Deutscher erhält „Henri“ für Pressefreiheit

Erstmals seit Gründung des Henri Nannen-Preises geht die Journalisten-Auszeichnung in der Kategorie für besonderen Einsatz für die Pressefreiheit an einen deutschen Journalisten. René Wappler hat sich trotz Attacken auf die Redaktionsräume der Lausitzer Rundschau und persönlicher Drohungen gegen seine Person nicht davon abbringen lassen, in der Lokalzeitung über Aktivitäten von Neonazis im brandenburgischen Spremberg zu berichten.

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Für die Nannen-Jury ist der Verfechter der Pressefreiheit ein verdienter Preisträger: "René Wappler hat sich von den ‚Lügenpresse, halt die Fresse’-Parolen an der Mauer seiner Redaktion nicht einschüchtern lassen", heißt es in der Begründung. "Im Gegenteil. Er hat persönliche Bedrohungen in Kauf genommen, um die Freiheit der Presse mit seinen Berichten zu verteidigen und über die rechtsextreme Szene in seiner Heimatregion zu schreiben", lobt Noch-Stern-Chefredakteur Andreas Petzold. "Dass er sich nicht kleinkriegen lässt und die Pressefreiheit auf lokaler Ebene – an der Wurzel der Demokratie – verteidigt, dafür erhält er den Henri Nannen Preis 2013 für den besonderen Einsatz für die Pressefreiheit."
Nach Wapplers Berichterstattung über einen Aufmarsch vermummter Neonazis in Spremberg kam es zu Angriffen auf die Redaktion der Lausitzer Rundschau, für die Wappler seit Ende seines Studiums schreibt. Nazis versuchten mit rechtsradikalen Parolen und Blutschmieren an den Fensterscheiben die Berichterstattung zu verhindern – die Drohungen gingen sogar soweit, dass die Redakteure Tierkadaver auf dem Redaktionsbriefkasten fanden.
Wappler ließ sich nicht einschüchtern und berichtete über den Angriff auf die Redaktion und weiter über die rechte Bewegung in seinem Ort und lehnte sogar das Angebot des Chefredakteurs ab, in eine andere Lokalredaktion zu wechseln. Wappler hielt dem Druck stand und kämpfte für die Pressefreiheit. Nicht zuletzt wegen Erinnerungen an die DDR, meinte Wappler zum Medienmagazin Zapp, das ihn eine Woche nach dem Anschlag begleitete: "In der DDR haben wir kennen gelernt, was es heißt, keine Pressefreiheit zu haben", so Wappler. "Deshalb sollten wir sie verteidigen."
In diesem Jahr vergeben der Verlag Gruner + Jahr sowie die Stern-Redaktion den Henri Nannen Preis zum neunten Mal. Die Preisverleihung findet am 26. April in Hamburg statt.

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