Wie die New York Times die Zeit lobt

Nach dem Economist beschäftigt sich auch die New York Times mit dem Unterschied zwischen dem Spiegel und der Zeit. Immerhin geht es um zwei wöchentliche Titel, die jeweils von „Ikonen des deutschen Nachkriegsjournalismus“ gegründet wurden, deren Geschäftszahlen sich jedoch konträr entwickeln. Die Zeit legt bei Anzeigen und Auflage zu. Der Spiegel – zumindest in seiner Print-Version – kämpft mit Verlusten. Bei ihrer Analyse finden die New Yorker tatsächlich interessante Unterschiede zwischen Spiegel und Zeit.

Anzeige

Je weiter die Entfernung, desto undeutlicher die detaillierten Unterschiede. Kaum ein deutscher Medienredakteur würde einfach so den Spiegel und die Zeit in einem Topf werfen. Die US-Amerikaner von der New York Times machen sich da weniger Gedanken und schmeißen die beiden – aus US-Sicht – renommiertesten Wochentitel einfach zusammen. Die Folge ist allerdings kein schiefer, sondern tatsächlich ein spannender Vergleich, bei dem vor allem die Wochenzeitung besser wegkommt, als das Nachrichtenmagazin.

In Sachen Spiegel analysiert Eric Pfanner von seinem französischen Redaktionssitz in Serraval aus, dass das Magazin darunter leiden würde, dass man das Monopol auf politische Investigativ- Geschichten verloren hätte. Spätestens mit der Einführung spezieller Experten-Ressorts bei einigen Tageszeitungen wie der Süddeutschen Zeitung und der Bild, aber auch bei den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern, hätten die Hamburger einiges von ihrem Alleinstellungsmerkmal verloren. Als Zeuge dieser These wird Journalismus-Professor Klaus Meier von der Katholische Universität Eichstätt zitiert, der sagt, dass der Spiegel ernsthafte Probleme hätte, einen neuen Weg zu finden, da immer mehr seine Art des Journalismus kopieren würden.

Die Folge sind seit Jahren sinken Auflagen und Werbeeinnahmen. Im ersten Quartal kam der Spiegel auf einen Gesamtverkauf von 883.310 Exemplaren. Das bedeutet ein Minus von 5,4 Prozent. Anders die Zeit. Sie kommt mittlerweile auf einen Verkauf von 519.573 Stück. In Sachen Werbung schreibt die New York Times, dass die Werbeeinnahmen der Wochenzeitung seit 2002 um 74 % gestiegen seinen.

Pfanner fragt sich deshalb: Was hat die Zeit anders gemacht? Grundsätzlich hält er fest, dass der von Gerd Bucerius gegründete Titel nie seinen Schwerpunkt im Bereich des investigativen Journalismus hatte, sondern immer auf längere Analyse-Stücke, mit viel Text und wenig Bildern gesetzt hätte. Aus dieser Position heraus öffnete Chefredakteur di Lorenzo den Titel und gestaltet ihn thematisch und optisch „bunter“. Seit neuesten gibt es sogar eine Fußballseite. Trotzdem wurde die DNA, die auf Analyse und Hintergrund setzt, nicht aufgegeben.

Auf einen weitern Grund verweist der Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser: „Wir sind nicht sosehr an den Dingen interessiert, die in Deutschland nicht funktionieren“. Stattdessen verfolgen die Hamburger den gegenteiligen, positiven Ansatz. Gerade erst kam eine Analyse des britischen Economist zu einem ganz ähnlichen Ergebnis.

Pfanner vergleicht auch die unterschiedlichen Online-Strategien. Während der neue Spiegel-Chefredakteur, Wolfgang Büchner, die Netz- und Print-Redaktion stärker verzahnen soll, pflegen die Kollegen bei der Zeit weiterhin eine strikte Trennung. Bei ihnen befinden sich die Internet- und Papier-Redaktionen sogar in getrennten Städten (Hamburg und Berlin).

Gerade im Digital-Berich erntet der Text allerdings nicht nur Zustimmung. Via Facebook kommentierte der ehemalige Zeit Online-Chefredakteur Wolfgang Blau bereits, dass ihm in dem Text ein Hinweis fehle, wie „unglaublich erfolgreich“ Spiegel Online sei. Bei der Profitabilität, bei den Marktanteilen und auch bei der Relevanz.

Den möglicherweise wichtigsten Unterschied nennt Esser am Ende der NYT-Analyse. „In einer Zeit, in der die meisten Verlage ihre Marketing- und Redaktionskosten herunterfahren, haben wir weiter investiert“. So wurde alleine die Redaktionsmannschaft in den vergangenen zehn Jahren von 120 auf rund 200 Journalisten erhöht.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige