Journalisten müssen sich vermarkten können

Sinkende Auflagen, sinkende Löhne, sinkende Bewerbungen: Auch die Deutsche Journalistenschule bekommt die Spätfolgen der Medienkrise zu spüren. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hält der DJS-Leiter Jörg Sadrozinski dagegen: Journalismus sei weiterhin ein Traumberuf. Auch wenn sich mittlerweile viele in Richtung PR und Corporate Publishing orientieren würden. Dennoch: Wer sich bewirbt, will später nur selten im Online-Segment arbeiten. Das Ziel heißt “Seite drei”.

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Zwar würden sich nur noch durchschnittlich 1500 anstatt bisher 2000 Journalisten jedes Jahr an der DJS bewerben, angesichts von nur 45 Ausbildungsplätzen sei das aber immer noch “komfortabel”, erklärt Sadrozinski im FAZ-Gespräch. Interessant: Auch wenn die Schule Wert legt auf eine multimediale Ausbildung, sähen die Absolventen ihre beruflichen Ziele doch im Gedruckten: “In ihrem Leben spielen Online-Portale eine viel wichtigere Rolle. Aber dort arbeiten wollen sie nicht so gerne.” Auch die Arbeit beim Fernsehen oder Radio käme noch in Frage.
In den USA dürfte Jung-Journalisten wohl andere Pläne haben. Zeitungsreporter sei der schlechteste Job, den man sich derzeit aussuchen kann – zumindest in den USA. Zu dem Ergebnis kommt das Jobportal careercast.com, das Umfeld, Einkommen und Stressfaktoren von über 200 Jobs untersucht und miteinander verglichen hat. Demnach sind sogar die Berufe des Müllmannes oder Hausmeisters attraktiver als eine Anstellung bei einer Tageszeitung.
Gründe für das schlechte Ergebnis des Zeitungsreporters seien vor allem sinkende Löhne bei wachsendem Stress sowie immer geringere Budgets für Recherchen, schreibt careercast.com in einem begleitenden Artikel. Die wachsende Konkurrenz durch den Online-Journalismus habe den Markt für Zeitungsjournalisten verkleinert, heißt es. Laut dem Bureau of Labor Statistics (ähnlich dem statistischen Bundesamt) soll es in den USA bis 2020 sechs Prozent weniger Zeitungsreporter geben.
Die Tatsache, dass durchschnittlich nur noch 30 Prozent der DJS-Absolventen eine Festanstellung bekommen, sieht Sadrozinski allerdings gelassen. Die Mehrheit arbeite als freie Journalisten. Aber der Leiter der DJS gibt auch Tipps: “Wichtig ist, sich ein Netzwerk aufzubauen und dieses Netzwerk zu pflegen. Man braucht eine gewisse Kontinuität, Redaktionen, die einem regelmäßig Aufträge erteilen.”
Genauso wichtig sei es, sich die Zeit aufzuteilen in Dienste, mit denen man die laufenden Kosten deckt, und anspruchsvollere journalistischere Arbeit, etwa an einem Buch oder einem Magazintext. Um seine Schüler für die neue Medienwelt zu wappnen, biete man mittlerweile auch Kurse zur Selbstvermarktung und zum Aufbau von Redaktionsbüros an. 

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