Wie der Spiegel seine Ex-Chefs verabschiedet

Vor dem Goodbye kommt das Lob für die Konkurrenz: “Wenn Redaktionen und Verlage ihre Chefredakteure wechseln, geht das selten so elegant vonstatten wie zuletzt beim "stern", wo zwei Chefredakteure ihren Nachfolger einarbeiteten”, schreibt der stellvertretende Spiegel-Chef Klaus Brinkbäumer im Spiegelblog. Man selbst habe "ruppige Tage" hinter sich. Tatsächlich ist das, was folgt, die erste offizielle Verabschiedung des ehemaligen Chefredakteur-Duos Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron.

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Für Mascolo hat Brinkbäumer nur Bewunderung übrig und weiß aus der Zeit nach dem Mauerfall zu berichten: "In all diesen Jahren war er der beste Rechercheur, mit dem ich je zusammengearbeitet habe; keine Ahnung, woher die vielen Akten kamen, aber sie waren da, und sie waren echt”, heißt es im Spiegel-Blog. Von Blumencron hätte Spiegel Online zu dem gemacht, was es heute ist. Beide, so Brinkbäumer weiter, hätten einen eleganten Abgang verdient gehabt.
Im ersten Print-Spiegel nach Bekanntwerden des Abgangs von Mascolo und von Blumencron suchten Leser noch vergeblich nach einer Mitteilung in eigener Sache. Erst ganz am Ende des Nachrichtenmagazins gab es einen kleinen Hinweis. Im “Rückspiegel”, in dem die Redaktion Zitate sammelt, die den Spiegel betreffen. Dort war ein Abschnitt aus der Streiflicht-Glosse der Süddeutschen Zeitung zu finden, in dem es hieß: “Von niemandem, nicht einmal von Richard Nixon, wurde die wirklich hohe Kunst der selbstbeschädigenden Intrige so perfekt ausgeübt wie von Redaktion und Verlag des Spiegel, vor allem, wenn es um den Sturz einer Chefredaktion geht.” Ein Zitat, das offenbar die Stimmung innerhalb der Redaktion widerspiegelte.
Ganz anders beim stern. Hier übergab man in Heft 18 auch für den Leser transparent die Chefredaktion von Thomas Osterkorn und Andreas Petzold an Dominik Wichmann. “Wir werden ihm als Herausgeber zur Seite stehen, sicher auch Kommentare und Artikel schreiben, wenn uns die Feder juckt, und ansonsten neue Projekte für den stern und den Verlag Gruner + Jahr anschieben”, verabschieden sich Osterkorn und Petzold nach 14 Jahren in der stern-Chefredaktion.
Doch zurück zum Spiegel: Brinkbäumer wünscht dem Nachfolger der beiden geschassten Chefs viel Glück. Wolfgang Bücher kenne den Spiegel-Verlag und sei in der gedruckten wie digitalen Welt zu Hause. "Wir freuen uns auf ihn. Viel Glück, lieber Wolfgang, und herzlich willkommen." Immerhin die Begrüßung des neuen Chefs ist somit geglückt.

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