‚Tatort‘ zwischen Tod, Milch und Katzenfutter

Am Sonntagabend feiert Wotan Wilke Möhring sein "Tatort"-Debüt als Kommissar Thorsten Falke. Im ersten Fall hat es der zweite Hamburger Ermittler mit Autobrandstiftung zu tun. Unterstützung bekommt er dabei von Petra Schmidt-Schaller als Katharina Lorenz. Das neue Ermittlerduo dürfte den "Tatort"-Zuschauern viel Freude bereiten. MEEDIA verrät, ob sich das Anschauen lohnt und warum er mehr Gemeinsamkeiten mit dem "Tatort" aus Köln hat, als dem anderen Hamburg-Team um Til Schweiger.

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Bereits seit Tagen brennt es jede Nacht in der Stadt, Unbekannte zünden scheinbar wahllos Autos an. Doch dieses Mal kommt eine Frau um. Ein Unfall? Eine neue Stufe der Eskalation? Oder versucht jemand, einen Mord geschickt den Brandstiftern unterzujubeln? Thorsten Falke übernimmt den Fall und ist erst einmal verwundert, warum er von seinem Chef gefragt wird, ob das in Ordnung geht.
Was der Ermittler nicht weiß: Falkes bester Freund und bis dato Ermittlungs-Partner, Jan Katz (gespielt von Sebastian Schipper) wechselt in den Innendienst. Er wird Vater. Für Falke eine Enttäuschung, hatten sich die beiden doch versprochen, nie in den Innendienst zu wechseln. Und so hat der Kommissar neben dem Fall eine weitere Baustelle, denn die zerrüttete Freundschaft will erst einmal auf ein neues Fundament gestellt werden.
Kurz darauf kommt eine blonde, dritte Baustelle hinzu. Falke bekommt die Juristin Katharina Lorenz als Hospitantin an die Hand. Die schaut er zwar gerne an, mit ihr smalltalken oder ermitteln möchte der Kommissar aber nicht. 
Das Beziehungsgeflecht, dass die Autoren für das neue Hamburger Team aufgebaut haben, ist deutlich komplexer als im Schweiger-"Tatort". Den drei Hauptcharakteren werden offene Fragen gelassen und Raum für Entwicklung in den kommenden Folgen. Nur angedeutet wird zum Beispiel, dass Falke einen Sohn hat, den er jedoch nie getroffen hat. Gegenüber seinem besten Freund streitet er ab, diesen zu vermissen, zur neuen Kollegin sagt er das Gegenteil. Hat sich seine Meinung geändert? Vielleicht durch die kommende Vaterschaft des besten Freundes? Oder durch den Einfluss der neuen Kollegin?
Mit der Figur des Thorsten Falke hat der NDR einen vielschichtigen Ermittler geschaffen, der nicht so starke Psychogramme verlangt, wie der Dortmunder Kommissar Faber, sehr wohl aber mit Widersprüchen und Niederlagen in seinem Leben zu kämpfen hat. Er trinkt ständig Milch, was bereits im ersten Film ein ebenso markantes Element ist, wie Kojaks Lolli. So sehr Falke im Job bedacht und mit Plan vorgeht, so durcheinander ist sein Privatleben in einer unaufgeräumten Wohnung, die er sich nur mit seiner Katze teilt, deren Futter er noch eilig auf dem Heimweg holt, ohne es zu bezahlen.
Gleichzeitig ist der Neue im "Tatort" nicht wie die meisten anderen neuen Kommissare ein Zugezogener oder Zurückgekehrter, sondern ein gebürtiger Hamburger, der mit seiner Stadt verwachsen ist. Falke ist nicht neu, nur der Zuschauer trifft ihn das erste Mal. Bei der Flut an neuen Ermittlerteams ist man den Autoren geradezu dankbar dafür, dass sie nicht schon wieder einen neuen Charakter auf die immergleiche Art und Weise einführen. 
In ihrer engen persönlichen Verbindung zur Stadt bis hin zum Dialekt ähneln Falke und Jan Katz ein wenig dem Kölner-"Tatort"-Team. Eine weitere Parallele: Wie die Kölner ihre Würstchenbude auf der "falschen" Rheinseite haben, mit dem Dom im Hintergrund, entspannen Falke und Katz am südlichen Elbufer, mit den Landungsbrücken und der Hafencity auf der anderen Seite des Flusses.
Mit dem Schweiger-"Tatort" hat "Feuerteufel" jedoch wenig gemein. Hier steht die Ermittlungsarbeit im Vordergrund, die Charaktere bekommen mehr Tiefe. Leider geht das etwas zu Lasten der Spannung, denn die will nicht wirklich aufkommen im neuen Krimi. Schade ist auch, dass die Verknüpfung der beiden Hamburger-Teams, die durch den Gastauftritt von Möhring im Schweiger-Streifen angefangen wurde, nicht beibehalten wird. Schweiger taucht nicht auf, der Boss von Kommissar Falke ist ein anderer, als der von Nick Tschiller und sogar das Polizei-Gebäude ist ein anderes. Sehenswerte Panorama-Aufnahmen der Stadt verwendet man aber auch in "Feuerteufel", was in den älteren Hamburg-Krimis seltener der Fall war.
Das neue Team wird die "Tatort"-Landschaft bereichern. Möhring nimmt man den Hamburger Jungen ab, obwohl der Schauspieler eigentlich aus NRW kommt. Auch die weiteren Rollen wirken glaubhaft, allen voran Petra Schmidt-Schaller als latent-genervte, hoch engagierte Katharina Lorenz ist eine gute Wahl. Alle drei Hauptdarsteller, also auch die Figur des Jan Katz, werden auch im zweiten Fall des Teams zu sehen sein, in dem Ex-Frankfurt-Kommissarin Nina Kunzendorf eine Gastrolle spielen wird. 
Der Fall ist lebensnah, jedoch nur leidlich aufregend. Die Auflösung ist wenig überraschend. Die Erzählform sorgt zudem dafür, dass nur eine kleine Zahl von möglichen Verdächtigen auftaucht. Für die kommenden Fälle gibt es also noch deutlich Luft nach oben. Mit den Charakteren und ihren Schauspielern ist jedoch der Grundstein für weitere gute Krimis gelegt.
Der "Tatort" mit Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller "Feuerteufel" läuft am Sonntag, 28. April, um 20:15 Uhr im Ersten.

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