Österreichs Verleger wettern gegen das Web

Publishing Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) hat anlässlich des internationalen Tags der Pressefreiheit eine Kampagne vorgestellt, die über die Bedeutung von unabhängigen Zeitungen und Magazinen für die Wahrung der Pressefreiheit informieren soll. Die Motive sind allerdings vor allem eine reichlich unreflektierte Kritik an Twitter, Facebook und Google. "140 Zeichen reichen nicht aus", heißt es auf einem Plakat, auf dem ein toter Twitter-Vogel sowie das Hashtag #pressefreiheit zu sehen sind.

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Auf einem weiteren Motiv ist ein an Facebook erinnernder Like-Daumen zu sehen und die Aussage "Likes sind kein Qualitätsmerkmal!". Ein drittes Bild zeigt einen Panzer, asiatische Schriftzeichen und eine Suchmaske, in der Pressefreiheit eingegeben ist. Darüber prangt in einer an den Google erinnernden Schrift das Wort "Zensur". Der Slogan hier lautet: "Ohne Journalismus keine Ergebnisse!"

Unter den Slogans sind stets weitere Informationen zu finden. "Mehr als 85% der Weltbevölkerung haben keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu freier Presse", ist der fettgedruckte Beginn, der auf allen drei Motiven zu finden ist. Im Suchmaschinen-Motiv heißt es danach unter anderem: "Qualitätsjournalismus lässt sich aber durch Suchalgorithmen nicht ersetzen." Bei den Motiven zu Facebook und Twitter ist zu lesen, dass diese allein die freie Meinungsäußerung und objektive Berichterstattung nicht sicher stellen könnten.

"Wenngleich Soziale Medien Möglichkeiten des Meinungsaustausches bieten und Suchmaschinen Werkzeuge zur Informationsbeschaffung sind, können sie keine objektive Information gewährleisten oder gar die ‘Watchdog’-Funktion der freien Presse ersetzen", sagt VÖZ-Präsident Thomas Kralinger.
Anlass für die Motive seien die Ereignisse rund um das Boston-Attentat gewesen. "Innerhalb weniger Sekunden vermischten sich in Boston Informationen, Gerüchte und Falschmeldungen und wurden millionenfach via Sozialer Medien verbreitet", betont Kralinger. Aber auch "klassische Medien wie der Fernsehsender CNN" seien zum Sprachrohr der Gerüchteküche geworden. "Zeitungen erwiesen sich jedoch meist als glaubwürdiger Fels in der Brandung", findet der VÖZ-Präsident. Er sagt, Zeitungen hätten mit wenigen Stunden Verzögerung Reflexion in die Berichterstattungs-Flut gebracht, "die es erlaubte, die Informationen für die Leser zu filtern und richtig zu bewerten."
Mit der Kampagne gehe es jedoch nicht darum, soziale Medien oder Suchmaschinen schlecht zu machen: "Wir wollen die Leser für die Wertigkeit von Informationen in unterschiedlichen Medienkanälen sensibilisieren. Denn wir sind überzeugt, Zeitungen liefern die unabhängigste und vertrauenswürdigste Information."
Von deutschen Journalisten, die stark im Netz aktiv sind, kommt harsche Kritik an der Kampagne der Österreicher. Süddeutsche.de-Chefredakteur Stefan Plöchinger bezeichnet sie als "die vielleicht dümmste Analogkampagne der Welt". Stefan Niggemeier schreibt: "Österreichische Verleger noch bekloppter als deutsche Verleger. Keine Ahnung, ob das als gute Nachricht zählt." Und Mario Sixtus meint: "Die Ösi-Zeitungsverleger toppen im Nicht-im-einundzwanzigsten-Jahrhundert-ankommen-Wollen sogar die deutschen." 
Ungeachtet der Kritik fordert der VÖZ von der Politik ein "Österreich Programm", das die Berichterstattung sicherstellen solle. Das Programm umfasse drei Punkte: Ein Leistungsschutzrecht und eine Aufstockung der staatlichen Presseförderung auf 50 Millionen Euro. Außerdem fordern die Verleger von der EU härter gegen Suchergebnis-Manipulation und Datenmissbrauch vorzugehen sowie für ein strengeres Urheberrecht einzutreten.

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