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Angelina Jolie jenseits der Klatschspalten

Die Hollywood Schauspielerin Angelina Jolie, die als eine der schönsten Frauen der Welt gilt, hat sich beide Brüste amputieren lassen, um ihr Brustkrebs-Risiko zu senken und schreibt darüber in der New York Times. Das ist so eine Nachricht, die muss man erst einmal sacken lassen. Die massiven Reaktionen in Kommentaren, bei täglichen Gesprächen und im Netz belegen, wie sehr dies die Menschen berührt. Es eine Promi-Enthüllung von besonderer Qualität. Jenseits der Klatschspalten.

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Die Geschichte “Meine medizinische Entscheidung” (“My Medical Choice”) von Angelina Jolie in der New York Times ist streng genommen auch eine Art von Enthüllungsbericht. Sie hat aber rein gar nichts mit handelsüblichen “Promi-Beichten” gemein, die in der Regel dem Zweck dienen, den medialen Marktwert des Personals der Eitelkeits-Branche zu steigern. Frau Jolie hat es gewiss nicht nötig, ihren Marktwert zu steigern – sie steht schon an der Spitze der medialen Hackordnung.

Darum ist es bemerkenswert, dass sie sich in einer Spezialklinik einer solchen umfangreichen Behandlung unterzieht, begleitet von ihrem auch nicht direkt unbekannten Verlobten Brad Pitt, und dabei privat bleiben konnte. Dass Angelina Jolie nun selbst den Schritt an die Öffentlichkeit geht, verdient uneingeschränkt Anerkennung.

In der New York Times schreibt sie, dass sie wegen eines Gen-Defekts mit 87 prozentiger Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs erkrankt wäre. Ihre Mutter starb im Alter von 56 Jahren an der Krankheit. Nur bei einer kleinen Minderheit ist dieser spezielle Gen-Defekt die Ursache für Brustkrebs. In diesen Fällen aber besteht eine im Durchschnitt 65-prozentige Wahrscheinlichkeit der Erkrankung – bei manchen ist die Wahrscheinlichkeit höher, bei manchen niedriger. Durch eine Operation kann die Wahrscheinlichkeit zu erkranken drastisch gesenkt werden. In ihrem speziellen Fall habe die Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu erkranken von 87 auf 5 Prozent gesenkt werden können, schreibt Frau Jolie. Was für eine gewaltige Verbesserung. “Ich wollte das aufschreiben um anderen Frauen zu sagen, dass die Entscheidung für eine Mastektomie (Brust-Amputation) nicht leicht ist. Aber es ist eine, von der ich sehr froh bin, sie getroffen zu haben.”

Die Geschichte von Angelina Jolie erinnert uns aber auch an einige ganz existenzielle Fragen. Es wäre ja nicht sicher gewesen, dass Frau Jolie an Krebs erkrankt – selbst wenn sie sich nicht die Brüste hätte entfernen lassen. Umgekehrt ist es nun nicht sicher, dass sie niemals Brustkrebs bekommen wird. Es ist nur sehr viel unwahrscheinlicher.

In unserer von Statistiken brummenden Medien-Gesellschaft neigen wir dazu, Wahrscheinlichkeiten mit Gewissheiten zu verwechseln. Sobald ein Ereignis als sehr unwahrscheinlich gilt – sagen wir so ab 70, 80 Prozent – gehen wir wie selbstverständlich davon aus, dass es nicht eintritt. Siehe Finanzkrise. Anleger, denen erzählt wird, dass eine Geldanlage nur ein sehr geringes Risiko birgt, halten das Nicht-Eintreten des Totalverlusts oft für eine Gewissheit. Das kann trügerisch sein. Bei einer Krankheit ist dies ähnlich – mit deutlich dramatischeren Folgen.

Und bei genetischen Dispositionen – sei es in der Krebs-Früherkennung oder in der ganzen, umstrittenen Pränataldiagnostik – ist es eben auch nicht sicher, dass eine Krankheit ausbricht, eine genetische Disposition zum Tragen kommt. Meist jedoch genügt allein schon das Wissen um ein erhöhtes Risiko, dass es sich als Gewissheit im Gehirn festsetzt und einem den Schlaf raubt.

War es also “richtig”, was Angelina Jolie getan hat – die Mastektomie durchführen lassen und danach öffentlich darüber sprechen? Doppeltes Ja! Bei der in ihrem Fall sehr hohen Wahrscheinlichkeit, wäre es ihren Kindern, Angehörigen und sich selbst gegenüber unverantwortlich gewesen, den Eingriff nicht durchführen zu lassen. Wenn das Wissen einmal in der Welt ist, kann man es nicht wie mit einem Lichtschalter ausknipsen. Krebs ist eine der großen Krankheiten der modernen Zivilisation. Die Angst vor Krebs eine weitere. Dass Angelina Jolie als eine der schönsten Frauen der Welt so selbstbewusst und offen darüber spricht, taugt absolut zum Vorbild.

Wir dürfen nur nicht vergessen: Wahrscheinlichkeiten sind Wahrscheinlichkeiten. Keine Gewissheit. Auch daran erinnert der Fall Angelina Jolie.

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