Wie Bild.de Wolfgang Bosbach eincremt

Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach hat zu Maybrit Illner in ihrer ZDF-Talkshow gesagt, sie solle „cremig“ bleiben. Die Bild kriegte sich darüber gar nicht mehr ein und griff ganz tief in den Schmalz-Tiegel. Die Gala bittet Jenny Elvers mal wieder zur Beichte - diesmal über die Trennung von ihrem Mann. Werbe-Guru Sir Martin Sorrell rief in London öffentlich dazu auf, weniger Werbung in Printmedien zu schalten und der Spiegel bewirbt fleißig den eigentlich schon eingestellten New Scientist.

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Wenn es um den CDU-Politiker Wolfgang Bosbach geht, dann gehen der Bild formulierungstechnisch schon mal die Gäule durch. Gestern trat Bosbach bei “Maybrit Illner” im ZDF auf und talkte zum Thema Uli Hoeneß und Steuerhinterziehung. An einer Stelle sagte er zu Frau Illner: “Bleiben sie cremig” (soll soviel heißen wie: bleiben sie locker). Bild.de schaffte es nun, aus dieser Nichtigkeit eine Geschichte mit fast zweieinhalbtausend Zeichen zu zimmern. Wovon gefühlt zweitausendreihundertfünzig Zeichen aus mehr oder weniger einfallsreichen Wolfgang-Bosbach-Bewienerungen bestehen: Bosbach redete “in seiner unnachahmlich plastischen Weise”, in seinem “rheinisch-bergischen Singsang”. Bosbach sei “einer der beliebtesten und populärsten CDU-Politiker”, gelte in eigenen Reihen aber auch als, hui,  „enfant terrible“. Bosbach sei “keiner dieser angepassten, stromlinienförmigen Politiker, die Sprechblasen verbreiten und sich ungern festlegen”. Bosbach trage “das Herz auf der Zunge”. Es fallen Begriffe und Formulierungen wie “Lebensfreude pur”, “glänzender Jurist”, “gewiefter Innenpolitiker”, “Vorrat an flotten Sprüchen unerschöpflich”, “ansteckende Fröhlichkeit”, “hätte auch das Format für ein Ministeramt gehabt”. Und alles nur, weil Wolfgang Bosbach  zu Maybrit Illner gesagt hat: “Bleiben sie cremig.” Ganz schön geschmeidig.

Die Gala und Jenny Elvers-Elbertzhagen sind offenbar ein gut eingespieltes Gespann. Schon ihre Alkohol-Beichte breitete Jenny Elvers in Gruners People-Magazin aus. Am Donnerstag machte die Gala nun mit der Schlagzeile “Die Wahrheit” auf – es geht um die Trennung von ihrem Mann und Manager Goetz Elbertzhagen, der mittlerweile eine neue Freundin hat. Unterzeile: “Gesperrte Konten, Telefon-Terror, Strafanzeige, ihre Ausraster und seine Flucht aus dem Haus” – das ist mal Power-Teasing. Wer die Geschichte im Heft liest, erfährt freilich, dass der “Telefon-Terror” von Journalisten ausgeübt wurde, die auf Jenny-Zitate scharf waren. Trotzdem: Wenn sich diese Gala nicht gut verkauft, sollte es mit dem Teufel zugehen.

“Print ist tot”-Rufer gab und gibt es ja einige. Diese Woche ist ein besonders prominenter Zeitgenosse dazugekommen: Sir Martin Sorrell, Chef des weltweiten Werbe- und Media-Imperiums WPP. Naja, zugegeben: Er sagt nicht direkt, dass Print tot sei. Aber bei der FT Digital Media Conference in London rief er die werbetreibende Industrie dazu auf, weniger Anzeigen in Print-Medien zu buchen. Ein dicker Hund! Warum das denn? Laut Sir Martin steht das Ausmaß der Werbe-Buchungen in Zeitungen und Magazinen in keinem Verhältnis mehr zur Nutzungsdauer der Print-Medien. TV nehme ungefähr 43 % der Mediennutzungszeit ein. Entsprechend flössen etwa 43 % der Werbegelder in die TV-Branche. Auch bei Plakat- und Radiowerbung stimme das Verhältnis – aber eben nicht bei Print. Rund 20 %  der Werbe-Spendings gingen an Print-Medien, die aber nur 7 bis 10 % Anteil an der Medien-Nutzung hätten. “Das muss sich ändern”, sagte Sorrell laut Guardian. Auf dem selben Panel saß übrigens auch Bertelsmann-CEO Thomas Rabe. Der dürfte den Ausführungen des Werbe-Gurus auch mit Interesse gelauscht haben.

Manchmal lebt Print aber sogar länger als gedacht. So hat der Spiegel Verlag zwar längst das Ende des deutschen Ablegers vom New Scientist verkündet – am 31. Mai soll die finale deutsche Ausgabe der Wissenschafts-Zeitschrift erscheinen. Auf Unterseiten von Spiegel Online findet sich aber immer noch Werbung für das Magazin – gerade so als sei nix gewesen. “New Scientist – wissen was kommt”, heißt es da. Wir wissen in diesem speziellen Fall sogar, was bald nicht mehr kommt.

Schönes Wochenende!

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