Redigier-Streit: Geo stimmt Vergleich zu

Publishing Beim Geld erlahmt so mancher Kämpferwille: Nachdem das Hamburger Oberlandesgericht am heutigen Mittwoch durchscheinen ließ, dass es nicht voraussagen könne, wie es in dem Berufungsverfahren zwischen Geo gegen den Autoren Christian Jungblut entscheiden würde und damit die Frage der Kostenübernahme nicht abzusehen sei, einigten sich beide Seiten – zumindest vorläufig. G+J verpflichtet sich den strittigen Text nicht weiterzuverbreiten und 60 Prozent der Kosten zu übernehmen.

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Dafür sieht der Autor den Streit als erledigt an und das Oberlandesgericht erteilt einer – strittigen Formulierung – aus der Urteilsbegründung des Landgerichts eine klare Absage.
Jungbluth war gegen das Reportage-Magazin vorgegangenen, weil sein Text „Plan B“, erschienen im Heft 9/2009, seiner Meinung nach zu stark redigiert wurde und trotzdem unter seinen Namen erschienen war. Vor dem LG Hamburg hatte er in erster Instanz Recht bekommen.
Also ging der Verlag in die Berufung. Diese wurde nun verhandelt. Dort machten die Richter schnell klar, dass Text-Bearbeitungen grundsätzlich von den Pauschalisten-Verträgen abgedeckt seinen. Für sie gehe es demnach nur um die Frage, ob es zu einer „groben Entstellung“ des ursprünglichen Textes gekommen sei. Wie sie in diesem Fall entscheiden würden, könnten sie noch nicht abschätzten. Besonders wichtig war dem Gericht die Feststellung, dass es sich im Streit Jungblut gegen Geo um einen Einzelfall und kein Grundsatz-Urteil handele
Genau das war wiederum die Befürchtung des Verlages. In seiner Urteilsbegründung hatte das Landgericht noch davon gesprochen, dass Texte nur dann stärker redigiert werden dürften, wenn sie unsittlich, beleidigend oder verräterisch seien. Dem stimmt das Oberlandesgericht nicht zu.
Gruner + Jahr und Jungblut haben jetzt bis 22. Mai Zeit, um den Vergleich doch noch platzen zu lassen. Legen sie Widerspruch ein – wonach es zur Zeit nicht aussieht – dann treffen sich die Parteien am 13. Juni erneut in Hamburg vor Gericht.

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