ARD beerdigt die “tagesWEBschau”

Publishing Der öffentlich-rechtliche Rundfunk tut sich weiterhin schwer damit, junge Leute zu erreichen. Die ARD stellt jetzt nach einjähriger Testphase ihre "tagesWEBschau" rund um digitale Themen ein - wegen zu niedriger Nutzerzahlen. Voraussichtlich am 4. Juni läuft das werktägliche Nachrichtenmagazin zum letzten Mal online und auf ARD-Digitalkanälen. Das erfuhr MEEDIA am Donnerstag von Radio Bremen (RB), dem Entwickler und Hauptbetreiber des Formats.

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Am 4. Juni 2012 hatte die ARD ihre "tagesWEBschau" mit großen Erwartungen gestartet. Seitdem geht montags bis freitags, jeweils um 17 Uhr, ein drei- bis vierminütiges Magazin auf den Internetseiten der ARD online. Auch auf Digitalkanälen wie tagesschau 24 oder per Smartphone ist die "kleine Schwester der Tagesschau" (Radio Bremen) zu sehen.

Themen sind jeweils drei Tagesereignisse "aus Sicht oder mit Bezug zur Netz-Gemeinschaft". Zum Beispiel am Mittwoch: Da ging es um den gehackten AP-Twitter-Account, um Reaktionen auf die geplante DSL-Tarifreform der Telekom und um eine Anti-Inzest-App auf Island, mit der sich Paarungswillige vorab auf mögliche Verwandtschaft testen können. Präsentiert wird das alles möglichst bunt und bewegt, mit vielen Grafiken und Screenshots samt Sprecherstimme aus dem Off.

Die Redaktion ist bei Radio Bremen angesiedelt, denn hier entstand auch die Idee: in der "Digitalen Garage". In dieser Zukunftswerkstatt entwickeln ehemalige Volontäre "innovative und crossmediale Programm-Strategien und -Ideen" (RB), vor allem für unter 30-Jährige. Um die Grafik kümmert sich der Hessische Rundfunk, und ARD-Aktuell in Hamburg übernimmt die Schlussabnahme.

Für zunächst ein halbes Jahr und anschließend auch noch für sechs weitere Monate bewilligten die ARD-Intendanten die nötigen (nicht näher bezifferten) Gelder für das Experiment. Aber als jetzt eine erneute Verlängerung anstand, senkten sie den Daumen. Der Beschluss wurde schon am 15. April auf der ARD-Sitzung in Berlin gefasst.

Aus Sicht von RB-Pressesprecher Michael Glöckner hat sich das neue Angebot zwar "gut entwickelt", aber "nicht alle vereinbarten Benchmarks erreicht". Im Klartext: Die gemessenen Nutzerzahlen waren nicht so hoch, wie die Intendanten verlangt hatten.

Wo die erreichten Werte und die Messlatte lagen, will Glöckner nicht verraten. Dafür deutet er an, dass die vorhandenen Zahlen nicht sehr aussagekräftig sind. Zum Beispiel wurden Zugriffe per Smartphone überhaupt nicht erfasst, und auch für die Nutzung auf tagesschau 24 oder EinsPlus gibt es keine genauen Werte. Für die Zukunft hofft die "Digitale Garage" jetzt auf andere Neuentwicklungen: Wie Glöckner berichtet, haben die Intendanten den Bremer Sender und ARD Aktuell damit beauftragt, "das erworbene Know How und die gemachten Erfahrungen für die Entwicklung von Nachrichten-Angeboten für eine junge Zielgruppe weiter zu nutzen. Entsprechende Überlegungen sollen den Intendantinnen und Intendanten im Herbst vorgelegt werden."

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