Deutsche schauen weniger Info-Programme

Das deutsche TV-Publikum interessiert sich immer weniger für Informationsprogramme. Wie neue Zahlen der Fachzeitschrift Media Perspektiven zeigen, beträgt der Anteil der Infosendungen am Programm der größten 15 Sender zwar stabil 46%, bei der Nutzung allerdings nur noch 31%. Überdurchschnittlich stark interessieren sich die Leute hingegen für Fiction, Unterhaltung und Sport. Ebenfalls interessant: Während das ZDF seine Infosendungen zurück fährt, steigt der Info-Anteil im Ersten.

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31% der TV-Nutzung entfiel bei den großen 15 Sendern im Jahr 2012 also auf Informationsprogramme. Darunter fallen Nachrichten ebenso wie Magazine, Talks, Dokus, Doku-Soaps und Reportagen. Zwar ist das eine immer noch beachtliche Zahl, sie ist allerdings seit Jahren rückläufig. So betrug der Info-Anteil am Gesamt-TV-Konsum 2008 noch 35%. Die Informationsprogramme sind damit auch das einzige Genre, dessen Nutzungszahlen unter dem Prozent-Anteil innerhalb des Programms liegen. Denn: Von den auf den 15 ausgewerteten Sendern (Das Erste, ZDF, RTL, Sat.1, ProSieben, Vox, RTL II, kabel eins und die sieben Dritten) kamen 2012 stolze 46% aus dem Informationsgenre.

Zwar entfällt ein großer Teil des Rückgangs auf das weiche Informations-Subgenre "Information speziell / Gesellschaft", in dem u.a. Doku-Soaps wie "Rach – Der Restauranttester" enthalten sind, doch auch bei den härteren Sendungen wie Nachrichten und selbst bei den Talks ging es im Jahr 2012 nach unten.

Nach oben zeigen hingegen die Quoten der Sparte Unterhaltung. Aus 15% der TV-Nutzung im Jahr 2008 wurden inzwischen 18% – und das, obwohl nur 13% der Programme aus diesem Genre stammen. Fiction-Programme bleiben stabil stark: Bei einem Anteil von 31% am Gesamt-Programm beträgt der Anteil am Konsum 34%. Besonders stark überdurchschnittlich genutzt werden die Sport-Programme. So beträgt ihr Anteil am Gesamt-Programm allen Sport hassenden Kritikern zum Trotz seit Jahren stabil nur 2%, der Konsum lag im Jahr 2012 – natürlich auch wegen Olympia und Fußball-EM aber bei 7%, also dreieinhalb mal so hoch.

Während die Nutzung der Informationsprogramme im Fernsehen in der Geschlechter-Verteilung keine Unterschiede zeigt – und auch bei der Bildung in allen Bildungsschichten ungefähr gleich stark ist, zeigen sich insbesondere in den Altersgruppen große Unterschiede. So entfiel bei den 14- bis 29-Jährigen nur 23% des TV-Konsums auf Informationen, bei den 30- bis 49-Jährigen 27%, bei den 50- bis 64-Jährigen 32% und bei den Über-65-Jährigen 38%.

In einer weiteren Analyse zeigen die Media Perspektiven in ihrer aktuellen Ausgabe, wie sich die einzelnen Genres auf die Sender verteilen. Spannend hier: Das Erste baut seinen Informationsanteil seit Jahren aus. Lag der Info-Anteil am Gesamt-Programm in den Jahren 2008 bis 2010 zwischen 40% und 41%, waren es 2012 schon 42,2% und damit so viel wie seit fünf Jahren nicht. Ein Mitgrund dafür ist natürlich die Talkshow-Schwemme, aber auch bei den Dokumentationen zeigen die Pfeile nach oben.

Das ZDF hingegen, dass in den Jahren 1999 bis 2011 stabil bei über 45% Information im Programm lag, fuhr diesen Anteil 2012 auf nur noch 43,4% zurück. Damit liegt man zwar noch vor dem Ersten, aber eben auch 4,5 Prozentpunkte unter dem Wert aus 2010. Wie gering die Rolle von Informationsprogrammen im Privatfernsehen ist, zeigt sich ebenfalls sehr anschaulich. So kamen die Sendungen aus diesem Genre bei RTL im Jahr 2012 auf 22,1%, bei Sat.1 auf 15,4% und bei ProSieben auf 11,7%. Ohne Doku-Soaps sähen die Anteile noch viel trauriger aus. So zeigte Das Erste im Jahr 2012 pro Tag 126 Minuten Nachrichten, das ZDF 117 Minuten, RTL 58 Minuten, Sat.1 32 Minuten und ProSieben ganze 12 Minuten.

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