IVW: Alle großen Regionalzeitungen verlieren

Rote Zahlen überall: Deutschlands Tageszeitungen verlieren weiter massiv an Auflage. Von den 58 größten deutschen Regionalblättern gewann nur eine - die aber auch nur, weil sie vor einem Jahr ihre ePaper noch nicht zählen ließ. Vor allem die regionalen Boulevardzeitungen stürzten ab. Bei den überregionalen Zeitungen gewann eine: das Handelsblatt, das offensichtlich vom Aus der Financial Times Deutschland profitierte. Ein massives Minus von fast 9% muss hingegen die Bild verkraften.

Beginnen wir bei unserem umfassenden Blick auf Deutschlands Zeitungs-Auflagen zunächst bei den überregionalen Blättern. Die Bild ist hier der große Verlierer: Fast 240.000 Käufer hat sie in nur einem Jahr verloren – mehr also als Welt und Welt kompakt insgesamt überhaupt haben. Das Bild-Minus liegt damit bei heftigen 8,9%.

Doch auch die seriöseren Blätter befinden sich deutlich auf dem Weg nach unten: Die Süddeutsche verlor 5,3%, die F.A.Z. 7,1%, Welt und Welt kompakt 9,6% und die Frankfurter Rundschau 27,6%. Zwar liegt das hauptsächlich an abgebauten sonstigen Verkäufen und Bordexemplaren, aber nicht nur. Auch im Einzelverkauf schrumpfte die FR-Auflage – von mehr als 17.000 auf rund 7.000.

Der einzige Gewinner bei den überregionalen Titeln heißt Handelsblatt. Die 4.041 hinzu gewonnenen Käufer sind zudem nicht durch Tricks zustande gekommen, sondern durch Abos und Einzelverkauf. Der Grund für das 3,0%-Plus dürfte klar sein: Das Aus der Financial Times Deutschland hat dem Handelsblatt nicht nur eine Abokartei beschert, es hat auch am Kiosk dafür gesorgt, dass mehr Leute zum Handelsblatt gegriffen haben.

Dass die Handelsblatt-Gewinne echt sind, zeigt auch der Blick auf unsere bereinigte Tabelle, in der wir nur die beiden wichtigen Auflagenkategorien Abos und Einzelverkauf werten. Hier beträgt das Plus der Wirtschaftszeitung sogar 4,8%, der absolute Gewinn ist mit 4.043 fast identisch mit dem im Gesamtverkauf. Noch deutlicher hat hier hingegen die Bild verloren, auch die taz gehört hier zu den klaren Verlierern. Besser sieht es hier insbesondere für die F.A.Z. und die Frankfurter Rundschau aus, bei denen sonstige Verkäufe abgebaut wurden und bei denen es im harten Verkauf nicht ganz so deutlich nach unten ging.

Für unsere Rankings haben wir im Übrigen jeweils die ePaper-Verkäufe mit in die Zahlen eingerechnet. Das wird seit dem 2. Quartal 2012 zwar auch von der IVW getan, im ersten Quartal 2012 wurden sie allerdings noch gesondert ausgewiesen. Für die bessere Vergleichbarkeit mit der Gegenwart haben wir die damaligen Zahlen aber addiert.

Kommen wir zu den Regionalzeitungen und damit zunächst nach Berlin: In der Bundeshauptstadt rauschen die Auflagen weiter nach unten und es wird immer fraglicher, ob auf Dauer fünf große Titel überleben können. Insbesondere die beiden Boulevardblätter büßten massiv Käufer ein. So verlor der Berliner Kurier 7,9% und rutschte damit deutlich unter die 100.000er-Marke, der B.Z. gingen sogar 9,0% der Vorjahres-Käufer abhanden, der Vorsprung auf die Berliner Zeitung ist damit nur noch hauchdünn. Doch auch dort schrumpfte die verkaufte Auflage um immerhin 7,2%, bei der Morgenpost und dem Tagesspiegel "nur" um 4,8% und 4,2%.

