Anzeige

Titanic nimmt Valley-Diekmann aufs Korn

In der aktuellen Ausgabe der Titanic widmet sich die Satiriker-Guerilla aus Frankfurt wieder mal der Medienkritik. Stern.de bekommt sein Fett weg, Markus Lanz und vor allem Kai Diekmann. Auf einer Doppelseite veralbert die Titanic-Redaktion den Silicon-Valley-Trip des Bild-Chefredakteurs und die dazugehörige Spiegel-Berichterstattung (“Der Lehrling”). Unter der Überschrift “Die Kessler kann hier noch was lernen”, zielt der Titanic-Text aber arg unter die Gürtellinie, ohne wirklich komisch zu sein.

Anzeige
Anzeige

In der Spaß-Theorie ist schon klar, worauf die Titanic raus will: In ihrem Text verorten die Satiriker Kai Diekmann nicht im Silicon Valley, sondern im kalifornischen San Fernando Valley, dem Mekka der us-amerikanischen Porno-Industrie. Der Witz besteht im Folgenden dann vor allem aus Beleidigungen von Diekmanns Frau Katja Kessler sowie Analogien zwischen der Porno- und der Internet-Branche.

Textprobe: “‘Sie müssen mir auf Twitter folgen’, verabschiedet sich Diekmann von seiner Frau und rast mit seinem gepimpten Hummer die Straße hoch. Über seinem Auto wölben sich die Studiodächer von San Fernando; leise Lustschreie wehen gelegentlich herein. Diekmann stellt das Radio leiser. Am Bordstein wackeln zwei Damen o-beinig Richtung Feierabend. ‘Hier im Valley gehen die Huren anders’, scherzt Diekmann galant und läßt die Damen einsteigen.”

Das Wortspiel mit “Huren” und “Uhren” ist nett – aber sonst? Die Titanic verfrühstückt in einem Witze-Waschgang den Valley-Trip des Bild-Chefs und die umfängliche Spiegel-Berichterstattung darüber. So ist der Titanic-Text in der gleichen Layout-Anmutung gehalten wie der Spiegel-Text. Spiegel-Autor Matthis Geyer kommt bei der Titanic als “Marketingchef” von Diekmann vor – bedingt lustig.

Und während Diekmann im Spiegel-Artikel davon erzählt, dass er die Idee einer smarten Armbanduhr gehabt habe und dann Gerüchte über eine kommende iWatch von Apple aufgekommen sind, wird bei der Titanic daraus die Idee einer “Nutte, die auch Kaffee kochen kann. Mit Timerfunktion! Damit die Schlampe korrekt abrechnet.” Aber auch hier sei das Gerücht aufgekommen, dass Apple “genau so eine Nutte bereits im Trainingscamp ausbildet.”

Anzeige

Kai Diekmann im Spiegel

Hinzu kommen allerlei Anspielungen auf Diekmanns Geschlechtsteil. Das dazugehörige Foto zeigt ein Diekmann-Double in Spiegel-Pose vor dem Apple-Laptop mit zerknüllten Küchentüchern und der Bildunterschrift “Du musst es dir selbst machen, bevor es andere tun”. Wie gesagt: In der Theorie ist klar, worauf die Titanic hinaus will: Die Sensationsgier von Bild, der Sexismus des Boulevard, Das Internet-Sex-Business, der Prozess, den Diekmann einst wegen einer Penis-Satire gegen die taz führte usw. Das Problem ist nur: Es ist nicht wirklich lustig, sondern eben nur derb.

Nicht Kai Diekmann in der Titanic

Andere Medien-Satiren in der aktuellen Ausgabe sind mit nicht ganz so viel heiligem Zorn verfasst und prompt witziger auf den Punkt. Etwa eine Seite mit extrem banalen Facebook-Postings von Stern.de (“Hamburg, die Sonne scheint. Genau richtig, um die Mittagspause in der Stadt zu verbringen”) unter der Überschrift “Spitzenjournalisten geben alles: “Mit ‘Stern online’ durchs Jahr”. Oder die Fotostrecke “Die acht Gesichter des Markus Lanz” (U.a. “Die Leberwurst”, “Der Zeiger” oder “Der halbe Italiener”).

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*