Promis im Windschatten der Privatsphäre

Schon wieder eine Promi-Trennung, schon wieder eine Pressemitteilung eines Medienanwalts. Nach Oliver und Alessandra Pocher haben sich offenbar Jenny Elvers und Goetz Elbertzhagen getrennt. Es ist mittlerweile normal geworden, dass Medienanwälte wie der Berliner Christian Schertz oder der Kölner Ralf Höcker via Pressemitteilung darauf hinweisen, wen sie gerade vertreten und den Schutz der Privatsphäre anmahnen. Ganz egal, wie sehr sich ihre Mandanten zuvor öffentlich entblößt haben.

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Die Berichterstattung über so genannte Prominente und ihr Leben, Lieben und Leiden ist eine komplizierte Angelegenheit. Die Medien sind heiß auf solchen Stoff, denn die bekannten Namen garantieren Aufmerksamkeit und damit Auflage und Quote. Manche Prominente verdanken ihre Prominenz zudem fast ausschließlich der Zurschaustellung von Privatem. Andere Prominente wollen dagegen nur wegen ihrer Arbeit, ihrer Kunst wahrgenommen werden. Zur zweiten Kategorie darf etwa eine Katja Riemann zählen, die neulich für Aufsehen sorgte, weil ihr selbst ein harmloses Einspielfilmchen aus ihrem Heimatort wahnsinnig peinlich war und sie die PR-Fragespielen eins NDR-Moderators partout nicht mitspielen wollte.

Zur ersten Kategorie darf man wohl Jenny Elvers-Elbertzhagen zählen, die zuletzt große Medien-Auftritte in der Zeitschrift Gala und bei RTL “Exklusiv” hatte und dort zusammen mit ihrem Mann und PR-Manager Goetz Elbertzhagen sehr ausführlich über ihre Alkoholsucht, ihre Therapie und ihre Eheprobleme sprach. Privater ging es nicht. Nun scheint es so, dass sich Goetz Elbertzhagen von ihr getrennt und eine neue Freundin hat. Man kann diese Information entweder aus dem Online-Auftritt der Bild-Zeitung beziehen oder aus einer Pressemitteilung von Elbertzhagens Anwalt Ralf Höcker.

Der schrieb am Donnerstagnachmittag über den Pressemitteilungs-Verteilungsdienst News Aktuell: “Meine Mandanten verwahren sich gegen jede identifizierbarmachende Berichterstattung in Wort und/oder Bild, insbesondere gegen jede Berichterstattung, die ihre Beziehung thematisiert. Insbesondere meine Mandantin ist bislang niemals medial in Erscheinung getreten. Sie will auch zukünftig nicht in der Öffentlichkeit stehen und daher weder gezeigt noch im Rahmen einer Wortberichterstattung erkennbar gemacht werden.” Die Überschrift lautet: “Goetz Elbertzhagen und seine Freundin bitten um Respektierung ihrer Privatsphäre” Was? Der Elbertzhagen hat ‘ne Neue? Gleich mal bei Bild gucken – tatsächlich: “Jenny Elvers und ihr Goetz -Trennung?” schreibt die Bild und lässt auch die Höcker’sche Pressemitteilung nicht unerwähnt.

Wenige Tage zuvor hatte der Berliner Medienanwalt Christian Schertz bereits eine ähnlich lautende Pressemitteilung versendet, die die Trennung des Komikers Oliver Pocher von seiner Frau Alessandra betraf. Bei Schertz war bemerkenswert, dass der die Presse darum bat auch keine Fragen ans Management der Pochers zu richten. Dass Medienanwälte vorsorglich darauf hinweisen, dass bei Berichterstattung auf den Schutz der Privatsphäre geachtet werden muss, ist noch verständlich. Dass aber auch darum gebeten wird, man möge doch bitte erst gar keine Fragen stellen, offenbart schon ein schräges Verständnis vom Journalisten-Beruf.

Die beiden Fälle sind aber auch aus eine anderen Grund bemerkenswert. Sowohl Schertz als auch Höcker haben in Interviews und Talkshows immer wieder erklärt, dass Prominente durchaus ihr Recht auf Privatsphäre weitgehend verwirken können, indem sie offensiv mit Medien gemeinsame Sache machen. Mit anderen Worten: Wer einmal die Schlafzimmertür aufgemacht hat, kann sie nicht ohne weiteres wieder zumachen. Nun sind sowohl Oliver Pocher und seine Frau als auch Goetz Elbertzhagen nicht direkt als medienscheu bekannt. Elbertzhagen hat sich mit seiner Frau extrem privat in Szene gesetzt (s.o.). Pocher hat seine Frau schon in TV-Shows auftreten lassen und mit ihr zusammen für Illustrierte posiert.

Bei Goetz Elbertzhagen hat nun das “Glück”, dass seine neue Freundin offenbar keine Medien-Person zu sein scheint, wie sein Anwalt schreibt. Die neue Freundin von Goetz Elbertzhagen genießt also noch den vollen Schutz der Privatsphäre. Und ihr Mann segelt im Windschatten der Privatsphäre seiner neuen Freundin raus aus den Klatschspalten. Besonders bitter ist am Fall von Jenny Elvers, dass diese nicht nur mutmaßlich ihren Mann los ist, sondern auch noch ihren Medien-Anwalt.
Im November 2012 verschickte Ralf Höcker eines seiner “Presserechtlichen Informationsschreiben” noch im Namen von Frau Jenny Elvers-Elbertzhagen, ihrem Sohn und ihrem Ehemann Goetz Elbertzhagen. Damals ging es darum, dass die Medien insbesondere Jenny Elvers-Elbertzhagen nachstellen würden und die resultierende Berichterstattung sei “für meine Mandantin nicht nur lästig sondern äußerst belastend und therapieschädlich. Es ist aus therapeutischer Sicht vor allem in der näheren Zukunft sehr wichtig, dass meine Mandantin sich unbelastet in der Öffentlichkeit bewegen kann.” Kurze Zeit später erschien dann die Gala mit einem Foto-Shooting mit Jenny Elvers und RTL zeigte eine zweiteilige Sondersendung der Reihe “Exclusiv – das Starmagazin”. Die Filmaufnahmen fanden offenbar schon statt, während die Therapie lief.

Ja, das mit dem Lieben und Leiden der Promis in den Medien ist durchaus eine komplizierte Angelegenheit. Und das mit der Privatsphäre manchmal auch.

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