Etwas glimpflicher davon gekommen sind die großen Zeitungen in den fünf neueren Bundesländern: Die Ostsee-Zeitung büßte in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise nur 1,5% ein, die Volksstimme in Sachsen-Anhalt 1,9% und die Leipziger Volkszeitung in Sachen 1,7%. Massiver nach unten ging es für die Mitteldeutsche Zeitung und die Freie Presse, die 3,7% und 3,6% verloren.

Zu den großen Verlierern des Jahres gehören auch erneut die beiden Hamburger Blätter: Springers Abendblatt verlor fast 10.000 Käufer bzw. 4,6%, die Morgenpost 5,7%. Sie rutschte damit wie der Berliner Kurier klar unter die 100.000er-Marke. Der Niedergang der regionalen Boulevardzeitungen geht also weiter.

Nicht ganz so bitter sieht es in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hessen aus: Hier verloren die meisten Titel nur 1% bis 2%, die Lübecker Nachrichten sogar nur 0,7%. Ein Gewinner ist auf den ersten Blick die Einheit Nordwest-Zeitung/Zeitungsregion Nordwest. Sie gewann 1,1% hinzu. Allerdings: Vor einem Jahr ließ sie ihre ePaper-Verkäufe noch nicht ausweisen. Wäre das der Fall gewesen, stünde unter dem Strich auch hier mit sehr hoher Wahrscheinlickeit ein kleines Minus.

Im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen gibt es sehr unterschiedliche Ergebnisse. Am schlimmsten traf es hier die WAZ-Mediengruppe, deren Zeitungen 6,3% ihrer Käufer verlor, sowie die Westdeutsche Zeitung aus Düsseldorf mit einem Minus von 5,3%. Auch der Express verlor mit 4,6% deutlich. Besser erging es dem Westfälischen Anzeiger aus Hamm mit einem Minus von 1,4% und der Zeitungsgruppe Münsterland mit einem von 0,1%. Dort wurden allerdings im ersten Quartal 2013 zum ersten Mal die ePaper-Verkäufe ausgewiesen – auch ohne diese 2.150 Stück wäre das Minus aber vergleichsweise gering ausgefallen.

Beinahe schon traditionell entwickelten sich auch viele Titel im Süden der Republik besser als der Branchendurchschnitt. Insbesondere in Bayern verloren gleich vier der Top-Ten-Titel maximal 1,0%: Das Duo Augsburger Allgemeine und Allgäuer Zeitung, der Münchner Merkur, das Straubinger Tagblatt mit Landshuter Zeitung und der Fränkische Tag. Die großen Verlierer sind auch in Bayern die Regionalzeitungen: die TZ büßte 5,7% ihrer Käufer ein, die Abendzeitung sogar 14,6%. Allerdings: Mehr als 15.000 Exemplare der verlorenen Abendzeitung-Auflage gehen auf das Konto der sonstigen Verkäufe, die der Verlag deutlich herunter gefahren hat. Bei den Abos (-1,5%) und im Einzelverkauf (-6,0%) lief es nicht ganz so schlimm.

Maximal 3,4% verloren die großen Zeitungen aus Rheinland-Pfalz, Saarland und Baden-Württemberg: Das Duo Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten büßte genau diese 3,4% ein. Die meisten anderen Top-Titel verloren hingegen höchstens 2%: Die Rhein-Zeitung und die Südwest Presse zum Beispiel nur 1,4%, die Badischen Neuesten Nachrichten 1,5%, die Badische Zeitung und der Schwarzwälder Bote 1,6%.

Zum Schluss noch der Blick auf die Wochenzeitungen. Der große Gewinner hat sich schon vor einigen Tagen gefeiert: Die Zeit gewann satte 2,7% hinzu und stellte mit 519.573 einen neuen Auflagen-Rekord auf. Der Verlierer heißt hier hingegen Bild am Sonntag: Das Blatt verlor mit 8,2% in ähnlichem Maße wie die Bild. Nur kleine Verluste gab es beim Duo Welt am Sonntag und Welt am Sonntag kompakt, sowie bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Kaum Unterschiede gibt es hier in der Entwicklung der Auflagen in den wichtigen Kategorien Abos und Einzelverkauf. Einzig die Welt am Sonntag verlor hier mit 2,9% deutlicher als im Gesamtverkauf und verliert an Boden auf die F.A.S.

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