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Der Medien-Marktplatz für Hoeneß-News

Für den Focus war die Enthüllung der Selbstanzeige des FC-Bayern-Managers Uli Hoeneß ein veritabler Scoop. Schnell übernahm aber die Süddeutsche Zeitung die Berichterstattungs-Hoheit unter Führung von Investigativ-Papst Hans Leyendecker und präsentiert seither im Tagestakt neue Enthüllungen. Die Bild profitiert dagegen von ihrer Nähe zum FC Bayern und das Handelsblatt raunt von einer Anti-BVB-Verschwörung. Der Steuerskandal rund um Uli Hoeneß ist für Medien ein riesiger Nachrichten-Marktplatz.

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Der Focus war das erste Medium, das mit dem Steuerskandal rund um den FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß herauskam – am vergangenen Samstag via Vorabmeldung. Chefredakteur Jörg Quoos erzählte am Sonntag dann bei Günther Jauch, dass es erste Hinweise bereits während der Produktion der Titelgeschichte “FC Supermacht”, die sich mit dem Phänomen FC Bayern beschäftigte, gab.

Im weiteren Verlauf gab der Focus die Federführung in der Berichterstattung jedoch an die Süddeutsche Zeitung ab. Dort begann das Investigativ-Team rund um Hans Leyendecker zu recherchieren und liefert seither fast täglich neue Enthüllungen zum Fall Hoeneß. Vor allem der dubiose Millionen-Kredit, den Hoeneß vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus just zu einer Zeit erhalten hatte, als Adidas eine lukrative Kooperation mit dem FC Bayern einging. In ihrer Mittwochausgabe enthüllte die SZ, dass es gegen Hoeneß sogar einen Haftbefehl gab, der gegen fünf Millionen Euro Kaution außer Vollzug gesetzt wurde.

SZ-Reporter Leyendecker sprach zum Fall am Montag in der ARD-Talkshow “Hart aber fair” und wurde ausführlich in den “Tagesthemen” interviewt. Für die Süddeutsche ist der FC Bayern natürlich – wie für den Focus auch – als Münchner Medium naturgemäß absolutes Top-Thema. Dazu kommt die Recherche-Power der SZ mit den bekannt exzellenten Kontakten in Juristen- und Ermittlerkreise.

Dem Focus dagegen gelang es nicht, das Thema Hoeneß nach der Initialzündung weiter zu treiben. Zum einen mag dies daran liegen, dass der Focus ein Wochenmagazin ist. Allerdings hat der Focus in Gestalt von Gründer und Herausgeber Helmut Markwort auch noch einen veritablen Interessenskonflikt im eigenen Haus. Markwort ist FC-Bayern-Intimus und Mitglied des Aufsichtsrats bei dem Fußballvereins. Bei “Günther Jauch” sagte Focus-Chef Quoos dazu, Markwort habe sich sowohl gegenüber dem FC Bayern als auch gegenüber der Focus-Redaktion “sehr loyal” verhalten. Trotzdem mag es für das Münchner Magazin schwierig sein, bei dieser Konstellation ohne jede Beißhemmung die Causa Hoeneß gnadenlos voranzutreiben.

Ein Medium, das ebenfalls bekannt gute Kontakte zum FC Bayern und zu Uli Hoeneß hat, ist die Bild-Zeitung. Die bezog sich weitgehend auch auf die SZ-Infos, überraschte am Dienstag dann aber mit dem Sport-Scoop, dass der BVB-Topspieler Mario Götze zu Bayern wechselt. Wie nicht nur das Handelsblatt nun mit Verweis auf BVB-Kreise spekuliert, sei diese Info absichtlich durchgestochen worden, um vom Fall Hoeneß abzulenken. Im Handelsblatt vom Mittwoch heißt es dazu: “Ein Kontaktmann von Uli Hoeneß (sei) am Montagabend an die Redaktion von Bild-München herangetreten, um den Scoop anzubieten.” Der FC Bayern bestreitet diese Darstellung.

Und die Sport Bild wiederum nutzte ihren guten Draht zu Uli Hoeneß, um ebenfalls am Dienstag noch ein exklusives Zitat abzugreifen, in dem der Bayern-Boss sich reuevoll zeigt: “"Ich habe erkannt, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe, den ich versuche, mit der Selbstanzeige zumindest halbwegs wiedergutzumachen." Auch dieses Zitat wurde sogleich von so ziemlich allen anderen Medien aufgegriffen und weiterverbreitet. Was so ganz nebenbei auch zeigt, dass ein Print-Wochenmedium durchaus im täglichen Nachrichtengeschäft mitmischen kann. Wenn es denn will …

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