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„Blatter hat einen Gegenspieler weniger“

Der Fall Uli Hoeneß beschäftigt weiterhin die Medien. Die SZ und die Bild liefern am heutigen Dienstag weitere Enthüllungen. So gab es offenbar eine Vierecks-Verbindung zwischen Hoeneß, dem damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, Adidas und dem FC Bayern. Die Bild fragt: "War Uli Hoeneß börsen-süchtig?" Andere Medien beziehen sich auf die politischen Konsequenzen und die Chance für Peer Steinbrück.. Der jedoch habe seinen Elfmeter verschossen.

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Laut SZ-Informationen hat der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus Uli Hoeneß fünf Millionen D-Mark für Börsenspekulationen übergeben und für weitere 15 Millionen eine Bürgschaft hinterlegt. Nach etwa zwei Jahren habe Hoeneß das Geld zurück gezahlt. Zur Zeit der Spekulationen befand sich der FC Bayern in Verhandlungen mit Adidas, die in einer 10-prozentigen Beteiligung des Sportartikelherstellers mündeten, berichten Hans Leyendecker und Klaus Ott. Die beiden betonen jedoch: "Für einen Zusammenhang zwischen dem privaten Geschäft von Hoeneß mit Dreyfus und den Geschäften zwischen Adias und dem FC Bayern gibt es keinen Hinweis."
Auch die Bild bezieht sich groß auf die Börsengeschäfte des Bayern-Präsidenten und fragt: "War Uli Hoeneß börsen-süchtig?" Die Antwort der Zeitung: "Einiges spricht dafür." Weiter schreibt das Boulevard-Blatt: "Selbst im Stadion bei wichtigen Bayern-Spielen, in Interviews oder bei Sitzungen – immer wieder schielte Hoeneß auf die aktuellen Börsenstände." Laut Bild habe der Manager mit "Rohstoffen wie Kupfer, Zink, Zinn. Aber auch mit Devisen wie dem Dollar", gehandelt. Die Bild zitiert einen namentlich nicht genannten Freund von Hoeneß: "Er hat‘s auf jeden Fall übertrieben."
Abseits der neuen Enthüllungen geht es bereits um die Einordnung. Die SZ bezieht sich in einem weiteren Beitrag auf das geplatze Steuerabkommen mit der Schweiz, das Hoeneß angeblich nutzen wollte. Guido Bohsem und Wolfgang Koydl schreiben: "Wer sich in den Feinheiten des Abkommens auskennt, hält Hoeneß‘ Begründung für stichhaltig. Zwar hätte er unter den Bedingungen des Abkommen deutlich mehr Steuern zahlen müssen – wäre aber für den deutschen Fiskus unerkannt geblieben."
Laut SZ hätte Hoeneß über das Abkommen rund 800.000 Euro mehr zahlen müssen, was er jedoch getan hätte. Die Zeitung zitiert hierzu den Berliner Steuerprofessor Frank Hechtner: "Für die von der Schweiz garantierte Anonymität hätten wohl viele Steuerpflichtige finanzielle Nachteile in Kauf genommen."
Das versucht auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zu betonen. Es zeige sich, wie mangelhaft die Regierung das Steuerabkommen mit der Schweiz verhandelt habe. "Manchmal ist Kavallerie besser als Diplomatie", schreibt der Politiker auf einer abfotografierten, handschriftlichen Botschaft. Allerdings: Wie die Leipziger Volkszeitung berichtet, war Uli Hoeneß auch Berater von Steinbrück.
Auch die taz macht auf ihrer Titelseite Hoeneß und Steinbrück zum Thema und präsentiert einen fiktiven Spielzug der beiden: "Hoeneß am Ball, er spielt ab, ein ungesteuerter Fehlpass des Bayern in die Schweiz, der Ball kommt zu Steinbrück, der steht frei vorm Tor, aus dem Hintergrund müsste Steinbrück schießen, er müsste einfach nur draufhauen, aber Steinbrüüüüück? Was macht denn Steinbrück? Er vertändelt! Wieder eine Chance vertan."

In einen Kommentar von Martin Reeh erklärt die Zeitung einen ganz anderen zum Sieger der Causa Hoeneß: "Am Zürichsee dürften am Samstagabend die Sektkorken geknallt haben. Sepp Blatter, die Skandalnudel des Weltfußballverbands Fifa, hat wieder einen Gegenspieler weniger. Uli Hoeneß, einer der größten Blatter-Kritiker, hat sich mit seiner Steueraffäre selbst ins Aus gesetzt." 
In der FAZ kommentiert Jasper von Altenbockum, aus Fall Hoeneß habe gedroht, ein Fall Merkel zu werden. Allerdingst warnt von Altenbockum: "Auf welchem ‚gesunden‘ Rechtsempfinden die Opposition dabei baut, schert niemanden. Immerhin kommt ein Fall wie der des Bayern-Präsidenten nur deshalb zustande, weil Politiker zu Denunziation und Datendiebstahl animieren." Weiter beklagt der Autor, es gebe derzeit "kein schlimmeres Verbrechen an der deutschen Gesellschaft" als astronomische Gehälter mit anschließender Geiz-ist-geil-Steuerhinterziehung. In diesem "Kessel" werde Uli Hoeneß der "publizistische Prozess" gemacht.

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