiel. Kind 1: Du warst doof! Kind 2: Nein! Kind 1: Doch! Kind 2: Nein! Kind 1: Doch! usw. Zum Glück erlaubt der ebenfalls allseits beliebte Kurznachrichtendienst Twitter, abgebrühten Medienprofis bei einer Abart dieses Spiels zuzuschauen. Medien-Journalist Stefan Niggemeier spießte diese Woche auf, dass die Welt geschrieben habe, die deutsche ESC-Hoffnung Cascada habe bei einer Gesangs-Probe – shocking! – keine Schuhe getragen obwohl auf dem dazugehörigen Foto eindeutig Schuhe an den Füßen der Sängerin zu sehen waren. Schnappatmung! Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters parierte auf Twitter und empfahl Niggemeier: “Lesen hilft!” Die Welt habe nämlich geschrieben. Cascada habe “in Teilen” der Probe keine Schuhe getragen. Niggemeier erwiderte, das “in Teilen” sei nachträglich eingefügt worden. Darauf Peters: Nein! Die Story über Cascadas Schuhe und Füße sei um 4.41 Uhr bei Welt.de online gegangen und zwar inklusive der Formulierung “in Teilen”. Medienskandale sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Ein echter Aufreger war diese Woche dagegen das Thema Angelina Jolie und ihre Brust-Amputationen. Vor allem die Print-Medien stellte die überraschende Offenbarung von Frau Jolie vor eine echte Herausforderung. Ausnahmsweise wurde der geflügelte Satz “Stop the press” hier Wirklichkeit. Die Bunte ließ tatsächlich die Druckmaschinen anhalten und schaffte es trotz Redaktionsschluss Montag, die Kiosk-Ausgabe mit einer vierseitigen Angelina-Jolie-Story inklusive Cover zu versorgen. Das war mutmaßlich keine ganz billige Angelegenheit. Abonnenten mussten dagegen mit der Scheidung von Christine Neubauer auf dem Titel vorlieb nehmen. Ist ja auch schön. Irgendwie. Die Donnerstags-Konkurrenten Gala und Closer gingen ohne Jolie auf dem Titel in den Verkauf. Der stern hat das Thema sogar komplett ignoriert.

A propos Angelina Jolie: Ihre Entscheidung zur Brust-Amputation war am Mittwoch natürlich auch Riesen-Thema in der Bild. Zwei ganze Seiten wurden dafür freigeräumt und auch Angelina Jolies Text aus der New York Times, wurde sehr ausführlich in Bild abgedruckt. Sagt mal, ihr Leistungsschutz-Fans bei Springer: Habt ihr da keine Angst, dass Euch die New York Times verklagt? Wegen “Content-Klau” und so. Wie? Leistungsschutzrecht gilt erst ab 1. August? Ach so, dann ist ja gut …

Neulich hat Burdas Offenburg-Statthalter Reinhold G. Hubert im Clap-Magazin zu Protokoll gegeben, dass die Branche “mehr Rock’n’Roll” brauche. Und jetzt war in der Süddeutschen zu lesen, dass Burda Offenburg zusammen mit Burda Berlin vielleicht eine Zeitschrift zum Hype-Thema Share-Economy rausbringen will. Ach Leute, das wird doch nix. So ein Magazin über einen Internet-Trend, das braucht doch kein Mensch. Oder erinnert sich heute noch Jemand an das Print-Magazin zu eBay?

Und hier noch das Fundstück der Woche – ein sehr lustiger Fotowitz aus dem Online-Angebot der Titanic. Die lieben Kollegen werden uns den schamlosen Content-Klau hoffentlich verzeihen … Leistungsschutz gilt ja erst ab 1. August.

Schönes Pfingst-Wochenende!

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