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Boston-Attentat: die Web-Fahndung des FBI

In die Ermittlung um den Bombenanschlag beim Boston-Marathon kommt Bewegung. So verhaftete die Polizei am Freitagmorgen offenbar an der Technik-Elite-Uni MIT einen oder mehrere Verdächtige. Während der Aktion twitterte ein Professor live mit. Zuvor hatten die Ermittlungsbehörden Fotos von Verdächtigen via Twitter und Videomaterial via YouTube verbreitet. So weit ist der Medienwandel bereits. Früher gab die Polizei solches Material an die Medien. Heute wird es via Social Networks direkt zu den Bürgern gesendet.

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Bei der Fahndung nach zwei Verdächtigen fährt die Bostoner Polizei mittlerweile ganz bewusst zweigleisig. Zum einen riefen die Ermittler ganz klassisch am Donnerstag während einer Pressekonferenz die Bevölkerung zur Mithilfe auf. Dazu gaben sie zwei Fotos frei, auf denen zwei junge Männer mit dunkler Kleidung und Rucksäcken zu sehen sind. Zudem warnte Chefermittler Richard DesLauriers, dass die Männer bewaffnet und gefährlich seien.

Direkt im Anschluss an die Pressekonferenz machten die Journalisten ihren Job und verbreiteten die Suchnachricht, den Polizei-Aufruf zur Mithilfe und die Bilder der Verdächtigen. Sie schrieben Artikel für Print und Online. Produzierten TV-Sendungen und Radio-Beiträge.

Die Öffentlichkeit, die sich so erreichen lässt, reicht der Polizei allerdings heute nicht mehr. Zu viele Menschen lesen keine Zeitung mehr, hören kein Radio oder schalten bei TV-Nachrichten und News-Sendungen ganz bewusst um.

Also nahm die Polizei die Verbreitung ihres Aufrufes zudem selbst in die Hand, agierte als eigene kleine Broadcasting-Einheit und verbreitete ihre Botschaft via Facebook, Twitter und YouTube selbst. Via Social Networks erreichen die Fahnder viele junge Menschen, die ihre Botschaft sonst möglicherweise gar nicht mehr wahrnehmen würden.

Via Twitter schrieb die Polizei knapp: „Do you recognize these individuals? Contact 1-800-CALL-FBI (1-800-225-5324), prompt #3“. Verlinkt wurden in dem Tweet dann die Fahndungsfotos des FBI.
###YOUTUBEVIDEO###

Ein zweiter Tweet ging auf das YouTube-Konto des FBI. Dort spielte die Bundespolizei Video-Material aus den Überwachungskameras ein. So nutzen die US-Ermittler ganz bewusst die viralen Möglichkeiten der Web2.0-Plattformen. Nirgendwo sonst verbreiten sich Nachrichten schneller. Zudem schauen die Menschen bei einem kurzen Web-Video womöglich konzentrierter hin, als wenn es nur Teil einer Nachrichtensendung im klassischen TV ist.

Ob die aktuellen Verhaftungen bereits ein Erfolg der Webfahndung sind, ist noch unklar. Fest steht jetzt schon, dass Twitter, Facebook & Co. den Menschen viel stärker als früher die Möglichkeit geben, live dabei zu sein. Das beste Beispiel dafür ist Professor Seth Mnookin. Er twitterte am Freitagmorgen live vom Polizeieinsatz am MIT.

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